Eigentlich sollten Friedhöfe Orte der Ruhe und Stille sein. Doch diese wird seit geraumer Zeit von pietätlosen Grabräubern gestört. Bisher waren sie nur in Niederösterreich auf Beutezug. Nun stellen sich auch angrenzende burgenländische Gemeinden auf Vorfälle ein.
Bereits seit einem Jahr beschäftigen Gräber- und Leichenschändungen auf Friedhöfen in Niederösterreich die Polizei. Die Vielzahl der Fälle deutet auf ein systematisches Vorgehen von Serientätern hin. Zum einen, weil die Orte geografisch zusammenhängen. Zum anderen, weil Gräber und Gruften gezielt mit Hebelwerkzeugen geöffnet werden und teils auch bewusst nach Namen und Jahrgängen gesucht wird.
Weil in etlichen Fällen Särge im Kopfbereich aufgeschnitten und der Kieferbereich der Beigesetzten beschädigt wurde, mutmaßt die Polizei, dass es die Grabräuber auf Zahngold, Halsketten und Ohrschmuck abgesehen haben. Solche Materialien lassen sich als Altgold zu Geld machen.
Selbst die letzte Ruhe ist nicht mehr sicher
Erst vor wenigen Tagen musste die Kriminalpolizei auf den Ruhestätten in Pottendorf und Ebenfurth Spuren sichern. Im Zuge dessen wurde auch die Friedhofsverwaltung der angrenzenden burgenländischen Gemeinde Neufeld an der Leitha über die Zugangssperren informiert. SPÖ-Bürgermeister Michael Lampel nahm dies gleich zum Anlass für eine proaktive Gräberkontrolle mit der Polizei. Denn erst vor einigen Jahren hatten dreiste Kupferdiebe auf dem örtlichen Friedhof ihr Unwesen getrieben und sogar die Dachrinne der Totenhalle mitgehen lassen.
Mehr als Stichproben
„Wir haben fast alle der rund 1000 Gräber überprüft, inklusive der 40 Gruften“, sagt Lampel. Begleitet wurde er dabei von Bestatter Franz Nechansky und Steinmetzmeister Thomas Leitner, der in Pottendorf bereits eine aufgebrochene Gruft zu sehen bekam. „Auf dem Friedhof in Neufeld gibt es relativ viele Gräber, die hängen. Das passiert durch Fundamentsenkungen und die Witterung im Winter. Stehen Gräber schief, können Deckel locker ein paar Zentimeter zur Seite rutschen“, erklären Leitner und Nechansky. Markante Grabdeckelverschiebungen und offensichtliche Schändungen habe man zum Glück nicht feststellen können. Aber:
Sind hier echte Profis am Werk, legen sie den Grabdeckel wieder so hin, dass es nicht auffällt. Gesicherte Angaben sind nur möglich, wenn man die Särge öffnet.
Steinmetzmeister Thomas Leitner
So will man den Dieben das Handwerk legen
Auch Landespolizeisprecher Oberstleutnant Helmut Marban bestätigt auf „Krone“-Anfrage, dass es Grabdeckelverschiebungen nur aufgrund von natürlichen Erdbewegungen gab: „Dennoch sind Verdachtsfälle umgehend zu melden. Außerdem wird es aufgrund der vielen relevanten Vorfälle in der Umgebung verstärkte Polizeikontrollen auf den Friedhöfen geben – vor allem nachts und in den frühen Morgenstunden.“
Im Nachbarort Hornstein ist man ebenfalls gewappnet. Dort ließ ÖVP-Bürgermeister Christoph Wolf im Eingangsbereich des Friedhofs vorsorglich Überwachungskameras montieren: „Vielleicht kriegt man im Ernstfall so die Täter zu fassen.“
In Österreich fällt Grabschändung rechtlich unter den Straftatbestand „Störung der Totenruhe“. In schweren Fällen, also dann, wenn Leichen misshandelt, beschädigt oder entnommen werden, Urnen gestohlen oder Gräber und Gedenkorte verunstaltet werden, drohen bis zu sechs Monate Freiheitsstrafe oder eine Geldstrafe von bis zu 360 Tagessätzen. Kommen weitere Delikte hinzu, etwa Diebstahl oder Sachbeschädigung, kann die Strafe deutlich höher ausfallen.
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