Das heimische Duo Cari Cari hat sich mit starken Songs und Beharrlichkeit international längst einen Namen gemacht. Nun spielen sie nicht nur vor den Kings Of Leon beim „Krone“-Konzert am 23. Juni in der Wiener Stadthalle, sondern begleiten sie durch ganz Europa. Wie es dazu kam und was sonst noch ansteht, erzählen uns Stephanie Widmer und Alexander Köck mit gewohntem Schmäh.
„Krone“: Meine Lieben – alles begann damit, dass ihr vor ein paar Wochen statt den Fratellis als Vorband für die Kings Of Leon-Show in Wien am 23. Juni eingeladen wurdet. Wann und wo habt ihr davon erfahren und hattet ihr euch aktiv dafür beworben?
Stephanie Widmer: Uns wurde nur gesagt, dass The Fratellis für Wien abgesagt haben. Es war nur von der Stadthallen-Show am 23. Juni die Rede und das mit Vorbehalt. Wir waren nur einer von drei Vorschlägen vom lokalen Veranstalter des Wien-Konzerts.
Alexander Köck: Deshalb haben wir das zuerst gar nicht so ernst genommen. Bei so großen Bands spielen da so viele Faktoren mit, da weiß man nie. Wir haben uns mal den Tag freigehalten und nicht mehr darüber nachgedacht.
Seit wenigen Tagen wissen wir, ihr werdet in Estland, Polen, Deutschland, Italien und dann Österreich nicht weniger als fünf Mal vor den US-Rockern auf der Bühne stehen. Wie hat es sich ergeben, dass ihr nun den gesamten europäischen Konzertblock mitmacht?
Widmer: Nach einer Woche oder so kam dann noch ein Anruf, dass Band und Management total begeistert von uns sind und gerne hätten, dass wir die ganze EU-Tour begleiten. Wir waren fast überrumpelt (lacht). Wir waren gerade dabei die ersten Festival-Shows vorzubereiten und haben ehrlicherweise nicht einmal gerechnet, dass die Wien-Show klappt.
Köck: Es musste dann alles schnell gehen. Termine wurden verschoben und Flüge umgebucht. Am meisten haben wir wegen der ersten Show in Tallinn gezittert. Am Vortag war nämlich schon lange eine Show am Bergenfest in Norwegen fixiert. Beginn um 23.30 Uhr. Es war lange nicht klar, ob wir da überhaupt einen Flug bekommen, der uns rechtzeitig nach Tallinn bringt.
Widmer: Es hat funktioniert, aber es wird eine sehr kurze Nacht (lacht).
Wie war eure erste Reaktion auf die Anfrage des Kings Of Leon-Managements und musstet ihr dafür Pläne oder Dinge schwer umschichten?
Köck: Wir waren total happy und überrascht. Wir haben schon öfter mit so großen Acts zu tun gehabt. Gerade bei amerikanischen Bands ist das eine ziemliche Maschinerie. Ich hätte nicht gedacht, dass wir da eine Chance haben bzw. die Band selbst mitreden würde.
Widmer: Bis auf den Tallinn-Flug hat die Tour eigentlich perfekt reingepasst. Wir haben zwei Festival-Anfragen abgesagt, aber das hätten wir wohl so oder so gemacht.
Jetzt sind internationale Konzerte und große Gigs für euch mittlerweile fast schon Usus geworden, aber hat diese Tour Rutsche einen besonderen Wert? Und wenn ja, welchen?
Widmer: Wir haben erst gestern darüber gesprochen. Wir haben schon einige Idole von uns kennengelernt, die sich dann auch noch als Fans unserer Musik geoutet haben. Da fällt mir als erstes das Konzert mit Die Ärzte am Tempelhofer Feld in Berlin ein. 60.000 Zuschauer und die Band hat uns persönlich angesagt. Bela B. war danach auch noch bei zwei Konzerten von uns. Das war auch surreal.
Köck: Ja, letztes Jahr habe ich mir ein paar Mal gedacht: Zwickt’s mi. Wir haben eine USA-Tour gespielt und haben ausverkaufte Konzerte in ganz Europa gespielt. Überall von Porto bis Istanbul und Oslo bis Bologna. Aber so eine Arena-Tour mit einer internationalen Band aus der A-Liga haben wir noch nicht erlebt. Dass wir das Management und die Band so überzeugen konnten, ist für uns ein Ritterschlag.
Inwiefern passt ihr eurer eigenen Meinung nach perfekt zu den Kings Of Leon und was unterscheidet euch am Stärksten von einander?
Köck: Die Kings Of Leon stammen ja aus Nashville. Das ist die Livemusik-Hauptstadt der USA. Die Leute dort lieben handgemachte Musik und nehmen den Rock’n’Roll schon mit der Muttermilch auf. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass wir die gleiche Musik lieben. Hoffentlich können wir uns bei der Tour mal diesbezüglich austauschen. Und über Gitarren reden (lacht). Ich glaube, da haben wir uns auch viel zu sagen.
