Das Land Burgenland geht seinen Weg unbeirrt weiter: Nicht einmal heftige Einwände und das Nein der Bundeszielsteuerungskommission konnten den Start der ersten Herzchirurgie des Landes verhindern. Langfristiges Ziel ist der Aufbau eines Herzzentrum mit bis zu 500 Operationen pro Jahr.
Es ist ein Schritt mit Signalwirkung, medizinisch wie politisch: In der Klinik Oberwart ist die erste Herzchirurgie des Burgenlands gestartet. Und das gegen den ausdrücklichen Widerstand der Bundeszielsteuerungskommission, die das Projekt wegen zu geringer Fallzahlen abgelehnt hatte. Im Zentrum steht mehr als eine neue Abteilung. In Oberwart soll in den kommenden Jahren ein Herzzentrum entstehen, mit bis zu 500 Operationen jährlich.
Für Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) ist der Ausbau eine Frage der Versorgung: „Es interessiert mich nicht, was die Bundeszielsteuerungskommission sagt. Wir brauchen deren Zustimmung nicht, um Menschen das Leben zu retten.“ Kritik kommt auch aus anderen Bundesländern. „Es ist eigentlich traurig, wenn Politiker aus Oberösterreich, der Steiermark und teilweise aus Wien sagen, dass wir diese Abteilung nicht brauchen.“ Es ging sogar soweit, dass der politische Konflikt persönlich geworden ist.
Doskozil spricht von Drangsalierungen gegen Herzchirurg Wolfgang Dietl, der die Abteilung aufgebaut hat und als erster Kandidat für die Primarstelle gilt: „Dr. Dietl hat viel Mut bewiesen, diesen Schritt mit uns zu gehen.“ Dietl selbst will den Anfeindungen aus der eigenen Kollegenschaft keine Bühne geben. Er verweist auf die Aufbauarbeit der vergangenen Monate: „Wir haben seit November viel weitergebracht. Der erste Patient wurde bereits operiert, dem Mann gehe es gut.“ Zur künftigen Ausrichtung sagt er: „Wir wollen keine Konkurrenz sein, aber exzellente Herzchirurgie anbieten.“
Es interessiert mich nicht, was die Bundeszielsteuerungskommission sagt. Wir brauchen deren Zustimmung nicht, um Menschen das Leben zu retten.
Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ)
Kürzere Wartezeiten, schnellere Hilfe
Für Betroffene soll sich vieles verbessern: Herzchirurgische Eingriffe waren bislang nur in anderen Bundesländern möglich, verbunden mit Wartezeiten von bis zu einem Jahr. Mit der neuen Abteilung werde erstmals eine eigenständige Versorgung vor Ort möglich, auch bei akuten und lebensbedrohlichen Fällen, kündigt Doskozil an. „Gerade bei Herzerkrankungen können lange Wartezeiten oder Abweisungen schwerwiegende Folgen haben“, ergänzt Stephan Kriwanek, medizinischer Geschäftsführer der Gesundheit Burgenland.
Burgenland hat höchste kardiovaskuläre Morbidität und Mortalität
Er verweist auch darauf, dass das Burgenland die höchste kardiovaskuläre Morbidität und Mortalität aller Bundesländer aufweise. Faktoren wie eine immer älter werdende Bevölkerung, der steigende Bedarf an Behandlungen im Bereich Herzmedizin und bestehende Versorgungslücken würden die eigene Abteilung notwendig machen. Die Voraussetzungen für den Betrieb wurden in kurzer Zeit geschaffen.
Gesamtes Spektrum der Kardiologie
Die ärztliche Direktorin der Klinik, Veronika Matzi betont, dass die Abteilung sowohl personell, als auch technisch sehr gut ausgestattet ist.“ Für Primar Andreas Ochsenhofer, Leiter der Abteilung für Innere Medzin, ist die Herzchirurgie die logische Ergänzung zur aufgebauten interventionellen Kardiologie: „Wir können künftig das gesamten Spektrum – von minimalinvasiven Eingriffen bis zur Operation am offenen Herzen – abedecken.“
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.