Kampf mit Engpässen
Fast jede 5. Tankstelle in Frankreich ohne Sprit
Nach dem verlängerten Osterwochenende stehen viele Autofahrer in Frankreich plötzlich vor leeren Zapfsäulen: Am Dienstagmorgen fehlte an fast jeder fünften Tankstelle zumindest eine Kraftstoffsorte. Was nach einer drohenden Spritkrise klingt, hat laut Regierung jedoch eine ganz andere Ursache.
Konkret waren rund 18 Prozent der Tankstellen von sogenannten „Rupturen“ betroffen – also teilweisen oder vollständigen Ausfällen bei Benzin oder Diesel. Besonders stark traf es Stationen des Ölkonzerns TotalEnergies: Etwa zwei Drittel dieser Tankstellen meldeten Engpässe.
Der Grund liegt laut Energieministerin Maud Bregeon in der hohen Nachfrage, die durch einen verlängerten Preisdeckel ausgelöst wurde. Benzin wurde weiterhin zu maximal 1,99 Euro pro Liter angeboten, Diesel zu 2,25 Euro – und damit günstiger als bei vielen Mitbewerbern.
Ansturm auf günstige Tankstellen
Die vergleichsweise niedrigen Preise führten zu einer starken Konzentration der Nachfrage auf TotalEnergies-Stationen. Während dort vielerorts der Sprit knapp wurde, lag die Ausfallquote bei anderen Marken bei lediglich rund vier Prozent. Laut Bregeon handelt es sich daher nicht um ein strukturelles Versorgungsproblem, sondern um ein logistisches: Nachfragespitzen – verstärkt durch das Feiertagswochenende – hätten die Lieferketten kurzfristig überlastet.
Auch Branchenvertreter teilen diese Einschätzung. Olivier Gantois, Präsident des Branchenverbands UFIP, betonte ebenso wie die Regierung, dass Lagerbestände und Raffinerien gut gefüllt seien. Die meisten Tankstellen sollten rasch wieder beliefert werden.
Keine neue „Spritkrise“ wie 2022
Bis Donnerstag gab es laut französischen Medien noch keine neuen offiziellen Zahlen, die auf eine deutliche Verschärfung oder Entspannung der Lage hindeuten. Die Situation wird demnach weiterhin als regional und vorübergehend beschrieben. Hinweise auf eine landesweite Eskalation zu einer echten Knappheit – wie zuletzt im Jahr 2022 – gibt es nicht.
Allerdings dürfte der verlängerte Preisdeckel die ungleichmäßige Belastung der Tankstellen weiter verstärken. Gleichzeitig kommt es in Frankreich zu Protesten und Blockaden, etwa durch Lkw-Fahrer und Landwirte. Diese richten sich jedoch primär gegen die hohen Preise und nicht gegen fehlenden Kraftstoff.
Globale Krise treibt Preise
Hintergrund der angespannten Lage ist die Entwicklung auf den internationalen Energiemärkten. Die nach wie vor nicht ganz aufgehobene Blockade der strategisch wichtigen Straße von Hormuz treibt die Ölpreise nach oben und sorgt weltweit für Unsicherheit. Die Europäische Kommission hatte bereits Ende März die Mitgliedstaaten aufgefordert, sich auf mögliche längerfristige Störungen im Energiehandel vorzubereiten.
Die Internationale Energieagentur (IEA) warnte ebenfalls vor einer möglichen Verknappung. IEA-Chef Fatih Birol stellte Anfang April in Aussicht, bei Bedarf weitere strategische Ölreserven freizugeben. Bereits Mitte März hatten die Industriestaaten die Freigabe von 426 Millionen Barrel beschlossen.
Auch an den Märkten bleibt die Lage volatil: Nach einem zwischenzeitlichen Preisrückgang im Zuge einer Waffenruhe im Iran-Konflikt zogen die Ölpreise zuletzt wieder an. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostete am Donnerstagvormittag rund 97 US-Dollar – ein Plus von 2,6 Prozent zum Vortag.









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