Proben aus Wien zeigen

Straßenstaub voller Mikroplastik und Giftstoffe

Wien
05.05.2026 12:58
Porträt von krone.at
Von krone.at

Schockierende Erkenntnisse über die Luft, die wir täglich einatmen: In Wien soll deutlich mehr schädlicher Straßenstaub liegen als in anderen Großstädten. Das sagt die Geophysikerin Sylwia Klaudia Dytłow – und ihre Analysen lesen sich alarmierend.

In Wien liegt mehr schädlicher Straßenstaub als in anderen Großstädten, erklärte die Forscherin anlässlich der derzeit laufenden Generalversammlung der European Geosciences Union (EGU). Ihre Ergebnisse beruhen auf Proben, die sie im Vorjahr an sieben Stellen im Wiener Stadtgebiet genommen hat.

Das Ergebnis ihrer „Momentaufnahme“: viel Material – mit gesundheitsgefährdenden Inhalten.

Mikroplastik und krebserregende Stoffe entdeckt
Laut ihren Untersuchungen enthält der Wiener Straßenstaub viel Mikroplastik wie auch krebserregende Stoffe – jedenfalls mehr, als ihre Analysen in anderen Städten ergaben. Besonders problematisch sei dabei der feine Staub, „der sich entlang von Randsteinen und Parkspuren ansammelt“. Wird dieser aufgewirbelt, könne er leicht eingeatmet werden – vor allem von Fußgängern und Radfahrern.

Straßenstaub im Visier der Forschung: Wiener Proben zeigten eine hohe Belastung mit Mikroplastik ...
Straßenstaub im Visier der Forschung: Wiener Proben zeigten eine hohe Belastung mit Mikroplastik und Schadstoffen.(Bild: stock.adobe.com)

So entsteht der gefährliche Staub
Die Entstehung des Staubs ist dabei vielfältig: Der Straßenstaub in der Stadt entstehe vorwiegend durch den Abrieb von Reifen, Bremsen, Asphalt und Fahrbahnmarkierungen, aus Rostpartikeln von Fahrzeugen sowie durch Verbrennungs- und Treibstoffrückstände in den Abgasen. Zusätzlich komme noch Winterstreuung, Industrie und Luftverschmutzung dazu.

Besonders alarmierend: In den Partikeln fanden sich Schwermetalle und sogenannte polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe – Stoffe, die als krebserregend gelten.

Proben aus ganz Wien überraschen Forscher
Bei einer Bestandsaufnahme in Wien sammelte das Forschungsteam Staub an sieben Orten – darunter Wagramer Straße, Schwedenplatz und Schönbrunn. „Wir haben uns sehr gewundert, dass es für eine so große Weltstadt noch keine Untersuchung über die Verunreinigungen im Straßenstaub gab“, sagte Dytłow.

Die Ergebnisse im Labor in Warschau waren deutlich: Vor allem extrem feine Partikel seien in Wien besonders stark vertreten gewesen. „Wien war überhaupt die erste Stadt, in der wir genügend von diesem feinsten Material fanden, um all unsere Analysemethoden anwenden zu können“, so die Forscherin.

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Wir haben uns sehr gewundert, dass es für eine so große Weltstadt noch keine Untersuchung über die Verunreinigungen im Straßenstaub gab.

Geophysikerin Sylwia Klaudia Dytłow

Auch die Belastung mit Mikroplastik sei „gefährlich bis extrem gefährlich hoch“. Besonders kritisch seien langfristige Auswirkungen: „Die polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffe und bestimmte dieser Mikroplastikpartikel im Straßenstaub stellen erhebliche ökologische Risiken dar und bergen potenzielle langfristige Gesundheitsgefahren durch Einatmen und über die Nahrungsaufnahme.“

Reinigung als möglicher Schlüssel
Als möglichen Grund nennt die Expertin unterschiedliche Reinigungsintervalle. Während in Warschau zweimal pro Woche gereinigt werde, erfolge die Reinigung in Wien anlassbezogen.

Die Forscherinnen fanden heraus, dass Schadstoffe wie Mikroplastik und krebserregende Stoffe meist an magnetische Partikel aus Bremsabrieb und Abgasen gebunden sind. Dadurch kann die Verschmutzung mit einfachen Magnet-Methoden schnell und günstig in etwa einer Minute eingeschätzt werden, während genaue Analysen viele Stunden bis Tage dauern, so Dytłow.

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