Sorge vor Eskalation

„Feindliche Ziele“ lösen Luftabwehr in Teheran aus

Ausland
23.04.2026 21:54
Porträt von krone.at
Von krone.at

In der iranischen Hauptstadt Teheran sind Medienberichten zufolge erstmals seit Inkrafttreten der Waffenruhe mit den USA wieder Explosionen zu hören gewesen. Gleichzeitig wurde das Luftabwehrsystem aktiviert – ein deutliches Zeichen für die angespannte Lage.

Wie die staatliche Nachrichtenagentur Irna am Donnerstag berichtete, sei „das Geräusch von Luftabwehrfeuer“ zu hören gewesen. Die Nachrichtenagentur Mehr meldete zudem, dass das Abwehrsystem in mehreren Teilen der Hauptstadt gegen „feindliche Ziele“ aktiviert worden sei. Angaben zu möglichen Schäden oder Opfern lagen zunächst nicht vor.

Wohl Drohnen als Auslöser
Nach neuen Angaben der iranischen Agentur Fars könnte die Ursache inzwischen klarer sein: Ein Reporter der Agentur berichtete, die Aktivierung der Luftabwehr sei darauf zurückzuführen gewesen, dass an mehreren Orten im Iran kleine Drohnen am Himmel entdeckt worden seien. Ähnliche Vorfälle, bei denen Drohnen die Luftabwehr auslösten, wurden auch in der Vergangenheit gemeldet.

Israel greift laut eigenen Angaben nicht an
Israel erklärte am Donnerstagabend, derzeit keinen Angriff gegen den Iran durchzuführen. „Israel greift den Iran im Moment nicht an“, hieß es aus Sicherheitskreisen. Zugleich hatte Israels Verteidigungsminister Israel Katz zuvor betont, sein Land sei „bereit, den Krieg gegen den Iran wieder aufzunehmen“.

Die Ziele seien bereits „markiert“, man warte auf „grünes Licht“ aus den USA. In einer Videobotschaft sprach Katz zudem davon, die Führung rund um die Khamenei-Dynastie vollständig beseitigen zu wollen und drohte damit, den Iran „in die Steinzeit zurückzuversetzen“.

Waffenruhe verlängert – Gespräche ungewiss
US-Präsident Donald Trump hatte eine zunächst auf zwei Wochen angesetzte Waffenruhe auf unbestimmte Zeit verlängert. Diese solle gelten, bis der Iran einen Vorschlag zur Beendigung des Konflikts vorlege und Gespräche abgeschlossen seien. Ob und wann neue Verhandlungen stattfinden, ist derzeit unklar.

Trump selbst erklärte auf seiner Plattform Truth Social, er stehe unter keinem Zeitdruck und habe „alle Zeit der Welt“, während für den Iran „die Uhr ticke“. Zudem griff er US-Medien scharf an und stellte weitreichende, nicht bestätigte Behauptungen über den Zustand der iranischen Streitkräfte auf. So schrieb er unter anderem, die Marine liege „auf dem Grund des Meeres“, die Luftwaffe sei zerstört und die Luftabwehr ausgeschaltet. Auch iranische Führer seien nicht mehr im Amt. Ein Abkommen werde es nur geben, wenn es den USA und ihren Verbündeten passe.

Dritter US-Flugzeugträger in Nahost-Region eingetroffen
Fast zwei Monate nach Beginn des Iran-Kriegs haben die USA einen dritten Flugzeugträger in die Region verlegt. Die „USS George H.W. Bush“ habe im Indischen Ozean den Verantwortungsbereich des für den Nahen Osten zuständigen US-Zentralkommandos Centcom erreicht, teilte Centcom am Donnerstag im Onlinedienst X mit und veröffentlichte ein Foto des Flugzeugträgers mit zahlreichen Kampfflugzeugen an Deck.

Zuvor hatten die USA bereits die Flugzeugträger „USS Gerald R. Ford“ und „USS Abraham Lincoln“ in die Region verlegt.

Verhandlungsteam geschwächt
Für zusätzliche Unsicherheit sorgt ein Bericht des israelischen Senders N12: Demnach hat Irans Parlamentspräsident Mohammad Baqer Qalibaf das Verhandlungsteam seines Landes verlassen. Hintergrund soll eine Intervention der Revolutionsgarden sein. Qalibaf hatte in den bisherigen Gesprächen eine zentrale Rolle gespielt.

Experten werten den Schritt als mögliches Zeichen für eine härtere Linie innerhalb des iranischen Machtapparats. Dies könnte eine Einigung mit den USA weiter erschweren – und auch eine Wiederöffnung der strategisch wichtigen Straße von Hormuz verzögern.

Ölpreise steigen deutlich
Die Entwicklungen schlagen sich auch auf den Energiemärkten nieder. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) Rohöl der Nordseesorte Brent mit Lieferung im Juni stieg auf 105,56 US-Dollar und lag damit um 3,6 Prozent über dem Vortag. Auch die US-Sorte WTI verteuerte sich ähnlich.

Der Iran-Krieg hatte am 28. Februar mit Angriffen Israels und der USA begonnen. Dabei wurde unter anderem der oberste Führer Ayatollah Ali Khamenei getötet.

Diplomatische Lösung wohl in weiter Ferne
Teheran reagierte seither mit Raketen- und Drohnenangriffen auf Israel sowie auf mehrere Golfstaaten und US-Einrichtungen in der Region. Zudem ist die wichtige Straße von Hormuz seit Beginn der Kämpfe durch die Revolutionsgarden faktisch gesperrt.

Vor rund eineinhalb Wochen waren Gespräche zwischen den USA und dem Iran unter Vermittlung Pakistans ohne Ergebnis geblieben. Die aktuelle Entwicklung deutet nun darauf hin, dass eine diplomatische Lösung weiterhin in weiter Ferne liegt.

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