Junge Staatsoper

Puccini-Porträt für Kinder: So ist Oper wirklich

Kultur
10.04.2026 16:51

Die Staatsoper zeigt im Nest, ihrer Dependance im Künstlerhaus, die Kinderproduktion „Gestatten, Giacomo Puccini“. Die einstündige Collage ist so etwas wie die Staatsoper im Kleinformat: musikalisch auf höchstem Niveau, szenisch recht verstaubt und den Ton geben hier die Männer an.

Vorweg: Die Schulkinder ab 6 Jahren verleben in diesem inszenierten Porträt  meist kurzweilige 70 Minuten. Dafür sorgen jede Menge klassischer Bühnen-Klamauk mit Choreografien und Slapstick, interaktive Ratespiele, Kunstschnee, der magisch vom Himmel rieselt und die magisch glitzernde Discokugel an der Decke. Und ja: Auch erwachsene Besucher können hier noch dazulernen. Etwa, dass der 1858 geborene Puccini bereits als fünfter Mensch in Italien ein Automobil besaß. Dass er ein Technikfreak war und selbst gerne an den Inszenierungen seiner Opern mitarbeitete. Oder dass er sich im Morgengrauen mit einer Flinte im Schilf versteckte, um Enten zu jagen.

Traditionell in jedem Sinne
Jenseits davon lässt sich diese Kinderproduktion als traditionell in jedem Sinne bezeichnen – mit allen Vor- und Nachteilen dieses Attributs. Das Bühnenorchester der Wiener Staatsoper bestreitet das Projekt auf der Bühne sitzend, was den Kindern viel zum Schauen gibt. Die knapp 30 Musiker spielen dabei einen klangvollen wie kompakten Puccini, der ideal in dieses Haus passt. Überhaupt ist dieses Porträt musikalisch auf Top-Niveau – aufseiten des Orchesters wie des jungen Sängerteams.

Die Schwachstellen liegen hier klar in der Dramaturgie. Der lose Streifzug durch Klassiker wie „La bohème“, „Madama Butterfly“ oder „Tosca“ dürfte mit den vielen Liebesszenen in der Fassung von Christiane Lutz nur die wenigsten Kinder ansprechen. Dirigent Martin Gellner moderiert die Collage sehr bemüht. Die ersten 30 Minuten befürchtet man, Frauen dürfen hier gar nicht mitspielen. Von ihnen ist andauernd die Rede, auf der Bühne glänzen jedoch nur die Herren. Auch danach lässt sich Ana Garotic (als Mimi, Liu, Minnie oder Musetta) mehr tenoral ansingen als selbst vokal etwas beizutragen.

Slapstick und große Geste
Die angedeuteten Szenen (Regie: Lisa Padouvas) setzen auf klassisches Theaterhandwerk – vom Slapstick bis zur großen Geste. Aus Kostümen und Requisiten staubt es sichtlich. Was dieser Produktion auf jeden Fall gelingt: Sie zeigt ein sehr realistisches Bild des Repertoire-Betriebs der Staatsoper im Taschenformat. Ob dieser Blick ins (gut gemachte) Opernmuseum dazu geeignet ist, die übernächste Generation für Puccinis Musik zu begeistern, darf zumindest bezweifelt werden. 

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Hinweis in eigener Sache: Das krone.at-Forum präsentiert sich ab sofort in neuem Design! Wir freuen uns über konstruktives Feedback. Damit die Diskussionen in den Kommentarbereichen beim jeweiligen Thema bleiben, können Sie uns Rückmeldungen hier hinterlassen.

krone.tv

Top 3
Top Gutscheine
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung