Der private Laptop des verstorbenen Sektionschefs Christian Pilnacek hat den Untersuchungsausschuss am Mittwochvormittag beschäftigt. Befragt wurde ein IT-Techniker, der das Notebook von Anna P. erhalten hatte. Er bestreitet jede Manipulation der Daten, will lediglich Kopien erstellt haben.
Harald M. war mit Anna P., der früheren Mitbewohnerin von Pilnaceks Vertrauter Karin Wurm, länger bekannt gewesen. Auch mit ihrer Mutter, denn man habe vor einigen Jahren zusammen in der örtlichen Theatergruppe gespielt. Kurz nach dem Ableben Pilnaceks sei er von P.s Mutter informiert worden, dass es „Zweifel an den Umständen“ gebe.
„Karin Wurm war ein Haufen Elend“
Kurze Zeit später, am 22. Oktober 2023, habe es ein Treffen mit Karin Wurm und Anna P. gegeben, wobei hier, so M. eindeutig P. diejenige gewesen sei, die „geschaut habe, dass alles weiterläuft“: „Karin Wurm war, salopp gesagt, ein Häufchen Elend, nicht handlungsfähig.“ P. habe ihm dann einige Tage später den Laptop in einer Wiener Wohnung übergeben. Er sei zu keinem Zeitpunkt davon ausgegangen, dass Wurm oder P. „nicht zugriffsberechtigt“ gewesen sein.
Er habe den Laptop zusammen mit fünf USB-Sticks Ende Oktober 2023 erhalten. Zurückgegeben habe er das Gerät am 7. November. Gleich zu Beginn korrigierte der IT-Experte damit vorherige Angaben, nach denen er das Gerät schon eine Woche früher bekommen habe. Er erklärte die falschen Angaben mit Sehschwierigkeiten, die er in jener Zeit gehabt habe. Von den fünf USB-Sticks sei einer beschädigt worden. Neben den vier erhaltenen Sticks habe er aber auch einen weiteren mit kopierten Daten zurückgegeben.
„Habe mich gewundert, wofür man da einen IT-Techniker braucht“
Anna P. habe ihn ersucht, Daten für Karin Wurm zu kopieren, so M. Allerdings habe er sich schon gewundert, warum man für die Datensicherung hier einen IT-Techniker – M. war vor seiner Pensionierung für die US-Botschaft tätig – brauche, zumal der Laptop nicht einmal ein Passwort verlangt hatte beim Öffnen.
Jedenfalls habe er keinerlei Manipulationen vorgenommen, antwortet er auf die Frage von FPÖ-Fraktionsführer Christian Hafenecker: „Was soll ich knacken, wenn kein Passwort drauf ist? In unserer Zeit ist ein Passwort sowieso nur digitale Brauchtumspflege. Und da waren nicht einmal die Daten verschlüsselt.“ Dass er da vielleicht „in einen rechtlich brisanten Prozess“ involviert gewesen sei, habe er zu diesem Zeitpunkt nicht berücksichtigt: „Meine Neugier war größer.“
M. will Powershell nicht gelöscht haben
ÖVP-Abgeordneter Thomas Elian hakt bei der Powershell-Löschung nach. Diese sei nämlich mutmaßlich in jedem Zeitraum passiert, als M. den Computer hatte. Davon wisse er nichts, er habe auch die Powershell (ein Protokoll der Vorgänge auf dem Computer, Anm.) nicht gelöscht, erklärt M. mehrfach. Korrekt sei, dass er Anna P. und Wurm dringend davon abgeraten habe, mit dem Laptop ins Internet zu gehen: „Wenn man schon den Verdacht hat, dass man überwacht wird, ist das natürlich nicht gescheit.“
Dass man irgendwann zu Peter Pilz und seinem Medium „ZackZack“ gegangen sei, sei übrigens auch sein Vorschlag gewesen, sagt M. aus: „Ich habe in der US-Botschaft auch zehn Jahre lang in der Presseabteilung gearbeitet und angenommen, dass ZackZack das aufgreifen und Pilz ungeachtet seiner Diskrepanzen mit Pilnacek die Sache verfolgen würde. Weil ich nicht unbedingt das allergrößte Zutrauen zu anderen Medien in Österreich habe.“
„Wollten den Laptop nicht herausgeben“
Auch habe er den Eindruck gehabt, dass P. und Wurm den Laptop nicht herausgeben wollten, „so wie das Handy“. NEOS-Fraktionsführerin Sophie Wotschke fragt nach, was er damit meint: „Es muss einen Grund gegeben haben, warum die den Laptop nicht zusammen mit dem Handy hergegeben haben. Aber was ich mir dazu denke, muss ich jetzt nicht sagen“, so M.
Ging es wirklich um Kopien der Daten, fragt die Fraktionsführerin der Grünen, Nina Tomaselli nach? „Mein Eindruck? Vielleicht sollte das Notebook irgendwo verwahrt werden, wo man es nicht findet. Wer auch immer man ist“, antwortet der IT-Techniker etwas kryptisch.
„Seltsame Anrufe“ von Männerstimmen
Wahrnehmungen hatte er auch zu dem späteren Auszug und dem Ende der Freundschaft zwischen Karin Wurm und Anna P., antwortet M. auf die Frage von Wotschke: „Das war meinem Erachten nach so, dass an einem Tag, an dem die Karin Wurm nicht in Rossatz war, die Anna P. sang- und klanglos weg ist mit allem. Das wirft natürlich Fragen auf, laut Karin Wurm sei das gewesen, weil P.s Arbeitgeber sie dazu aufgefordert habe, den Kontakt zu Wurm abzubrechen.“
Sein Eindruck sei jedenfalls gewesen, dass Anna P. „vor etwas Angst gehabt hatte“, solange er mit ihr Kontakt hatte, sagt M. Auf Nachfrage der Verfahrensrichterin kann er dies aber nicht präzisieren, es sei einfach seine Wahrnehmung gewesen. Auch er selbst habe „seltsame Anrufe bekommen“ in zeitlicher Nähe seines Interviews mit Peter Pilz „von Männerstimmen, die ich nicht kenne“: „Ich habe mir dann eine Alarmanlage einbauen lassen.“
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