„Krone“-Gespräch

Ina Regen: „Mit ,nein‘ ist jeder Dialog beendet“

Musik
25.04.2026 06:00

Nach Jahren voller Hochs ging Ina Regen vor knapp zwei Jahren durch ihre persönliche Hölle. Kurz wankte der Karriereplan, dann setzten sich Selbstvertrauen und Leidenschaft gegen die Unsicherheit durch. Das Ergebnis heißt „Revolution der Liebeslieder“ und ist ihr neues Studioalbum. Im „Krone“-Interview erzählt sie offen und frei über die Achterbahnfahrt ihrer jüngeren Vergangenheit – und animiert zur Selbstliebe.

kmm

Jahrelang ging es bei Ina Regen nur steil nach oben. „Ich habe innerhalb von zwölf Monaten zwei Alben veröffentlicht, eines davon ging sogar auf Platz eins der Charts. Ich habe in einem glitzernden Paillettenkleid den goldenen Saal im Musikverein Wien gespielt und alle Konzerte im Jahr 2024 waren ausverkauft“, erzählt sie der „Krone“ im Talk. Inmitten dieser Jubelmeldungen brach sie aber mit ihrem Managementteam, denn all diese Erfolge schlugen sich monetär nicht nieder. „Wie konnten plötzlich all meine finanziellen Reserven verbraucht sein? Ich habe Menschen vertraut, die meine Geschäfte im Blick hatten und das Beste für mich machen sollten und dieses Urvertrauen wurde zerstört. Einerseits war ich völlig erfolgreich, andererseits musste ich meine Eltern um Geld bitten – und das mit 40. Das war eine erschütternde und wohl die tiefste Wunde, die mir in den letzten Jahren zugefügt worden ist.“

Kurz vor dem musikalischen Ende
Ein Jahr voll lichter Höhen und unbeschreiblicher Tiefen. Ein Jahr, das im Endeffekt dazu führte, dass Regen nicht nur sich selbst, sondern auch ihre Liebe zur Musik zu hinterfragen begann. „Es gab eine Zeit, da wäre Ina Regen fast völlig von der Bildfläche verschwunden und die Regina hätte geschaut, dass sie ein gutes Leben zusammenbringt. Aber irgendwann habe ich für mich beschlossen, mich nicht klein und leise kriegen zu lassen. Es hat Monate gedauert, bis ich wieder zu meiner großen Leidenschaft, der Musik, zurückfand. Rein finanziell wusste ich ja auch gar nicht, wie ich mir ein neues Album leisten sollte. Dann kam der Moment, wo ich merkte, dass die Beziehung zwischen mir und der Musik nicht kaputtbar ist. Kunst ist gerade total relevant, nicht nur für mich persönlich. Sie ist der Klebstoff in einer Gesellschaft voller Risse und in Musik liegt die Kraft, Empathie und Trost in den tiefsten Winkeln unserer Seele zu erreichen.“

Im Mai 2025 erschien mit der Single „Liebe is Widerstand“ der erste Vorbote zum neuen Album. Es war eine Rückkehr, ohne dass die Fans wussten, dass Regen wirklich weg war, weil die mehrmonatige Absenz und Unsicherheit im Inneren passiert ist. „Den Song habe ich in der Woche von Donald Trumps Inauguration geschrieben, wo mit Elon Musk der reichste Mensch der Welt einen Hitlergruß gemacht hat – und die ganze Welt hat zugesehen. Spätestens da war spürbar, dass wir einen Gezeitenwechsel erleben. Die Weltpolitik liegt jetzt in den Händen der reichsten Oligarchen. Was kann man dagegen tun? Der einzige Widerstand ist die Liebe. Für unsere Gesellschaft ist es unumgänglich, dass im analogen Raum wieder mehr Empathie und Mitgefühl herrschen – und dafür kann man sich proaktiv entscheiden.“ 

Wichtige Vorbildrolle
Regen liebt den Spruch „Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin“. „Anstatt mir anzusehen, was die Reichen so machen, investiere ich lieber in einen gemeinnützigen Verein, pflege meine kranke Mutter oder gehe auf eine Demonstration. Es gibt im Alltag täglich so viele Möglichkeiten, wie wir mit kleinen Entscheidungen ein Stück der Macht zu uns zurückholen können. Wir sind nicht nur kleine Zahnrädchen, die nichts bewirken können, sondern die Mehrheit.“ In der gut situierten österreichischen Musiklandschaft gibt es noch immer viel zu wenig Künstlerinnen. Regen hat eine Vorbildrolle für talentierte Sängerinnen wie Anna Buchegger, die selbst ihren Weg mit inhaltlich wichtigen Themen gehen. „Wir Frauen wissen unser ganzes Leben lang, dass wir Verantwortung übernehmen müssen. Insofern wundert und überrascht es mich auch wenig, dass es die wenigen Frauen sind, die ich dieser Verantwortung bewusst sind und sie ausfüllen“, spricht sie auf die Causa um Austropopper Christopher Seiler an.

