Insektizid im Hotel
Prozess zu Tod von Familie in Istanbul begonnen
Im November 2025 war eine vierköpfige Familie aus Deutschland im Türkei-Urlaub gestorben. Ein Gutachten stellte eine Vergiftung durch Aluminiumphosphid, ein schädliches Insektizid, fest. Dieses war im Hotel verwendet worden. Nun stehen sechs Angeklagte vor Gericht, darunter der Chef der Schädlingsbekämpfungsfirma.
Wie berichtet, war die Familie während ihres Urlaubs in Istanbul im November 2025 zunächst mit dem Verdacht einer Lebensmittelvergiftung in ein Krankenhaus gekommen. Zuerst starben die 27-jährige Mutter und die Kinder im Alter von drei und fünf Jahren. Nach mehreren Tagen auf der Intensivstation starb auch der 38-jährige Vater.
Vor Gericht in Istanbul sagte die Mutter des verstorbenen Mannes nun, dass ihre Familie niemals dorthin gegangen wäre, wenn sie gewusst hätte, dass Pestizide in ihrem Urlaubshotel angewendet würden. Manchmal werde er nachts wach und dann falle ihm ein, dass die Familie weg sei, sagte der Bruder des Verstorbenen. Er und sein Vater forderten die höchstmögliche Strafe für die Angeklagten.
Angeklagte schieben sich gegenseitig Schuld zu
Die Staatsanwaltschaft spricht von „bewusster fahrlässiger Tötung“ und fordert zwischen zwei Jahren und acht Monaten bis zu 22 Jahren und fünf Monaten Haft. Die Beschuldigten schoben sich zum Prozessauftakt gegenseitig die Schuld zu. Der Hotelbesitzer sagte, er habe zwar jemanden beauftragt, um einen Schädlingsbefall in einem Zimmer zu bekämpfen. Es sei aber nicht seine Pflicht gewesen, zu recherchieren, ob die von ihm beauftragte Firma gültige Zertifikate habe. Er habe außerdem sein Personal angewiesen, niemanden in das betroffene Zimmer einzuchecken.
Sie hatten ein Prinzessinnenkleid für ihre Tochter und ein Galatasaray-Trikot für ihren Sohn gekauft.
Der Anwalt holte persönliche Gegenstände aus dem Hotelzimmer der Familie.
Über die Beschaffenheit und Risiken der Lüftungsschächte des Hotels habe er nichts gewusst. Der Anwalt und Freund der Familie hatte zuvor gesagt, das giftige Gas sei wohl über einen Lüftungsschacht in das Zimmer gelangt. Er habe später das Zimmer selbst betreten und noch die persönlichen Gegenstände der Familie abgeholt. „Sie hatten ein Prinzessinnenkleid für ihre Tochter und ein Galatasaray-Trikot für ihren Sohn gekauft“, sagte er sichtlich mitgenommen.
Keine Zertifikate, kein Schutz
Auch der Chef der Schädlingsbekämpfungsfirma, der gemeinsam mit seinem Sohn und dem eingesetzten Mitarbeiter angeklagt ist, streitet die Vorwürfe ab. Der Betrieb sei als Reinigungsfirma registriert gewesen. Der Mitarbeiter sagte, ohne Zertifikat als Putzkraft angestellt worden zu sein. Er sei nur mit einer Staubmaske geschützt gewesen und habe das Insektizid nicht eingesetzt.
Wiederkehrendes Problem in der Türkei
Laut einem rechtsmedizinischen Gutachten wurde im Hotelzimmer der Familie das toxische Gas Phosphin entdeckt. Dieses kann bei Menschen unter anderem zu Leber- und Nierenfunktionsstörungen führen und beim Einatmen lebensbedrohlich sein. Wie die Schädlingsfirma an die Chemikalien gelangte, ist unklar. Nach Aussagen des Mitarbeiters wurden diese immer wieder eingesetzt. Er habe allerdings nicht gewusst, dass sie giftig seien. Der unerlaubte Einsatz von Chemikalien, fehlende Kontrollen in der Branche und mangelnde Ausbildung der Arbeitskräfte sind ein wiederkehrendes Problem in der Türkei. Auch andernorts gab es deshalb schwere Erkrankungen und Todesfälle.









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