Festwochen „Dark Noon“

Laute und laue Persiflage auf den Wilden Westen

Kultur
30.05.2026 18:00

Der dänische Theatermacher Tue Biering gastiert mit seiner Collage „Dark Noon“ bei den Wiener Festwochen. Seine grelle Gegenerzählung zur Erfolgsgeschichte der USA und des Wilden Westens überrascht mit einem Perspektivenwechsel, bleibt aber letztlich dramaturgisch schwach.

Die gewaltvolle und oft tragische Besiedelung des legendären Wilden Westen der USA ist eine oft erzählte Geschichte und hat mit dem Western ein ganzes Film-Genre begründet. Die dänische Theatergruppe fix+foxy und ihr künstlerischer Leiter Tue Biering haben beides aufgegriffen und daraus eine  furiose Gegengeschich­te gestrickt – erzählt und gespielt von einer Gruppe südafrikanischer Darsteller. Aktuell gastiert die lautstarke multimediale Theater-Film-Collage „Dark Noon“ bei den Wiener Festwochen im Museumsquartier.

Improvisierter Live-Film
Es ist eine chronologische Reise, die Tue Biering in der Halle G zeigt. Ausgehend von der Hungersnot in Europa, erzählt er in einzelnen Kapiteln vom Aufbruch und vom Kampf ganzer Generationen ins Reich der unbegrenzten Möglichkeiten: vom Wettlauf um fruchtbares Land über die Bekämpfung und Ausrottung indigener Stämme bis hin zum Goldrausch, der Cowboy-Kultur und dem Bau der Eisenbahn. Auf der anfangs leeren Bühne entsteht nach und nach ein improvisiertes Filmset für die einzelnen Etappen – ein Siedlerhaus, ein Reservat, eine Kirche, ein Saloon, ein Geschäft werden aufgebaut. Was alle Szenen verbindet, ist exzessive Waffengewalt.

Die einzelnen Stationen werden mit viel Witz und Schwung überzeichnet nachgestellt und live gefilmt, immer wieder werden Zuseher als Statisten herangezogen. Die Darsteller schlüpfen von Rolle zu Rolle, verbrauchen als Siedler und Goldgräber Unmengen weißen Puders für ihr überzeichnetes  Whitefacing. Im Gegenzug wird der transatlantische Sklavenhandel so gut wie ausgeblendet.

Wenig Erkenntnisgewinn
Das Fazit dieses turbulenten und doch langatmigen Parcours ist eine altbekannte: Die Erfolgsgeschichte der USA ist auf einer Spirale der Gewalt gebaut. Die unbegrenzten Möglichkeiten entstehen immer auf Kosten anderer. Die Finanzwelt ist eine Fortsetzung dieser Spirale mit anderen Mitteln. Jenseits ein paar witziger Pointen ist es ein Abend mit recht wenig Erkenntnisgewinn.

Die stärksten Moment liefert der Epilog – wenn die Darsteller erzählen, wie das Genre Western sie in ihrer Jugend in den Townships Südafrikas geprägt hat. Und wie die glorifizierte Gewalt dieser Filme sich noch in ihren Nachbarschaften fortgesetzt hat. 

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