Mit der Befragung von Mitbewohnerin Anna P. hat der Pilnacek-U-Ausschuss am Mittwochabend seine Arbeit fortgesetzt. Die Auskunftsperson, ehemalige Mitarbeiterin von Wolfgang Sobotka, revidierte frühere Aussagen gleich zu Beginn – und zeigte sich sonst wenig auskunftsfreudig, besonders wenn es um die abenteuerliche Reise des Laptops von Christian Pilnacek ging ...
Anna P. lebte zum Zeitpunkt des Todes von Christian Pilnacek mit dessen Vertrauter Karin Wurm in Rossatz zusammen. Auch Pilnacek habe sich laut P.s Aussage „öfters“ in dem Haus aufgehalten. Sie bestätigte auch, dass Pilnacek und Karin Wurm ein Haus in der Gegend kaufen wollten – ein Nebenschauplatz des Falles, der noch Fragen aufwirft.
Auch hier war P. involviert, stellte laut eigener Aussage den Kontakt zwischen Pilnacek und dem Hausbesitzer, dem damaligen Signa-Geschäftsführer Christoph Stadlhuber, her. Zudem begleitete sie Wurm bei einer Besichtigung. Dass die Finanzierung über den mittlerweile verstorbenen, deutschen Unternehmer Wolfgang Rauball laufen sollte, habe sie zwar „gehört“, aber: „Das hat mich nicht betroffen, das war die Angelegenheit von Frau Wurm und Mag. Pilnacek.“ „Wären Sie miteingezogen?“, will Nina Tomaselli (Grüne) wissen: „Eine Überlegung wäre gewesen, dass ich als Untermieterin einziehe und meine Miete zahle.“
Mehrfach mit Michael Takacs telefoniert
Den Morgen des Fundes von Pilnaceks Leiche schilderte P. ausführlich, sie habe Karin Wurm im Badezimmer getroffen und man habe beschlossen, Pilnacek zu suchen. Sie habe in weiterer Folge auch mit Bundespolizeidirektor Michael Takacs telefoniert, auch kurz nach dem Fund der Leiche, den kennt P. von der Arbeit, im Büro sei er der „Taki“ gewesen. Der ganze Tag sei „sehr diffus gewesen“, sie habe sich in „einem Schockzustand“ befunden. Takacs habe sich mehrfach via Telefon nach ihrem Befinden erkundigt. Die Ermittlungen rund um Pilnaceks Tod seien kein Thema gewesen, betont P.
Als es dann an die weiteren, zentralen Fragestellungen geht, zeigt sich Anna P. allerdings wenig auskunftsfreudig. Sie habe weder Wahrnehmungen zu Telefonaten, Terminen oder Treffen zwischen ihrem damaligen Chef Wolfgang Sobotka (zu diesem Zeitpunkt Nationalratspräsident) und Pilnacek, noch könne sie sich an irgendwelche Gespräche rund um das Ableben des hochrangigen Sektionschefs erinnern, antwortet sie auf die Frage von NEOS-Fraktionsführerin Sophie Wotschke. Angesprochen auf frühere Aussagen, wo sie angab, man habe ihr nahegelegt, den Laptop Pilnaceks „verschwinden zu lassen“, verneint sie, dies so gesagt zu haben.
„Aussagen, die so nicht richtig waren“
Die Tage damals seien „irre gewesen“, es seien Verschwörungstheorien aufgestellt und Aussagen verdreht worden. Auch habe sie sich in der damaligen Phase zu Aussagen hinreißen lassen, „die so nicht richtig waren“: „Ich habe mich da vielleicht auch beeinflussen lassen, wollte mich interessanter machen“, meint P. heute. „Ich war in einem emotionalen Ausnahmezustand, beeinflusst von den ständigen Verschwörungstheorien von der Frau Wurm, die erzählt hat von Kartenlegerinnen, Wahrsagerinnen, Leuten, die sie kontaktiert haben. Ich habe mich verleiten lassen, Dinge zu sagen, die nicht stimmen. Aber es war so schräg, diese Zeit.“
Ich habe mich verleiten lassen, Dinge zu sagen, die nicht stimmen. Aber es war so schräg, diese Zeit.
Anna P. vor dem U-Ausschuss
Welche Verschwörungstheorien das waren, will Wotschke wissen. „Dass er umgebracht, untergetaucht ist, dass er in Dubai sei, dass die Leiche nicht er war, sondern der Bruder, dass die Politik dahinter stecken könnte wegen Mord. Die waren teilweise so schräg, dass ich mich noch erinnern kann“, antwortet P. Inwiefern hat sie das dazu veranlasst, Geschichten über ihren ehemaligen Arbeitgeber Wolfgang Sobotka oder Michael Takacs zu erfinden, fragt Wotschke: „Das kann ich mir nachträglich selbst nicht erklären“, antwortet Anna P.
Den Kontakt zu ihrem Chef Wolfgang Sobotka beschrieb sie als „berufliche Arbeitsbeziehung“. Dass sie mit Karin Wurm dennoch kurz nach dem Auffinden Pilnaceks bei Sobotka zu Hause war, begründet sie damit, dass sie zuvor schon bei Sobotkas Frau in Therapie war und diese „sich angeboten hat, Karin Wurm zu helfen“, antwortet P. auf die Frage von Kai Jan Krainer (SPÖ).
Die Habseligkeiten Pilnaceks, habe sie – wie bereits aus diversen Vernehmungen bekannt – in einem Plastiksackerl an einen Polizeibeamten übergeben. In weiterer Folge wurde der Inhalt Pilnaceks Witwe Caroline List ausgehändigt, die laut eigener Aussage das Handy ihres verschiedenen Gatten mit einem Bunsenbrenner vernichtete.
Der Laptop – das Objekt der Begierde
Das Objekt des Interesses ist daher auch Pilnaceks Laptop. Dieser fand erst über Umwege Wochen später seinen Weg zur Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft. Da gegen P. diesbezüglich noch mehrere Verfahren laufen, kündigte sie bereits eingangs an, hier von ihrem Entschlagungsrecht Gebrauch zu machen. Auf die Frage von Nina Tomaselli, ob und wann jemand nach dem Laptop gefragt habe, will sie auch keine Wahrnehmung haben. Auch von einer roten Festplatte, die im Haus von Pilnacek gefunden worden sein soll, wisse sie nichts. Auf dieser sollen sich unter anderem Dateien zu U-Ausschüssen befunden haben.
Auch Wurm habe mit de Laptop gearbeitet sagte P. aus. Daher habe man einen früheren IT-Techniker, den P. über die Theatergruppe im Wohnort kannte, kontaktiert habe. Wurm habe „ihre Daten sichern wollen“. Sie habe dann den Laptop „in einem Stoffsackerl“ zu dem IT-Techniker gebracht – zur Datensicherung. Da dieser Komplex noch Gegenstand eines laufenden Verfahrens ist, entschlägt sich P. hier mehrfach – besonders, wenn es darum geht, was sie zum IT-Techniker gesagt haben soll.
Nach vier Stunden war die maximale Befragungszeit erreicht, daher wurde die Befragung von Anna P. abgebrochen. Anschließend wurde Pilnacek-Vertraute Karin Wurm befragt.
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