Verheerendes droht laut UNO den Menschen, wenn die Grundpfeiler der digitalen Welt plötzlich zusammenbrechen. Die Staaten seien nicht darauf vorbereitet, dass etwa großflächig Satelliten ausfallen, der Strom unterbrochen wird oder Unterseekabel reißen, warnen die UNO-Organisation für Telekommunikation (ITU) und das UNO-Büro für Katastrophenvorsorge (UNDRR).
„Kritische digitale Risiken sind real, dokumentiert, systemisch und werden weitgehend unterschätzt“, heißt es in einem am Dienstag in Genf veröffentlichten Bericht. „Was wäre, wenn morgen Mobiltelefone und das Internet nicht mehr funktionieren würden, Zahlungen fehlschlügen, Krankenhäuser Patientendaten verlieren und Notfallwarnungen nie ankommen würden? Was wie Science-Fiction klingt, könnte Realität werden.“
Die Organisationen sprechen von einer „digitalen Pandemie“ und stellen drei beängstigende Szenarien vor:
Ein Sonnensturm wie 1859
Wenn die Sonne plötzlich mehr Strahlung und Teilchen ins All schleudert und diese die Erde treffen: An einem Septembertag 1859 hätten bei so einem Ereignis – Vorwarnzeit: höchstens 20 Stunden – Telegrafisten Stromschläge bekommen, Geräte hätten Funken gesprüht und Büros in Brand gesetzt.
Heutzutage würden Signale von Navigationssatelliten gestört, Flugzeuge hätten keinen Live-Radar mehr und Flüge müssten drastisch reduziert werden. Autonom fahrende Autos würden zudem stehen bleiben, Finanztransaktionen fehlschlagen.
Geomagnetisch induzierte Ströme könnten überdies Transformatoren im Stromnetz zerstören und die Stromversorgung stoppen. Datenzentren kämen an Grenzen, wenn sie ihren Notstrom aufgebracht hätten. Der Ersatz von Transformatoren in großem Stil könnte Monate dauern.
Extremhitze wie 2003
Mehr Bedarf an Kühlung, gleichzeitig Erwärmung der Flüsse, was den Betrieb von Atomkraftwerken einschränkt und die Befahrbarkeit der Flüsse, was den Nachschub mit Diesel für Notstrom beschränken könnte: Heutzutage wären ungleich mehr Datenzentren mit hohem Strombedarf betroffen als 2003. Sie könnten teils mangels Kühlung ausfallen, Bezahlterminals könnten Dienste versagen, Geschäfte schließen. Eine regionale Mobilfunk-Infrastruktur, die unabhängig von Datennetzen betrieben werden soll, braucht Basisstationssender, von denen viele ohne Kühlung nicht funktionieren.
Massives Erdbeben im Meer wie 2022
Im Gebiet von Tonga hat 2022 eine große Eruption des Vulkans Hunga-Tonga-Hunga Ha‘apai unter der Meeresoberfläche massive Schäden verursacht und unter anderem ein 80 Kilometer langes Unterseekabel zerstört, das den Inselstaat mit der Außenwelt verband. So etwas kann einen wochenlangen Internetausfall bedeuten, mit Folgen wie bei den anderen Szenarien.
Was zu tun ist
Meist werde beim Risikomanagement jede Gefahr einzeln betrachtet und davon ausgegangen, dass das Problem kurzfristig behoben werden könne. Die Gefahr sei aber, dass ein einzelnes Problem andere kritische Infrastruktur belastet und plötzlich mehrere gleichzeitig betroffen sind. Nötig seien unter anderem analoge Ausweichkapazitäten. Menschen müssten wissen, wie sie mit analogen Systemen digitale Disruptionen bewältigen und überwinden können, so die UNO-Behörden.
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.