Als junge Nation versuchte Österreich in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg, sich als neutraler Staat in der Welt neu zu positionieren – auch und vor allem in Asien und Afrika. Welche Rolle Architektur dabei gespielt hat, zeigt das Architekturzentrum Wien mit der Schau „Global – neutral“.
Nach 1945 etablierte sich eine neue Weltordnung – nicht nur in Europa. Der Rückzug vieler Kolonialherren aus Afrika und der Kalte Krieg formten neue Blöcke und Allianzen. Die junge Republik Österreich versuchte, sich als neutraler Staat in diesen neuen globalen Machtverhältnissen zu positionieren. Ein Mittel dazu war die Architektur.
Wo und wie Österreich sich dabei mit Bauprojekten einen Namen zu machen suchte, hat das Architekturzentrum Wien jetzt in der Schau „Global – neutral“ aufgearbeitet. Der Fokus der ausgestellten Projekte liegt auf Afrika und Asien und ist auf den Zeitraum 1955 bis 1989 begrenzt.
Neutralität festigen
Architektur erweist sich in den ausgestellten Arbeiten als Botschafterin und Brückenbauerin. Die Intentionen dahinter und die Begleitumstände der Bauvorhaben waren durchaus unterschiedlich. Für Österreich standen zwei Interessen ganz klar im Vordergrund: wirtschaftliche Kooperationen und die Festigung der Erzählung der noch jungen Neutralität.
Der Abschnitt „Monumente einer neuen Ära“ behandelt etwa repräsentative Bauwerke im Kontext postkolonialer Nationenbildung. Als Beispiel dient hier etwa der Wiener Donauturm. Dessen Architekt Hannes Lintl wurde beauftragt, auch in Indonesien oder im Irak ähnliche Bauwerke zu realisieren. Unter dem Schlagwort „Zwischen Diplomatie und Deal“ werden Projekte gezeigt, die an der Schnittstelle diplomatischer und wirtschaftlicher Interessen liegen – hier entstand etwa ein Stahlwerk in Indien.
Gebaute Politik
Des Weiteren wird der Blick auf die Kooperation österreichischer Architekten mit NGOs und kirchlichen Organisationen im Zusammenhang mit Entwicklungszusammenarbeit gerichtet. Zu sehen sind sowohl Kirchen als auch Kinderdörfer in Burkina Faso, Indien oder Südkorea.
Spannend ist diese auf den ersten Blick etwas sperrige Schau definitiv durch die feinen historischen strategischen Verflechtungen, die sie aufzeigt: Architektur als eine höchst politische Angelegenheit.
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