„Vertrauen gewinnen“

Thurnher mit klarer Mehrheit an ORF-Spitze gewählt

Innenpolitik
23.04.2026 18:43

Hochspannung bis zuletzt am Wiener Küniglberg, der Heimat des ORF: Am Donnerstagnachmittag, nach einer „turbulenten Sitzung“ (Zitat FPÖ-Stiftungsrat Peter Westenthaler), hat der Stiftungsrat Interimschefin Ingrid Thurnher zur ORF-Generaldirektorin gewählt. Im krone.at-Ticker können Sie die Ereignisse des Tages nachlesen. 

Die wichtigsten Meldungen in aller Kürze:

  • Ingrid Thurnher wird als zweite Frau seit 1967 die Geschicke des ORF zumindest bis Ende 2026 leiten. Sie wurde mit einer klaren Mehrheit von 31:3 Stimmen mit einer Enthaltung gewählt. Sie wolle nun „das Vertrauen des Publikums zurückgewinnen“, sagte sie in einer ersten Stellungnahme. Eine Bewerbung über 2026 hinaus ließ sie offen.
  • Die Stiftungsräte hatten zuvor Kritik am Compliance-Bericht, der Weißmann keine sexuelle Belästigung gegenüber einer ORF-Mitarbeiterin vorwirft, geübt. So seien die Quellen im Bericht „mangelhaft“. 
  • Die Wahl für die eigentliche nächste fünfjährige ORF-Generaldirektorenperiode ab 2027 ist für den 11. August angesetzt, würde allerdings nun auf den 11. Juni 2026 vorverlegt. 28 Stiftungsratsmitglieder stimmten dafür. 

  • Westenthaler berichtete zwischendurch in einem Statement von einer „turbulenten Sitzung“, die mit einer „Schlacht der Rechtsanwälte“ begonnen habe. Dabei habe sich „keine rechtliche Sichtweise wirklich durchgesetzt“. 

  • Was die Debatte um den Luxus-Pensionsvertrag von Berater Pius Strobl angeht, so ist man allerdings zu keinem Ergebnis gekommen. Thurnher werde hier „nachdenken und Rücksprache halten“, hieß es. 

  • Medienminister Andreas Babler hatte am Donnerstag im Nationalrat bekannt gegeben, dass er erst im Herbst mit einer ORF-Reform starten möchte.

Der Liveticker zur Sitzung des ORF-Stiftungsrats hier zum Nachlesen:

Der ORF-Stiftungsrat hat am Donnerstag Ingrid Thurnher (Bild) zur neuen ORF-Generaldirektorin ...
Der ORF-Stiftungsrat hat am Donnerstag Ingrid Thurnher (Bild) zur neuen ORF-Generaldirektorin bis Ende 2026 gewählt.(Bild: APA/GEORG HOCHMUTH)

Stimmungstiefpunkt am Küniglberg
Seit der Veröffentlichung des ersten ausführlichen Gesprächs der „Krone“ mit jener Frau, die Ex-ORF-General Roland Weißmann der sexuellen Belästigung beschuldigt, ist die Stimmung im ORF an einem Tiefpunkt angelangt. Interimschefin Ingrid Thurnher bezeichnete die veröffentlichten Chats wortwörtlich als „verstörend, schockierend und inakzeptabel“.

Der Bericht der von Thurnher eingesetzten Compliance-Kommission war zuvor zum Schluss gekommen, dass bei den Handlungen von Weißmann keine sexuelle Belästigung vorliege. Jene ORF-Mitarbeiterin hatte sich nun erstmals zu Wort gemeldet und auch Einblicke in den jahrelangen Chatverlauf gegeben. Beobachter gehen davon aus, dass dem zurückgetretenen ORF-Chef nur ein Bruchteil seiner finanziellen Forderungen (ursprünglich 3,9 Millionen Euro) zugesprochen werden wird.

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