US-Präsident Donald Trump ist dem Vernehmen nach sauer auf seine europäischen Partner. Im Krieg gegen das iranische Mullah-Regime wirft er Europa unterlassene Hilfeleistung vor. Der Ärger des Republikaners sitzt so tief, dass er mit Beratern bereits über den Abzug von US-Truppen vom alten Kontinent gesprochen hat.
Auslöser seien sein Ärger über die mangelnde Unterstützung der NATO-Verbündeten bei der Sicherung der Straße von Hormuz sowie der Widerstand gegen die Übernahme Grönlands, sagte ein hochrangiger Regierungsvertreter am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. Es sei jedoch noch keine Entscheidung gefallen.
USA wollen Kritik „bestrafen“
Das Verteidigungsministerium sei nicht angewiesen worden, konkrete Pläne für eine Truppenreduzierung auszuarbeiten. Der Insider betonte, Trump erörtere, Soldaten in die USA zurückzuholen. Die Zeitung „Wall Street Journal“ hatte am Mittwoch berichtet, die Regierung erwäge, Truppen aus Staaten abzuziehen, die sich kritisch über den US-israelischen Krieg im Iran geäußert hätten, und sie in unterstützende europäische Länder zu verlegen. Trump wolle seine Partner „bestrafen“, hieß es.
Die USA haben mehr als 80.000 Soldaten in Europa stationiert, davon mehr als 30.000 in Deutschland. Weitere größere Kontingente befinden sich in Italien, Großbritannien und Spanien. Vor allem aus Madrid kamen bisher äußerst kritische Wortmeldungen zu Trumps Krieg.
Italien verweigerte beispielsweise die Nutzung eines Flugplatzes auf Sizilien für US-Militärflugzeuge. Spanien sperrte gar seinen gesamten Luftraum – und auch Frankreich sei gegenüber den USA „sehr unkooperativ“ gewesen, erklärte Trump jüngst.
NATO-Chef kritisiert Mitglieder
Die Überlegungen belegen, wie sehr sich die Beziehungen zwischen Washington und den europäischen NATO-Verbündeten verschlechtert haben. Ein Besuch von NATO-Generalsekretär Mark Rutte im Weißen Haus am Mittwoch brachte offenbar keine wesentliche Entspannung. Die NATO reagierte zunächst nicht auf eine Bitte um Stellungnahme.
Rutte schlug sich umgehend auf Trumps Seiten und hat eine in Teilen zu zögerliche Reaktion der Bündnisstaaten auf den Krieg im Iran kritisiert. „In Bezug auf die logistische und sonstige Unterstützung der Vereinigten Staaten im Iran reagierten einige Verbündete – gelinde gesagt – etwas zögerlich“, sagte Rutte in Washington. Welche Länder er meinte, sagte der Niederländer nicht. Fairerweise müsse man aber anerkennen, dass viele von dem Angriff überrascht gewesen seien, fügte er hinzu.
Trump wirft den europäischen Hauptstädten seit Jahren vor, zu wenig für Verteidigung auszugeben. Zuletzt spitzte sich die Lage zu: Im Jänner sorgte der US-Präsident mit erneuten Drohungen, das zu Dänemark gehörende Grönland zu annektieren, für eine transatlantische Krise.
Niemand weiß, was Trump genau fordert
Seit dem Ausbruch des Krieges mit dem Iran am 28. Februar zeigte er sich zudem verärgert darüber, dass die NATO-Partner keine Hilfe bei der Wiederöffnung der Straße von Hormuz angeboten haben. Die für die weltweite Energieversorgung wichtige Route ist trotz eines in dieser Woche verkündeten, fragilen Waffenstillstands weitgehend gesperrt. Nur vereinzelt dürfen Schiffe passieren.
NATO-Diplomaten zufolge ließen die USA bisher offen, welche konkreten Einsätze sie von den einzelnen Mitgliedsstaaten erwarten.
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