Lentos Linz

Max Pechstein: Rebell mit dem Pinsel lebt weiter

Oberösterreich
22.04.2026 16:00

Ein Expressionist von Weltrang steht nun im Mittelpunkt einer großen Ausstellung im Linzer Kunstmuseum Lentos: „Max Pechstein. Abenteuer Expressionismus“ ist die erste umfassende Retrospektive in Österreich. Sie dokumentiert Farbrausch, Aufbruch und Provokation in einer Epoche, die von zwei Weltkriegen überschattet war.

Max Pechstein (1881-1955) galt als Enfant terrible des Expressionismus: Er sprengte Sehgewohnheiten und malte gegen Konventionen an. „Aufstand der primitiven Instinkte“ oder „wider den Geschmack“ wetterte die Kunstkritik um 1910.  Doch Pechstein war auch geschäftstüchtig. Der Galerist Wolfgang Gurlitt wurde ab 1912 sein wichtigster Unterstützer.

Damit schließt sich der Bogen zu Linz, denn es wird offensichtlich, warum das Lentos diese Ausstellung einfach zeigen muss: Gurlitt – sein Leben wurde mehrmals aufgearbeitet – gilt als Begründer der Linzer Kunstsammlung, die heute im Lentos beheimatet ist.

Der Rebell mit dem Pinsel und sein Galerist
Kuratorin Brigitte Reutner-Doneus baute die Ausstellung, die nur in Kooperation mit dem Pechstein-Museum in Zwickau entstehen konnte, auf zwei Säulen auf: Einerseits folgt man Pechstein, dessen Leben stark von den Wirren der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts geprägt war. Andererseits wird die Beziehung des Malers zu seinem Galeristen beleuchtet – eine Verbindung, die von Streit und Konflikten, aber auch von Wertschätzung und Förderung gekennzeichnet war.

Lentos-Chefin Hemma Schmutz (Mitte), Kuratorin Brigitte Reutner-Doneus und Ausstellungsarchitekt ...
Lentos-Chefin Hemma Schmutz (Mitte), Kuratorin Brigitte Reutner-Doneus und Ausstellungsarchitekt Klemen Breitfuss.(Bild: Liz Blur, Farbwerk)

Ein Leben in den Wirren des 20. Jahrhunderts
Gezeigt werden rund 150 Exponate, ergänzt durch Fotografien, Briefe, Holzstöcke und Malutensilien. Die Schau ist in vier Kapitel unterteilt. Sie beginnt mit den frühen Jahren und der Künstlergruppe „Die Brücke“, zu der Pechstein gehörte. Erzählt wird von der Südseereise, die in großartige, damals exotische Bilder mündete. Seine Karriere endete jedoch mit dem Beginn des Ersten Weltkriegs abrupt.

Max Pechstein, Selbstbildnis mit Pfeife, um 1946 Privatsammlung Hamburg, courtesy ...
Max Pechstein, Selbstbildnis mit Pfeife, um 1946 Privatsammlung Hamburg, courtesy KUNSTSAMMLUNGEN ZWICKAU Max-Pechstein-Museum(Bild: 2026 Pechstein – Hamburg / Berlin Foto © Christiane Koch, Fotografie & Film, Hamburg)
Max Pechstein, Einradfahrerinnen, 1928 Privatbesitz
Max Pechstein, Einradfahrerinnen, 1928 Privatbesitz(Bild: 2026 Pechstein – Hamburg / Berlin Foto © KUNSTSAMMLUNGEN ZWICKAU Max-Pechstein-Museum)

In der Zwischenkriegszeit erlebte Pechstein – auch dank Gurlitt – einen Karriereschub. Während der Zeit des Nationalsozialismus galt er aber als „entartet“, Werke wurden beschlagnahmt und verschwanden. Das letzte Kapitel der Ausstellung richtet den Blick auf die späten Jahre.

Bis heute lebt die Faszination weiter
Zu den stärksten Gemälden der sehenswerten, einzigartigen Schau zählen  „Die Unterhaltung“ (1920) oder das Südseebild „Frauen am Ufer“ (1953). In diesen Exponaten wird Pechsteins Duktus, der ihn berühmt gemacht hatte, sehr deutlich: klare Direktheit, reduzierte, teils roh konturierte Figuren und Formen in kräftigen Farben. Und das Magische dabei: Trotz aller Radikalität schwingt in seinen Bildern eine große Poesie. Am Kunstmarkt zählen sie zur oberen Klasse. Bis heute fasziniert Pechstein – er bleibt ein Rebell mit dem Pinsel.

Die Ausstellung im Linzer Kunstmuseum Lentos, die bis 30. August in Linz zu sehen ist, vereint Werke aus dem Pechstein-Museum in Zwickau mit Beständen des Lentos sowie Gemälde von privaten Leihgebern – darunter auch aus Oberösterreich.

Übrigens: Am Donnerstag, 23. April, führt Julia Pechstein, die Enkelin des Malers, durch die Ausstellung. „Mein Opa Max“ beginnt um 18 Uhr.

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