Höchst ungewöhnlicher Prozess zur Wiedereröffnung des großen Schwurgerichtssaals im Wiener Landl nach langer Renovierungssperre. Eine Frau und zwei Männer sollen einen Mann in Wien gefesselt und brutal ausgeraubt haben. Die Krux: das Opfer hatte den Überfall aufgrund einer sexuellen Vorliebe selbst bestellt und wollte dabei offenbar sogar kastriert werden. Die Aktion in der Leopoldstadt eskalierte.
„Es war ausgemacht, dass wir ihn ,melken‘ sollen. Und sogar kastrieren. Aber das haben wir nicht gemacht“, sagt die 26-jährige Angeklagte in dem verstörenden Prozess. Schon öfter hatte sie das Opfer zu Sexspielen mit Auspeitschen getroffen. Am 26. Juli 2025 habe er sie wieder angerufen: „Er wollte, dass wir zu ihm kommen, ihn fesseln, auspeitschen und ihm seine Sachen wegnehmen.“ – „Die PS5 wartet auf euch“, soll ihr der junge Wiener geschrieben haben.
Meinem Mandanten wurde gesagt, dass es da einen ,crazy Typen‘ gebe, der überfallen werden möchte. Und ob er mitmachen will.

Anwalt Sascha Flatz in dem kuriosen Prozess
Bild: Eva Manhart
Vertrag für fingierten Raub
Die Burgenländerin war einverstanden. Gemeinsam mit zwei Freunden machte sie sich auf den Weg – einer wartete draußen, während drinnen „der Vertrag“ gemacht wurde, in dem auch Sex zu dritt vereinbart wurde. Doch die bestellten Täter hatten offenbar noch mehr im Sinn. Denn die Frau will vor dem Treffen erfahren haben, dass das Opfer pädophil sei und Kinderpornos konsumieren würde. „Er hat mir sogar ein Video geschickt.“
Weshalb sie dem 26-Jährigen, nachdem sie ihn mit Handschellen gefesselt hatten, „eine Abreibung“ verpassen wollten. „Ich hab’ ihm einen Faustschlag gegeben. Das hat ihm nicht so gefallen“, sagt die Frau. Danach hätte auch ihr Kollege sechs- bis siebenmal zugeschlagen. „Hatte das Opfer Verletzungen?“, fragt Herr Rat. „Ja, das Bett war voll mit Blut.“
Nicht „nur“ die PS5 eingepackt
Als Dritter kommt der Mandant von Anwalt Sascha Flatz ins Spiel. „Mein Mandant wurde angerufen und es wurde ihm gesagt, dass es da einen ,crazy Typen‘ gebe, der überfallen werden möchte. Und ob er mitmachen will.“ Dieser habe dann bei dem Sexspiel die Rolle des „Räubers“ eingenommen. Maskiert kam er in die Wohnung, gab der Frau ein Messer, das diese daraufhin dem gefesselten Opfer an die Schläfe hielt. Dann sammelten die bestellten Räuber nicht nur die PS5 ein – sie nahmen auch den Computer, ein Handy, Medikamente, Spritzen und die Geldbörse mit, ließen ihr Opfer mit gebrochener Nase und Platzwunde gefesselt in der Wohnung zurück. Im Oktober klickten dafür für das Trio die Handschellen.
Ich dachte, er steht auf sowas. Aber da hab ich glaub ich übertrieben.
Der Zweitangeklagte im Prozess
Auch eine Bulldogge erschossen?
„Es ist alles aus dem Ruder gelaufen“, gesteht die Frau, dass mehr passiert ist, als geplant. Und auch ihr vorbestrafter Komplize, ein Baggerfahrer, meint angesprochen auf die Faustschläge: „Ich dachte, er steht auf sowas. Aber da hab ich, glaub ich, übertrieben.“ In der umfangreichen Anklage, die sogar laut Richter Christoph Bauer „durchaus skurril“ ist, wird dem Burgenländer von der StA Wien unter anderem auch vorgeworfen, den Hund einer Freundin erschossen zu haben. „Das stimmt gar ned. Ich habe sicherlich keinen Hund umgebracht.“ Er habe mit seiner Bekannten sogar noch nach der französischen Bulldogge gesucht, nachdem diese verschwunden war.
Opfer muss jetzt auch mit Prozess rechnen
Übrigens: Auch das Opfer ist mittlerweile mit einem Strafantrag wegen falscher Beweisaussage und Verleumdung konfrontiert. Denn zu Beginn hatte es nach einem glatten Raubüberfall ausgesehen – ehe die Chats auftauchten, die belegten, dass der Mann diesen aufgrund seiner sexuellen Präferenzen selbst „bestellt“ hatte.
Urteile stehen aus.
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