Hattet ihr schon die Möglichkeit, mit dem einen oder anderen Musiker der Band persönlich in Kontakt zu kommen oder ist dieses Vorhaben noch bis zum Tourstart am 14. Juni in Tallinn aufgeschoben?
Widmer: Nein, die ganze Kommunikation läuft über Management und Agenten. Man weiß dann auch nie, wie sehr die Band bei der Tour abgeschirmt wird. Die Ärzte zum Beispiel haben bei unserer Umkleide angeklopft und sich bedankt, dass wir dabei sind. Billie Eilish hat mal bei einem Festival nach uns auf derselben Bühne gespielt. Da mussten eine Stunde vor der Show alle ihre Garderoben verlassen und die ganze Bühne wurde gesperrt. Also das ist auch eine Frage der Kultur der Produktion.
Köck: Nachdem die Band aber in den Entscheidungsprozess eingebunden war, denke und hoffe ich, dass sie entspannt sind und wir uns viel über den Weg laufen werden.
Welche Verbindung habt ihr einerseits aus der Musiker-, andererseits aus der Fan-Perspektive zu Kings Of Leon. Welche Bedeutung hat die Band für euch?
Köck: An „Use Somebody” und „Sex On Fire” hat 2008 kein Weg vorbeigeführt. Ich erinnere mich, dass ich unglücklich verliebt war und dabei diese Songs viel zu viel gehört habe (lacht). Es ist aber keine negative Assoziation geblieben. Das Album „Come Around Sundown“ habe ich mir auch auf CD gekauft und viel gehört.
Widmer: Ich habe auf mehrfache Empfehlung vor kurzem in die ersten beiden Alben reingehört. Die sind bei mir gerade auf höchster Rotation. Da sehe ich auch die größte Nähe zu unserem Sound.
Ihr wolltet dieses Jahr nach dem intensiven 2025 eigentlich etwas ruhiger angehen, aber davon ist absolut gar nichts zu bemerken. Nimmt die Band mittlerweile mehr Platz in eurem Leben ein als je zuvor und hat das euer Leben zuletzt stark verändert?
Widmer: Du bist falsch informiert (lacht). Letztes Jahr haben wir 102 Konzerte gespielt. Dieses Jahr werden es wohl um die 40 sein. Das macht schon einen sehr großen Unterschied. Außerdem keine USA-Tour, Albumveröffentlichung und Musikvideo-Drehs. Also ich würde schon sagen, dass wir es ruhiger angehen.
Köck: Es sind dann schon mehr geworden als gedacht. Aber was sollen wir auch tun, wenn wir solche Anfragen bekommen (lacht). Wir kommen beide nicht aus Künstlerfamilien und sind uns sehr bewusst, was es für ein Privileg ist, auf diesen Bühnen zu stehen. Also wir genießen die Fahrt, solange wir können. Ich glaube, es hat sich auch gar nicht so viel verändert. Wir haben, seit es uns gibt, jede freie Sekunde Cari Cari gewidmet: Proben. Schreiben. Arbeiten. Jetzt sieht man mehr von den Früchten unserer Arbeit als früher. Darüber sind wir sehr glücklich.
Ein weiteres Highlight war sicher der Auftritt zum Auftakt der Wiener Festwochen am Wiener Heldenplatz vor rund 120.000 Menschen. Auch wenn die nicht dezidiert für euch gekommen sind – wie hat sich das angefühlt?
Köck: Es war eine sehr coole Erfahrung, sich in so eine Inszenierung einzufügen. Ich finde, dass die Show sehr gelungen war. Ich habe mir einen Teil der Eröffnung von der Seite der Bühne angesehen und gedacht: Wien ist schon eine großartige Stadt. So eine Show an so einem Ort und dann all die Leute im Publikum. Muss auch einmal gesagt werden.
Widmer: Ich habe die Bandbreite geliebt. Von Witch Club Satan bis zu Patti Smith hat Wien gezeigt, wie künstlerischer Ausdruck aussehen kann. Es war auch ein bisschen Klassentreffen: Die großartige Nenda war da, Fuzzman und der Schmusechor. In der Hausband gab es auch viele bekannte Gesichter, wie Lorenz Ambeek oder Sakura Katsuura.
Habt ihr da auch Kontakt zu Patti Smith und anderen Acts gehabt? Etwa euch gar von Braco in die Seele schauen lassen?
Köck: Dem Gitarristen von Patti Smith ist kurz vor dem Konzert der Verstärker abgeraucht, da hat er sich meinen ausgeborgt. Ich habe eigentlich gefragt, ob wir dafür ein Foto mit Patti machen dürfen, aber es ging ihr an dem Abend wohl nicht so gut. Wir haben sie nur kurz im Vorbeigehen gesehen. Umso beeindruckender war die Show, besonders als sie „People Have The Power“ gesungen hat. Trotz des nahenden Achtzigers lodert das Feuer nach wie vor in der Godmother Of Punk. Das war sehr inspirierend.
