„Kriegen es nicht hin“
Wegen AfD: Kult-Moderator denkt ans Auswandern
Der bekannte Sportjournalist Marcel Reif denkt ernsthaft ans Auswandern aus Deutschland nach! Grund sind die Wahlerfolge der AfD, wie der 76-Jährige erklärte.
Die Stimme des deutschen Fußballs blickt mit Sorge auf die politischen Entwicklungen in Deutschland. Im Podcast „Zwischen den Zeilen“ sprach der Fußball-Experte mit Moderatorin Bettina Böttinger offen über seine Gedanken angesichts der AfD-Erfolge – und sogar über einen möglichen Wegzug.
So sagte der 76-Jährige: „Och, mit dem Schweizer Pass kann ich jederzeit wieder zurückgehen.“ Danach fragte er selbstkritisch: „Ist das nicht sehr, sehr resignativ?“
Video: Der Podcast mit Marcel Reif zum Nachhören
„Vielleicht geht‘s uns auch zu gut“
Zuvor hatte Reif über die Wahlerfolge der AfD gesprochen. „Vielleicht geht‘s uns auch zu gut. Vielleicht ging‘s uns allen zu lange zu gut. Daraus haben wir eine Gleichgültigkeit gegenüber falschen Tendenzen und Strömungen entwickelt“, sagte Reif. Er fügte kritisch hinzu: „Und lassen es so laufen.“
Parallelen zur Weimarer Republik
Reif zog Parallelen zu historischen Entwicklungen. Die aktuellen Ereignisse erinnerten ihn an das, was er über die Weimarer Republik wisse. Es sei fatal, extremistische Positionen zu verharmlosen, warnte der Journalist. Die AfD sei ernst zu nehmen, ihre Haltung sei: „Euch wird das Lächeln schon noch vergehen.“
40 Prozent der Deutschen sind ja keine Nazis.
Marcel Reif
Zur Erklärung: Die Weimarer Republik (1919 – 1933) war die erste Demokratie in Deutschland. Sie hatte mit großen wirtschaftlichen Problemen und vielen politischen Streitereien zu kämpfen. Es gab viele radikale Gruppierungen, die die Weimarer Republik ablehnten und bekämpften. 1933 kam Adolf Hitler an die Macht, das war das Ende der Weimarer Republik und Deutschland schlitterte in die Diktatur.
Mit Blick auf die aktuell hohen Zustimmungswerte für die AfD sagte Reif im Podcast: „40 Prozent der Deutschen sind ja keine Nazis. Aber es verfängt zunehmend irgendein Quatsch, den du doch als Quatsch identifizieren kannst. Aber wir kriegen es nicht hin.“
Es ist fatal, extremistische Positionen zu verharmlosen. Die AfD ist ernst zu nehmen, ihre Haltung ist: ,Euch wird das Lächeln schon noch vergehen‘.
Marcel Reif: Sohn eines Holocaust-Überlebenden
Reif wurde 1949 als Sohn eines polnischen Juden geboren. Sein Vater entging der Ermordung durch die Nationalsozialisten nur knapp. Dessen Lebensmotto „Sej a Mensch!“ griff Reif 2024 in seiner viel beachteten Rede im deutschen Bundestag zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus auf.
Zur Person
- Nach seinem Publizistik-, Amerikanistik- und Politik-Studium begann Marcel Reif 1972 als freier Mitarbeiter im Ressort Politik für die „heute“-Nachrichten und das „heute Journal“ beim ZDF. In den Jahren 1981 bis 1983 arbeitete er als Korrespondent im ZDF-Büro in London und wechselte 1984 in die Sportredaktion. Reif zählt zu den profiliertesten Sportjournalisten im deutschsprachigen Raum.
- 1986 gab er sein Debüt als Fußballkommentator. Nach über 20 Jahren im öffentlich-rechtlichen Rundfunk wechselte Reif 1994 zu RTL und wurde dort Chef-Kommentator. 1996 bis 1997 war er zudem noch Bereichsleiter für den Bereich Sport bei RTL. Nachdem RTL 1999 die Übertragungsrechte an der Champions League verloren hatte, wechselte Marcel Reif zu Premiere bzw. Sky, wo er bis 2016 als Chef-Kommentator tätig war und die Top-Spiele der Fußball-Bundesliga sowie der UEFA-Champions League kommentierte.
- 2016 sicherte sich SAT.1 seine Dienste als Experte bei der EM, ehe er fortan als Experte im Sport1-Doppelpass fungierte. Parallel kommentierte er von 2018 bis 2021 bei Blue in der Schweiz die Champions League, bis er ab 2020 mit seinem eigenen Format„Reif ist live“ zu Bild wechselte. Nebenbei fungiert Reif immer wieder als Moderator für Galaveranstaltungen, Sport- oder Businesstalks, Pressekonferenzen, Tagungen sowie Messeauftritte.
- Am 31. Jänner 2024 war Marcel Reif zum Gedenken der Opfer des Nationalsozialismus Gastredner im Deutschen Bundestag. Seine Rede „Sei ein Mensch“ wurde national wie auch international hoch anerkannt. Es gab minutenlang stehender Applaus der Abgeordneten des Bundestages, des damaligen Bundeskanzlers Olaf Scholz sowie des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier.
Sportjournalist klärt Schulkinder über Holocaust auf
Reif besucht weiterhin Schulklassen, um mit Kindern über den Holocaust zu sprechen. „Die hören zu, und nicht weil sie müssen, und die stellen danach vernünftige Fragen“, sagte er. Den Schülern sage er dabei: „Niemand kann euch verantwortlich machen für das, was damals war, aber wenn es sich wiederholt, ist jeder Einzelne von euch schuldig, das sage ich euch, und ich werde euch finden.“ Die Jugendlichen würden das „mannhaft und frauhaft zur Kenntnis“ nehmen und „kluges Zeug“ reden. Deshalb lautet sein Fazit: „Es ist noch nicht alles verloren.“
Reif besitzt Schweizer Pass, lebt hauptsächlich in München
Viele Jahre lebte Reif in der Schweiz. 2013 nahm er die Schweizer Staatsbürgerschaft an und gab die deutsche im Gegenzug auf. Heute lebt der Sportjournalist, der unter anderem für Bild TV und für den Schweizer Fernsehsender Blue+ als Fußballexperte fungiert, mit Hauptwohnsitz in München.









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