Sechs Jahre Volksschule, neue Fächer, eine „Bildungspflicht“ und Druck auf Eltern: Das steckt hinter dem „Plan Zukunft“. Vieles davon ist zwar noch Vision – einiges würde das System aber grundlegend verändern.
Der von Bildungsminister Christoph Wiederkehr präsentierte „Plan Zukunft“ liest sich wie eine lange Wunschliste des pinken Politikers – einige Punkte dürften auf politischen Widerstand stoßen. „Der ,Plan Zukunft‘ ist nicht nur eine Vision und Leitstern, sondern eine konkrete Handlungsanweisung für Bildungsreformen. Und dafür wurde bewusst über den nächsten Wahltag hinaus geplant, weil es Zeit braucht, um Bildung zu verändern“, so Wiederkehr, der sich viel vorgenommen hat. Die neue Bildungsleitlinie wurde gemeinsam mit rund 46.000 Bürgern erarbeitet – Pädagoginnen und Pädagogen, Eltern, Schülerinnen und Schüler, sonstige Beteiligte im Bildungssystem und Bildungsinteressierte. Und diese Pläne sind durchaus ambitioniert.
In der Elementarprädagogik – einem Kernthema der Neos – soll etwa ein neuer Bildungsrahmenplan erarbeitet werden, besonders im Fokus stehen sollen dabei die Themen Kinderrechte und Kinderschutzkonzepte, Bildungspartnerschaft mit den Eltern, Kindergerechte Werte- und Demokratiebildung sowie die Stärkung der Basiskompetenzen für den Übergang in die Schule.
Leichterer Übergang von Kindergarten zur Schule
Auch das Ziel von bundesweiten Standards was Gruppengrößen, Kernzeiten, Arbeitsbedingungen und Assistenzpersonal in den Kindergärten angeht, betonte Wiederkehr einmal mehr. Außerdem soll der Übergang vom Kindergarten in die Volksschule beispielsweise durch Sprachstandserhebungen und einer Vernetzung zwischen Elementarpädagogen und Lehrern erleichtert werden. „Die Pädagogischen Hochschulen und die universitären Lehramtsbereiche werden organisatorisch zu einer gemeinsamen „School of Education“ zusammengeführt“, schildert Wiederkehr.
Minister verfolgt seinen Plan trotz politischem Widerstand
Ebenfalls im Plan nachzulesen: Volksschulkinder sollen künftig sechs Jahre gemeinsam lernen, bevor sie in verschiedene Schulformen wechseln. Die frühe Trennung nach der vierten Klasse würde damit nach hinten verschoben. Ziel sei es, mehr Chancengleichheit zu schaffen und den Druck für Zehnjährige zu reduzieren. Hellhörig dürfte da die ÖVP werden, die sich in der Vergangenheit immer gegen eine sechsjährige Volksschule ausgesprochen hat.
Wir müssen uns sicher sein können, dass alle Schüler, die die Pflichtschule abschließen, auch alle Grundkompetenzen beherrschen.
Bildungsminister Christoph Wiederkehr
Auch inhaltlich wird der Stundenplan für die Mittelschule und AHS-Unterstufe deutlich umgebaut. Für die 10- bis 14-Jährigen sind neue Fächer geplant, die klassische Wissensvermittlung stärker mit Alltagskompetenzen verbinden sollen. So soll etwa „Demokratie, Kommunikation & Konfliktlösung“ ein Raum werden, in dem Schülerinnen und Schüler lernen, ihre Meinung zu vertreten, andere Perspektiven zu verstehen und Konflikte konstruktiv zu lösen. Gleichzeitig soll mit „Wirtschaft & Berufsorientierung“ ein besseres Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge geschaffen werden – von persönlichen Finanzen bis hin zu grundlegenden Abläufen in Unternehmen und Gesellschaft. „Wir müssen entscheiden, welche Inhalte so wichtig sind, dass wir den Raum dafür schaffen – dafür habe ich eine Expertenkommission eingesetzt“, so Wiederkehr. Der Stundenplan soll demnach nicht einfach erweitert werden – im Zuge der Reform müssten bestehende Inhalte reduziert oder neu gebündelt werden. Und daran scheitert es üblicherweise: Schon die Einführung des neuen Pflichtfachs „Medien & Demokratie“ in der Oberstufe und die damit verbundene Stundenreduktion für Latein hat für hitzige Diskussionen mit der Lehrergewerkschaft und der ÖVP gesorgt.
Auch beim Schulabschluss wird angesetzt. Künftig sollen Schülerinnen und Schüler die Pflichtschule erst dann verlassen, wenn sie grundlegende Kompetenzen tatsächlich erreicht haben. Die „Mittlere Reife“ wird zum neuen Mindeststandard. Heißt: „Wir müssen uns sicher sein können, dass alle Schüler, die die Pflichtschule abschließen, auch alle Grundkompetenzen beherrschen. Deshalb wollen wir im Laufe der Legislaturperiode eine Mittlere Reife einführen“, kündigt Wiederkehr an.
Ein weiterer Punkt: Lehrpläne sollen nicht mehr jahrelang unverändert bleiben. Statt starrer Vorgaben sollen Inhalte künftig laufend überprüft und weiterentwickelt werden. Geplant ist ein regelmäßiger Review-Prozess, bei dem Lehrpläne angepasst werden können – etwa wenn sich Anforderungen durch Digitalisierung, Arbeitswelt oder gesellschaftliche Entwicklungen verändern.
Sanktionen für unkooperative Eltern
Brisant ist auch die geplante Neuregelung bei der Zusammenarbeit mit den Eltern. Künftig sollen Erziehungsberechtigte stärker in die Pflicht genommen werden, wenn es um die schulische Entwicklung ihrer Kinder geht. Vor allem in schwierigen Situationen – etwa bei massivem Fehlverhalten oder wenn Kinder sich selbst oder andere gefährden – gilt die Kooperation mit der Schule als Voraussetzung. Verweigern Eltern diese Zusammenarbeit, sieht der „Plan Zukunft“ einen mehrstufigen Mechanismus vor: Zunächst sollen Gespräche und Unterstützungsangebote greifen, im nächsten Schritt können verpflichtende Maßnahmen folgen. Bleibt die Kooperation weiterhin aus, sind im äußersten Fall auch Verwaltungsstrafen möglich.
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