„Seiler ist genauso ein Vorbild wie ich und dementsprechend groß ist die Erschütterung. Ich finde, sie sollte noch größer sein. Selbst Menschen, denen Feministinnen oft am Nerv gehen, wissen mittlerweile, dass unsere Kritik nicht aus der Luft gegriffen ist, sondern dass wir zurecht auf etwas Unbequemes hinweisen. Ein großer Teil der Bevölkerung empfindet dieses Thema als unangenehm und fragt sich, warum wir nicht immer über Liebe und Versöhnung singen können. Aber wenn ich diese Öffentlichkeit nicht nütze, um Frauen zu schützen, wer schützt sie dann? Wenn man nie über das Thema redet, wird weiterhin jeden zweiten Tag ein Femizid passieren, wie es in Deutschland der Fall ist.“ Der Song „Na is a ganzer Satz“ verfolgt Regen als Idee schon seit Jahren, nun hat sie ihn endlich umgesetzt. „Mit dem Wort ist jeder Dialog beendet. Punkt. Das ist nicht der Beginn einer Verhandlung. Das Lied ist wichtig, damit Frauen verstehen, dass sie bei einem ,nein‘ nicht in eine Diskussion gehen müssen.“

Gefahr einer verlorenen Generation
Auf „Revolution der Liebeslieder“ wechseln sich persönliche mit weltlichen Themen ab – oft ist der Grat auch so schmal, dass es keinen markanten Unterschied dazwischen gibt. „Mittlerweile gibt es Studien, die besagen, dass die Gen Z um 30 Prozent konservativer ist als meine Generation – wie konnte es dazu kommen? Dokus wie ,The Manosphere‘ geben vor, dass Frauen längst Gleichberechtigung erreicht hätten, was einfach nicht stimmt. Wenn wir da nicht aufpassen, wächst uns eine ganze Generation verlorener Jungs heran, die irgendwann glauben, Frauen sollten nicht wählen gehen dürfen und dem Mann dienen, ihm untertan sein. Jedes zweite Buch, das ich lese, ist ein feministisches. Wir müssen diese Zeichen sehr ernst nehmen. Nicht nur für die Mädchen der Zukunft, sondern für uns alle. Wir sind jetzt die Erwachsenen und müssen unsere Vorbildfunktion leben.“

Regen hat über die letzten Jahre gelernt, sich selbst gut zu behandeln. „Ich bin ein Herdentier. Ich brauche meine Familie, Zeit zum Nachdenken und zum Spazierengehen, eine gute Ernährung und Sport. Ich habe immer viel gearbeitet und liebe meinen Beruf, aber in diesem kapitalistischen Wettrennen mache ich nicht mehr mit. Wenn ich in dieser Leistungsgesellschaft nicht selbst auf mich aufpasse, tut es keiner. Songs wie „Das Lebm is schee“, „Dein Dorf“ oder „Marmeladenglasmoment“ gehen in diese persönliche Selbstentwicklungs- und Selbstliebe-Richtung. „Jeder Song auf diesem Album erinnert mich an das, was in meinem Leben für mich wichtig ist. Was meinem Wohlbefinden dient. Ich will vom Leben erzählen. Ich will andere Menschen dazu ermächtigen, ihr eigenes, individuell gestricktes Leben zu leben. Sofern mir die Plattformen zur Verfügung gestellt werden, kann ich mit Musik sehr viel bewältigen und sehr viel gestalten.“ 

Herbsttour durch Österreich
Die „Revolution der Liebeslieder“ und alle anderen Hits präsentiert Ina Regen im Herbst natürlich auch live. Zu sehen ist sie am 12. November im Ambach in Götzis, am 13. November in der Innsbrucker Musichall, am 14. November in der Szene Salzburg, am 18. November im Grazer Orpheum, am 19. November im Linzer Posthof, am 20. November auf der Bühne im Hof in St. Pölten und am 21. November im Wiener Globe. Unter www.inaregen.at gibt es alle Termine und die Kartenkaufoptionen.

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