Auf Anti-Trump-Kurs
Der „gute Amerikaner“ Papst Leo XIV. 1 Jahr im Amt
Papst Leo XIV. ist am 8. Mai ein Jahr im Amt. Friedlicher ist die Welt seither nicht geworden, allen Appellen des Vatikans zum Trotz. In Kriegsgebieten wie der Ukraine und dem Iran spielt die Diplomatie des Kirchenstaats keine Rolle. Zumindest aber ist es ihm gelungen, etwas Ruhe in die Kirche zu bringen.
Mit zwölf Monaten Abstand hat auch an Bedeutung gewonnen, was in Leos Antrittsrede anfangs nur als Fußnote registriert wurde: dass der erste Papst aus den USA damals zwar Italienisch und Spanisch sprach, aber kein einziges Wort seiner Muttersprache Englisch. Damit machte er deutlich, dass er sich aus seiner Heimat nicht vereinnahmen lassen will.
Leo gegen „Allmachtsfantasien“
Im Gegenteil: Der amerikanische Pontifex, bürgerlich Robert Francis Prevost, widersprach US-Präsident Donald Trump seither so deutlich wie kaum ein anderer Staats- oder Regierungschef. Wegen „Allmachtsfantasien“ eines „Tyrannen“. Wegen der Drohung, im Iran eine „ganze Zivilisation sterben“ zu lassen oder der Behandlung von Migranten.
Demonstrativ setzte das Oberhaupt von 1,4 Milliarden Katholiken in den USA einen Bischof ein, der als Flüchtling ohne Papiere in das Land gekommen war. Der Kirchenhistoriker Massimo Faggioli meint: „Er ist der gute Amerikaner, wie man ihn aus Filmen kennt.“
Er ist ein Brückenbauer. Einer, der Gräben zuschüttet.
Kardinal Reinhard Marx
Häufiger noch wird Leo als „Anti-Trump“ betitelt, zumal der Republikaner auch noch in einer Schimpftirade über den 267. Papst herzog und ein KI-generiertes Kitschgemälde von sich selbst als Jesus ins Internet stellte. Leo erklärte, dass er kein Interesse an einer Auseinandersetzung mit Trump habe, aber auch keine Angst vor der US-Regierung. Zurück nahm der Stellvertreter Christi auf Erden – so die Lehre – nichts. Im Vatikan legen sie Wert darauf, dass man dort in größeren Zusammenhängen denkt als aktuell im Weißen Haus.
Als Staatsoberhaupt des kleinsten Staats der Welt mit nicht einmal 1000 Einwohnern und keinerlei Industrie tut sich Leo naturgemäß leichter, Trump zu widersprechen als gewöhnliche Staats- und Regierungschefs. Dessen übliche Drohungen mit Zöllen oder Militär laufen bei ihm ins Leere.
Zudem hat Leo die Zeit auf seiner Seite: Mit seinen 70 Jahren ist er fast ein Jahrzehnt jünger als der Präsident. Wenn die Dinge normal laufen, wird er noch Papst sein, wenn Trump längst Geschichte ist.
1. Jahrestag wird in Neapel gefeiert
Den ersten Jahrestag seiner Wahl wird Leo übrigens nicht in Rom verbringen, sondern in Neapel und Pompeji. In der Ruinenstadt, die im Jahr 79 n. Chr. bei einem Ausbruch des Vesuvs verschüttet wurde, besucht er die päpstliche Wallfahrtsbasilika zu Ehren der Gottesmutter Maria. An einem 8. Mai vor eineinhalb Jahrhunderten wurde dort einst der Grundstein gelegt. Daran hatte Leo schon am Tag seiner Wahl auf der Mittelloggia des Petersdoms erinnert.
Im Lauf des Jahres will Leo noch nach Südamerika, auch in seine zweite Heimat Peru. In die USA, so hat er es wissen lassen, will er nicht.








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