Um mehrere Cent/Liter

Spritpreise bei kleineren Tankstellen günstiger

Wirtschaft
19.05.2026 13:30
Porträt von krone.at
Von krone.at

Kleinere Tankstellen, die von den großen Ölkonzernen unabhängig sind, haben oft günstigere Spritpreise. Das teilte die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) am Dienstag mit. Diesel und Benzin seien dort teilweise um mehrere Cent pro Liter günstiger als jene von OMV, BP, Eni, Shell oder Turmöl.

Die Spritpreisbremse könnte aber dazu führen, dass auch unabhängige Betreiber ihre Preise erhöhen, sagte BWB-Chefin Natalie Harsdorf. Ihre Sorge sei, dass der Markteingriff „langfristig genau das Gegenteil erwirkt von dem, was man eigentlich will“. Es helfe auch nicht, kleine Tankstellen von der Verordnung auszunehmen, denn sie müssten beim Preis dennoch mitziehen. „Wenn wir damit die kleineren und mittleren Tankstellen aus dem Markt drängen, die vom Kapital nicht so aufgestellt sind, wie die vertikal integrierten, würde das die Wettbewerbsstruktur schädigen“, sagte die Kartellrechtsexpertin. In der Vergangenheit sei immer wieder beobachtet worden, dass die nicht vertikal integrierten Tankstellen die Preise nach unten gedrückt hätten.

Zuletzt waren die Preise für Sprit und Diesel dort teils um mehrere Cent günstiger als bei großen Tankstellen wie OMV, BP, Eni, Shell oder Turmöl. Die Kartellbehörde hat am Dienstag einen eigenen, wöchentlichen Spritpreis-Tracker gestartet, der die Detaildaten des Spritpreisrechners der E-Control mit Daten der EU-Kommission ergänzt.

Zitat Icon

Wenn wir damit die kleineren und mittleren Tankstellen aus dem Markt drängen, würde das die Wettbewerbsstruktur schädigen.

BWB-Chefin Natalie Harsdorf

Unterschiede je nach Bundesland und Region
Die Analyse zeigt neben den Preisunterschieden nach der Größe der Betreiber auch Unterschiede zwischen Bundesländern, städtischen und ländlichen Regionen sowie der Uhrzeit des Tankens. Sie bestätigt, was auch der ÖAMTC sagt, nämlich, dass Tanken kurz vor 12 Uhr mittags am günstigsten und nach 12 Uhr am teuersten ist. Grund dafür ist die Spritpreisverordnung, die besagt, dass Tankstellen nur einmal am Tag die Preise erhöhen dürfen.

Derzeit versuche das deutsche Bundeskartellamt durch Gerichtsprozesse mehr Informationen zur Preisbildung zu erhalten, sagte Harsdorf. Preisabsprachen der Unternehmen seien Spekulation. Es gebe allerdings nur wenige Raffineriebetreiber und diese hätten eine große Marktmacht.

Laut einer Erhebung des Fachverbands der Energierohstoff- und Kraftstoffindustrie (FVEK) waren zu Jahresende 2025 österreichweit fast 2700 Tankstellen in Betrieb. Gemeinsam versorgen sie mehr als fünf Millionen Fahrzeuge. Immer mehr Tankstellen bieten auch alternative Kraftstoffe wie Flüssigerdgas und Bioöl HV 100, das aus Abfall und Reststoffen hergestellt wird, und E-Ladestationen an.

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