Wirbel in Albanien

Weltweit erste KI-Ministerin nun Fall für Justiz

Außenpolitik
26.05.2026 10:30

Öffentliche Ausschreibungen sollten unter ihrer Führung „zu 100 Prozent frei von Korruption“ sein. Für großes Aufsehen hat September die Angelobung der weltweit ersten KI-Ministerin in Albanien gesorgt. „Diella“ (Sonne auf Albanisch) gerät nun aber selbst ins Visier der Justiz. Die Opposition wirft den Schöpfern selbst Korruption vor. Zudem gibt es auch verfassungsrechtliche Bedenken.

Premier Edi Rama bezeichnete sein virtuelles Regierungsmitglied, das der albanischen Schauspielerin Anila Bisha (siehe Bild unten) nachempfunden worden war, als „meine Tochter“, die „ihrem Vater gegenüber sehr loyal“ sei. Da sie aber keine Cousins und andere Familienmitglieder habe, würde sie auch dem Nepotismus nicht verfallen, versicherte der langjährige Regierungschef.

Die Schauspielerin Anila Bisha ist gar nicht glücklich darüber, dass sie einen Klon im ...
Die Schauspielerin Anila Bisha ist gar nicht glücklich darüber, dass sie einen Klon im Regierungskabinett hat.(Bild: APA/AFP/Adnan Beci)

Verfassungsgerichtshof muss urteilen
Doch die Opposition sah die KI-Ministerin, die von Microsoft und ChatGPT-Entwickler OpenAI gemeinsam entwickelt worden war, von Anfang an als intransparente „Fassade, um die täglichen gigantischen Diebstähle dieser Regierung zu verbergen“. Die oppositionelle konservative Demokratische Partei brachte eine Beschwerde ein, denn aus ihrer Sicht verbietet die Verfassung, dass nicht reale Menschen in der albanischen Regierung sitzen. Zudem sei ohne Rechtsgrundlage eine neue Ministerialstruktur geschaffen worden – außerhalb des verfassungsrechtlichen Rahmens. Nun soll das Höchstgericht in der Causa urteilen.

Digitalisierungsagentur unter Korruptionsverdacht
Aber auch an anderen Fronten droht Ramas Projekt Ungemach. Die nationale Informationsagentur AKSHI, die die digitale Transformation des Balkanstaates vorantreiben soll, ist in den Fokus der Justiz geraten. Gegen die Leitung der Agentur wird wegen Korruption und organisierter Kriminalität ermittelt. Aufträge sollen gezielt an befreundete Unternehmen vergeben und Konkurrenten sogar bedroht worden sein.

Schauspielerin klagt Regierung
Und dann ist da auch noch die Schauspielerin Bisha, die die Regierung mit einer Urheberrechtsklage konfrontiert. Die 58-Jährige besteht darauf, dass Aufnahmen von ihr lediglich zur Verwendung für einen Chatbot im digitalen Behördenportal gestattet gewesen seien. Dass sie nunmehr das Gesicht der KI-Ministerin ist, sei eine „unrechtmäßige Verwendung“ ihres Abbildes.

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