Die AHS-Oberstufe bekommt neue Lehrpläne. Bildungsminister Christoph Wiederkehr präsentierte am Dienstag eine „umfassende Reform“ – die größte Änderung seit 2016. Allerdings ist noch eine große Frage offen.
„Es geht um mehr als Stundenverschiebungen. Schülerinnen und Schüler sollen befähigt werden, ihr Wissen in der Gesellschaft anzuwenden“, sagt Bildungsminister Christoph Wiederkehr. Die Reform sei nach langen Verhandlungen und in mehreren Arbeitsgruppen entstanden. Gleichzeitig betonte er: „Lehrpläne müssen künftig häufiger angepasst werden, weil sich Gesellschaft und Arbeitswelt rasch verändern.“
Vorerst geht es konkret darum: Es werden zwei Wochenstunden für das neue Pflichtfach „Medien & Demokratie“ reserviert. Zudem wird Informatik um eine Stunde erweitert und um Inhalte zu Künstlicher Intelligenz ergänzt.
Wo fällt dritte zusätzliche Stunde weg?
Im Gegenzug werden Stunden gekürzt, denn „es soll keine Mehrbelastung für Schülerinnen und Schüler entstehen“, sind sich der Minister und AHS-Direktorensprecherin Isabella Zins einig. Wie lange im Vorhinein diskutiert, fallen zwei Stunden Latein bzw. von der zweiten lebenden Fremdsprache weg. Wiederkehr sagte, seine ursprünglichen Pläne hätten eine stärkere Kürzung des Lateinunterrichts vorgesehen. Es gehe ihm aber nicht um eine „Agenda gegen ein Fach“, sondern darum, Platz für neue Inhalte zu schaffen. In welchem Fach die dritte Stunde eingespart wird, sei aber noch nicht klar geregelt, wie bei der Pressekonferenz am Mittwoch ersichtlich wurde.
Wie stark sich die Reform konkret auswirkt, hängt von den Schulen ab. Nur rund zehn Prozent verwenden die vom Ministerium vorgegebene Regelstundentafel. Für sie bedeutet die Reform tatsächlich weniger Latein, eine zusätzliche Informatikstunde und ein eigenes Fach „Medien & Demokratie“.
Für die Mehrheit sind schulautonome Lösungen möglich. Schulen können etwa bei anderen Fächern kürzen, Inhalte bündeln oder „Medien & Demokratie“ integriert unterrichten. Möglich wäre etwa ein kombiniertes Fach wie „Deutsch und Medien“. In solchen Fällen können die Stundentafeln sogar unverändert bleiben. Voraussetzung ist aber, dass die Inhalte tatsächlich vermittelt werden. Laut Isabella Zins sei die Einigung eine gute Lösung. Schüler hätten sich neue Inhalte gewünscht, wollten aber gleichzeitig keine zusätzlichen Stunden. Auch die Schulen wollten ihre autonomen Schwerpunkte erhalten.
Drei Schwerpunkte der pinken Lehrplanreform
Inhaltlich setzt die Reform auf drei zentrale Bereiche: Demokratie & Medien, Information & Künstliche Intelligenz sowie Wirtschafts- und Finanzbildung.
Im neuen Bereich „Medien & Demokratie“ sollen Schüler lernen, wie Öffentlichkeit entsteht, wie Social-Media-Algorithmen funktionieren und wie Informationen kritisch bewertet werden. Auch eigene Medienprojekte sind vorgesehen. Im Bereich Informatik & KI geht es um Daten, Programmierung, Cybersecurity sowie den kritischen Umgang mit KI-Systemen, etwa bei Falschinformationen oder sogenannten Halluzinationen. Unterrichtet werden soll dieser Bereich übrigens von Informatiklehrern, die zusätzliche Schulungen bekommen. Außerdem sollen Experten in die Schulen eingeladen werden, etwa in Form von Workshops.
Ausgebaut wird außerdem die Wirtschaftsbildung. Themen sind unter anderem Märkte, Wettbewerb, Globalisierung, geopolitische Konflikte und Finanzbildung. Zudem werden 13 lehrplanübergreifende Themen – von Gesundheitsförderung über Umweltbildung bis Verkehrserziehung – künftig direkt in den einzelnen Fachlehrplänen verankert. Gut findet Zins übrigens auch den Zeitpunkt, denn nach den Abschlussprüfungen nach Ostern, „haben wir ein Jahr Zeit uns vorzubereiten.“
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