Grüner Bundeskongress

Gewessler entsetzt über „Grausligkeiten“ im Budget

Steiermark
30.05.2026 10:39

Beim Bundeskongress der Grünen nahm sich Leonore Gewessler kein Blatt vor den Mund: Sie sprach von „Grausligkeiten“ im Bundesbudget und „Wahlversprechen, die schneller als unsere Gletscher schmelzen“. Auf der Bühne präsentierte sich aber auch Vizebürgermeisterin Judith Schwentner, die ihre Regierungsarbeit in Graz fortsetzen will.

Die Grazer Messe färbte sich am Samstag grün. Nicht zufällig wurde in der steirischen Landeshauptstadt, wo in einem knappen Monat ein neuer Gemeinderat gewählt wird, der 48. Bundeskongress veranstaltet. 260 Delegierte versammelten sich, um nicht nur miteinander zu reden, sondern auch zuzuhören: Erstmals traten außerparteiliche Gastredner auf, die sich vorab aufstellen lassen konnten. „G’scheit geredet wird in der Politik mehr als genug“, so das Motto.

Zuerst traten aber zwei bekannte Frauen – zwei Steirerinnen – ans Rednerpult. Eröffnen durfte die Grazer Vizebürgermeisterin Judith Schwentner, als Zweite folgte Bundessprecherin Leonore Gewessler. Für Schwentner steht eine herausfordernde Wahl an. Der angestrebte zweite Platz in Graz dürfte im Match mit ÖVP und FPÖ nur schwer erreichbar sein. Dieser könnte jedoch darüber entscheiden, ob sich eine Koalition mit KPÖ und SPÖ für eine zweite Regierungsperiode fortsetzen lässt.

Die Grazer Vizebürgermeisterin Judith Schwentner durfte eröffnen.
Die Grazer Vizebürgermeisterin Judith Schwentner durfte eröffnen.(Bild: Jürgen Fuchs)

Sie startete den Tag mit einer Kampfansage: „Am 28. Juni entscheidet sich: Geht es weiter mit Grün oder zurück zu Grau?“ Mit mutigen Entscheidungen, „auch wenn sie nicht immer leicht sind“, habe man bewiesen, dass aufgeholt werden kann, „was zehn oder 20 Jahre liegengeblieben ist“. Schwentner nannte Beispiele wie „Tausende neu gepflanzte Bäume“, ausgebaute Radwege, sichere Schulwege und das „Jahrhundertprojekt“ Neutorlinie, das nur dank Bundesgeldern umgesetzt werden konnte.

Zwei Frauen an der Spitze von Graz
Dabei habe sie mit Bürgermeisterin Elke Kahr (KPÖ) an der Seite teils „heftigen Gegenwind“ zu spüren bekommen: „Aber der aggressive Stil der anderen zeigt, dass wir vieles richtig machen“, ist Schwentner überzeugt. „Zwei Frauen an der Spitze prägen einen anderen Stil. Bei uns gibt es keine Luftschlösser, Prestigeprojekte oder unrealistische Wahlversprechen. Andere versprechen ständig das Blaue vom Himmel – wir bringen Grün auf den Boden.“

Leonore Gewessler und Judith Schwentner (rechts) wurden mit tosendem Applaus begrüßt.
Leonore Gewessler und Judith Schwentner (rechts) wurden mit tosendem Applaus begrüßt.(Bild: Jürgen Fuchs)

Klubobfrau Leonore Gewessler schloss an die Rede an: „Ich muss den Bundeskongress mit einem Geständnis starten.“ Als sie von Graz weggezogen ist, habe sie immer gedacht, sie kommt erst in ihrer Pension zurück. Das habe sich mittlerweile geändert: „Ich glaube, ich muss mir einen neuen Ort für den Ruhestand suchen. In Graz sprudelt einem heute das Leben entgegen.“

Dann schlug sie aber einen anderen Ton an: „In elf Tagen wird uns der Finanzminister sein Budget im Nationalrat präsentieren. Aber wir wissen schon heute, dass da Grausligkeiten drinnen stehen: Da kassiert die Regierung 700 Euro von jeder Teilzeit arbeitenden Frau ein. Da werden Familienleistungen abgewertet.“ Und man wisse auch schon jetzt, was nicht drinnen steht: „Kein Beitrag von Multi-Millionären und Milliardären, kein Beitrag des Erb-Adels, der weiterhin im Schlaraffenland lebt.“

„Wahlversprechen schmelzen schneller als Gletscher“
Dabei kritisierte sie die Regierungspartei SPÖ scharf: „Ihre Wahlversprechen schmelzen schneller weg als die Gletscher. Und leider auch ihre Haltung.“ Vor allem „Betonminister“ Peter Hanke, zuständig für Infrastruktur, ist ihr ein Dorn im Auge: „Ich habe das Gefühl, mein Schreibtisch macht eine Zeitreise zurück in die 70er-Jahre“, sagt die ehemalige Verkehrsministerin und verurteilt den beschlossenen Ausbau der A9 zwischen Graz und Wildon. Gewesslers Gegenvorschlag: die Öffipreise in Zeiten explodierender Energiekosten halbieren.

Die Gastredner Gerhard Martinek, Sarah Majdak und Katrin Tiroch (v. l.) machten ein Selfie mit ...
Die Gastredner Gerhard Martinek, Sarah Majdak und Katrin Tiroch (v. l.) machten ein Selfie mit Leonore Gewessler.(Bild: Karo Pernegger)

„Unser oberstes Ziel muss sein, das Leben der Menschen wieder leichter zu machen“, sagte sie passend zum Leitantrag „Fairer statt schwerer“, der daraufhin einstimmig beim Kongress angenommen wurde. Dabei sparte sie auch nicht mit Kritik an der ÖVP: „Die Frauenpolitik dieser Regierung besteht hauptsächlich darin, die Frauen für deppert zu verkaufen.“ Familienministerin Claudia Bauer richte den Frauen aus, mehr Kinder zu bekommen, während ihr Parteikollege Wolfgang Hattmannsdorfer Teilzeitarbeit verurteile. Ihr Appell: „Es reicht eben nicht, dass wir eines der reichsten Länder der Welt sind! Wir sollten auch eines der gerechtesten Länder werden.“

Am Nachmittag gab es dann noch besonderen Programmpunkt: Drei Gastredner, die mit Politik nichts am Hut haben, konnten ihre Ideen vor der gesammelten grünen Belegschaft präsentieren. Darunter der Unternehmer Gerhard Martinek, der einen Appell aussprach: Die aktuelle Energiekrise und die damit verbundene Teuerung seien eine „historische Chance für die grüne Bewegung und alle Menschen im Land“. Er plädiert dafür, geschlossen auf das „Megathema Energie“ zu setzen und eine noch einheitlichere Parteilinie zu verfolgen.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Steiermark
Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung