Folgen des Iran-Kriegs

„Nach unten“: Drei Szenarien für die Wirtschaft

Wirtschaft
22.04.2026 10:00

Die Lage ist ernst, der Ausblick völlig offen. Die Sperre der Straße von Hormuz durch den Iran-Krieg lässt die Öl- und Gaspreise explodieren. Stefan Bruckbauer, Chefvolkswirt der Unicredit Bank Austria, zeichnet drei mögliche Wege für die heimische Wirtschaft – je nachdem, wie der Konflikt weitergeht.

Die Unsicherheit ist so groß wie selten. Seit Wochen ist eine der wichtigsten Handelsrouten für Öl blockiert, die Folgen für die österreichische Industrie, die Geldbörsel der Menschen und die Inflation sind massiv. „Es hängt alles davon ab, wie lange die Sperre dauert“, so Bank-Austria-Chefvolkswirt Stefan Bruckbauer.

In seiner Analyse stellt der Top-Ökonom drei konkrete Szenarien gegenüber: das alte (nun überholte) Friedensszenario, das neue Basisszenario und ein Risikoszenario für den Fall eines lange andauernden Konflikts zwischen den USA und dem Iran.

Szenario 1: Das alte Leben – nur noch Theorie
Früher, das war im Februar 2026, gingen die Prognosen der Bank Austria noch von einer mehr oder weniger „heilen Welt“ aus. Bruckbauer rechnete mit einem Ölpreis von rund 65 Dollar pro Fass im Jahres-Durchschnitt und günstigem Gas. Die Folge: moderate Inflation (1,9 Prozent) in Österreich und ein spürbares Wirtschaftswachstum von einem Prozent. „An dieses Szenario glauben wir nicht mehr“, so Bruckbauer. Der Zug ist abgefahren.

Szenario 2: Das Basis-Szenario (rosa) – unser aktueller Alltag
Das ist die Prognose, von der die Bank Austria derzeit ausgeht. Der Konflikt dauert noch etwas an, aber er eskaliert nicht und es gibt gelegentlich auch Entspannungsphasen.

  • Ölpreis (Jahresdurchschnitt): ca. 91 Dollar pro Fass
  • Gaspreis: ca. 51 Euro pro Megawattstunde
  • Inflation in Österreich: steigt auf 3,0 Prozent im Jahresmittel 2026
  • Wirtschaftswachstum (BIP): nur noch 0,8 Prozent

„Die Teuerung ist damit mehr als ein Prozent höher als ursprünglich angenommen, das Wachstum bricht um 0,2 Prozentpunkte ein“, rechnet Bruckbauer vor. Die guten Nachrichten: Eine Rezession wie 2023 und 2024 droht nicht, und die Energiepreise sind noch weit vom Horror-Niveau des Jahres 2023 entfernt.

Stefan Bruckbauer, Chefvolkswirt der UniCredit Bank Austria, glaubt nicht, dass die von der ...
Stefan Bruckbauer, Chefvolkswirt der UniCredit Bank Austria, glaubt nicht, dass die von der Politik anvisierten zwei Prozent Inflation im Jahres-Durchschnitt 2026 noch möglich sind.(Bild: Barbara Wirl)

Szenario 3: Das Risiko-Szenario – wenn der Krieg eskaliert
Das Szenario, das Unternehmern und Konsumenten Angst einflößt: Der Konflikt weitet sich aus, die Straße von Hormuz bleibt noch mindestens das ganze heurige Jahr gesperrt.

  • Ölpreis: schießt auf 116 Dollar pro Fass hoch
  • Gaspreis: explodiert auf 83 Euro pro Megawattstunde
  • Inflation: klettert auf 3,9 Prozent - mit Spitzen über 4 Prozent. Allein für Energie aus dem Ausland müssten wir plötzlich 13 Milliarden Euro zahlen, um vier Milliarden Euro mehr als in den anderen Szenarien.
  • Wachstum: bricht fast völlig ein auf nur 0,4 Prozent – faktisch Stagnation

„Das wäre kein Weltuntergang wie 2022 mit neun Prozent Inflation, aber es würde sich für die Menschen sehr schmerzhaft anfühlen“, sagt Bruckbauer. Besonders fatal: Die Kaufkraft bei täglichen Einkäufen wie für Lebensmittel und das Tanken liegt dann noch deutlich unter dem Niveau von 2019.

Die große Unbekannte: Die Dauer des Konflikts
Entscheidend für alle drei Szenarien ist eine einzige Frage: Wann wird die Straße von Hormuz wieder geöffnet? Gibt es doch noch eine schnelle Einigung, könnten Öl- und Gaspreise früher fallen – dann wäre sogar ein Wachstum von einem Prozent in Österreich möglich. Die von der Politik oft genannten „zwei Prozent Inflation“ hält Bruckbauer aktuell aber für „fast ausgeschlossen“.

Sein Fazit: „Wir bleiben zwar vorsichtig optimistisch, aber die Risiken zeigen eindeutig nach unten.“ Sollte der Krieg länger dauern, wird es für Österreichs Wirtschaft richtig eng.

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