Widmer: Wir haben backstage viel über Braco diskutiert (lacht). Wir wollten herausfinden, ob er den gebenden Blick an- und abschalten kann, oder ob er, wie Medusa, das Geben nicht kontrollieren kann. Nachdem es bei uns, trotz mehrfachen Blickkontakts, zu keiner lebensverändernden Eingebung gekommen ist, gehen wir davon aus, dass zu diesen Zeitpunkten der gebende Blick abgeschaltet war. Also wissenschaftlich überprüft: Der gebende Blick wird auf- und abgeschaltet.
Da ihr euch auch immer gerne kultur- und tagespolitisch äußert: Wie habt ihr die Diskussionen um die Einladungspolitik von Festwochen-Intendant Milo Rau rund um Braco und Peter Thiel mitbekommen und wie seht ihr diese Diskussion?
Köck: Ich denke, bei der Festwochen-Eröffnung ging es darum, sich dem Thema Spiritualität aus verschiedenen Perspektiven anzunähern. Nachdem Esoterik und Wunderheiler einen riesigen Zulauf haben, finde ich es aus künstlerischer Perspektive nachvollziehbar. Ich glaube, man kann Menschen schon zumuten, dass sie sich selbst eine kritische Meinung bilden. Der Auftritt von Braco wurde sehr breit diskutiert und ich denke, das ist genau was Milo Rau wollte. Die Debatte um Peter Thiel habe ich nur sehr oberflächlich verfolgt, darum möchte ich mich dazu nicht im Detail äußern. Ich glaube aber, dass auch bei Peter Thiel mehr zu gewinnen als zu verlieren gewesen wäre.
Ihr spielt neben den Kings Of Leon-Shows noch eine Menge anderer großer Events und Festivals diesen Sommer – was sind eure persönlichen Highlights und in wie vielen Ländern habt ihr – komplett 2026 eingerechnet - als Cari Cari eigentlich schon live gespielt?
Widmer: Die Wiener Festwochen-Eröffnung war definitiv ein Highlight. Außerdem spielen wir zwei sehr coole Festivals in Norwegen: Bergenfest in Bergen und Parkenfestivalen in Bodø. Später sind wir drei Mal in Holland, da bleiben wir auch einmal eine Woche, um Freunde zu besuchen.
Köck: Ich freue mich auch schon sehr auf das Acoustic Lakeside Festival in Kärnten. Das ist ein geniales Festival mit einem großartigen, ehrenamtlichen Team. Da haben wir zuletzt 2017 als kleinster Act auf dem Line-Up gespielt. Jetzt sind wir Headliner.
Widmer: Ich habe mal kurz die Länder überschlagsmäßig gezählt. Ich glaube, über 30 sind es auf jeden Fall.
Ihr seid auch im Studio nicht untätig und arbeitet an Filmmusik und einem weiteren Album – was könnt ihr mir dazu bislang sagen? Wohin geht die Reise und was darf man sich wann erwarten?
Köck: Wir haben vor vier Jahren einen unserer Songs für „The Ultimate Run“ lizenziert. Das Video ist einer der erfolgreichsten Skifilme aller Zeiten, steht bei mehr als 20 Millionen Aufrufen auf YouTube und hat einen „Sports Emmy“ gewonnen. Nachdem wir beide Skifahren bzw. Snowboarden lieben, hat sich daraus mit dem gesamten Team eine Freundschaft entwickelt. Als sie uns Anfang des Jahres für einen Spielfilm angefragt haben, waren wir sofort Feuer und Flamme. Viel mehr können wir derzeit noch nicht sagen. Aber es macht sehr viel Spaß.
Widmer: Dieses Filmmusik-Projekt war perfekt, um nach so einem intensiven Konzertjahr wieder mit dem Schreiben zu beginnen. Es war ein sanfter Einstieg, weil wir mit einem klareren Plan wieder im Studio zurechtfinden konnten. Wir wissen noch nicht so richtig, wo die Reise bei unserem nächsten Album hingeht, aber es macht gerade sehr viel Spaß. Wir fühlen uns wie am Anfang unserer Karriere: Wie zwei Kinder beim Lego-Spielen.
Kings Of Leon beiseitegestellt – mit welchen drei bestimmten Bands würdet ihr in einer Welt, in der das uneingeschränkt möglich wäre, aus welchen Gründen gerne auf Tour gehen?
Köck: Uff, das ist schwierig. Ich glaube für mich wäre das Bob Dylan. Er ist wohl der einzige Künstler, bei dem ich dem Mythos anhänge, dass er sich vor einem Konzert aus der Luft materialisiert und danach wieder in den Songwriter-Olymp aufsteigt (lacht). Der Angelegenheit würde ich gern bei so einer Tour auf den Grund gehen. Oder eine Band, die Red Rocks in Colorado spielt bzw. auch in Japan tourt. The War On Drugs zum Beispiel. Die könnte ich mir jeden Abend wieder ansehen.
Widmer: Hm … und Cher (lacht).
Mit Kings Of Leon live in Wien
Am 23. Juni kommen die Kings Of Leon mit Cari Cari im Gepäck für ein „Krone“-Konzert in die Wiener Stadthalle, um ein unvergessliches Hit-Feuerwerk zum Besten zu geben. Unter www.ticketkrone.at gibt es noch Karten für das Rock-Highlight des Monats.
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