Während die Friedensverhandlungen zwischen den USA und dem Iran in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad laufen, hat das US-Militär am Samstagnachmittag mitgeteilt, dass zwei Kriegsschiffe der US-Marine die Straße von Hormuz inzwischen durchquert haben. Damit sollten Vorbereitungen dafür getroffen werden, dass die wichtige Seefahrtstraße von Minen geräumt werden könne, erklärte das für den Nahen Osten zuständige US-Militärkommando Centcom.
Die beiden Kriegsschiffe seien Teil einer „umfassenderen Mission, die sicherstellen soll, dass die Straße vollständig von den zuvor von den iranischen Revolutionsgarden verlegten Seeminen befreit wird“, hieß es in der Mitteilung von Centcom. Die zwei Zerstörer hätten demnach die Straße von Hormuz passiert und im Arabischen Golf operiert.
Iran dementiert US-Querung
Teheran jedoch dementierte eine Querung der Meerenge durch US-Kriegsschiffe am späten Samstagabend. Die Centcom-Angaben würden „scharf zurückgewiesen“, erklärte ein Armeesprecher nach Angaben des Staatsfernsehens. „Die Entscheidung über die Durchfahrt von welchem Schiff auch immer liegt bei den Streitkräften der Islamischen Republik des Irans“, betonte er.
Trump: „Gefallen für Länder auf der ganzen Welt“
US-Präsident Donald Trump hatte zuvor betont, die USA machen das als „Gefallen für Länder auf der ganzen Welt, darunter China, Japan, Südkorea, Frankreich, Deutschland und viele andere“.
Es sei unglaublich, dass ihnen „der Mut oder der Wille fehlt, diese Arbeit selbst zu erledigen“, wütete er. Weiters erklärte der 79-Jährige, alle iranischen Minenleger seien versenkt worden.
Iran beschwerte sich bei Pakistan
Der Iran hat die Meerenge während des Krieges mit den USA geschlossen. Der Iran hatte die USA noch am Samstagnachmittag vor der Durchfahrt durch die Straße von Hormuz gewarnt. „Wenn die Bewegung des Schiffs fortgesetzt wird, wird es innerhalb von 30 Minuten angegriffen“, ließ der Iran der Nachrichtenagentur Tasnim zufolge den USA mitteilten. Die iranischen Revolutionsgarden hatten vor wenigen Tagen einen Bereich der Meerenge als Gefahrenzone deklariert und vor Minen in den Schifffahrtsrouten gewarnt. Die iranische Delegation, die in Islamabad Friedensgespräche mit den USA führt, legte beim Vermittler Pakistan Beschwerde ein.
Straße von Hormuz Grund für hohe Ölpreise
Seit Beginn des Iran-Krieges Ende Februar ist die Straße von Hormuz, durch die rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggastransports verläuft, durch das iranische Militär de facto gesperrt. Die Meerenge zwischen der Arabischen Halbinsel und dem Iran wird von den iranischen Revolutionsgarden kontrolliert. Zudem beschoss der Iran Ölanlagen in mehreren Ländern der Golfregion sowie Öltanker. Diese Entwicklungen ließen die Öl- und Gaspreise in die Höhe schnellen.
Ringen um Frieden: Große Differenzen bei US-Iran-Gesprächen
Unterdessen hat in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad das Ringen um ein dauerhaftes Ende des Iran-Krieges begonnen. Die Differenzen dabei dürften aber äußerst groß sein. Am Samstagabend wurde weiterverhandelt. Die iranischen Nachrichtenagenturen Tasnim und Fars berichteten von „überzogenen Forderungen“ der US-Seite.
Konkret wurde die Straße von Hormuz als zentraler Streitpunkt genannt. Der Fortschritt der Verhandlungen sei damit aus iranischer Sicht behindert worden. Tasnim zufolge besteht die iranische Delegation auf der „Wahrung der militärischen Errungenschaften“, eine mögliche Anspielung auf das Raketenprogramm der Islamischen Republik. Den größten Streit soll es beiden Berichten zufolge jedoch bei Fragen rund um die Straße von Hormuz geben.
Direkte Gespräche zwischen USA und Iran
Nach Angaben des Weißen Hauses sprechen die USA und der Iran direkt miteinander, unter Anwesenheit von Vertretern des Vermittlers Pakistan. Ein hochrangiger Regierungsbeamter des Weißen Hauses bestätigte ein trilaterales Treffen. Zuvor hatte es bereits aus pakistanischen Sicherheitskreisen geheißen, dass es direkte Gespräche gebe.
Davor hatte Gastgeber Sharif bei zwei separaten Treffen mit den jeweiligen Leitern der Verhandlungsdelegationen gesprochen, US-Vizepräsident JD Vance und Irans Parlamentspräsident Mohammad Bagher Qalibaf. Sharif bemühte sich dabei laut dem arabischen Fernsehsender Al Jazeera um direkte Gespräche unter pakistanischer Beteiligung.
Die von Pakistan vermittelte Verhandlungsrunde ist laut „New York Times“ das hochrangigste direkte Treffen zwischen US-amerikanischen und iranischen Beamten seit der Islamischen Revolution im Iran 1979. Die Sicherheitsvorkehrungen in Islamabad sind hoch. Mehr als 10.000 Sicherheitskräfte, darunter Soldaten, Polizisten und paramilitärische Einheiten, wurden für die Verhandlungen stationiert. Das Regierungsviertel und die diplomatische Zone sind abgeriegelt.
Welche Forderungen stehen im Raum?
Die USA und der Iran hatten sich in der Nacht auf Mittwoch auf eine zweiwöchige Waffenruhe verständigt – nun geht es in Islamabad um eine dauerhafte Friedenslösung. Die Liste an zu überwindenden Differenzen ist aber kompliziert und lang. Zu den größten Streitpunkten zählt Teherans Blockade der Straße von Hormuz. Der Iran beansprucht die Kontrolle der für die weltweite Energieversorgung wichtigen Meerenge und plant ein Mautsystem. Die USA wollen wie vor dem Krieg eine freie und sichere Durchfahrt ohne Maut.
Zudem verlangt Washington die Herausgabe von mehr als 400 Kilogramm hoch angereicherten Urans und die Einstellung des iranischen Atomprogramms. Washington will dem Iran auch eine Begrenzung seines Programms zur Entwicklung ballistischer Raketen auferlegen.
Teheran pocht indes auf die Freigabe eingefrorener iranischer Vermögenswerte sowie Reparationszahlungen für die während des Kriegs entstandenen Schäden. Zudem verlangt der Iran die Aufhebung sämtlicher Sanktionen, eine Garantie, dass es nicht mehr zu Angriffen kommen wird, und einen Abzug von US-Soldaten aus dem Nahen Osten.
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