Iran: Kein Kriegsende

Trumps „vernichtender Angriff“ vorerst vom Tisch

Außenpolitik
08.04.2026 05:44

Nur kurz vor Ablauf des US-Ultimatums an den Iran hat ein überraschender Vermittlungsvorstoß aus Pakistan in der Nacht auf Mittwoch eine vorläufige Deeskalation in dem Konflikt gebracht: US-Präsident Donald Trump stimmte einer zweiwöchigen Waffenruhe zu – mit der Bedingung, dass die Straße von Hormuz „sofort und sicher“ geöffnet werde. Der Iran akzeptierte, betonte aber, man behalte weiter „die Hände am Abzug“, und stellte seinerseits Forderungen.

Für seine Kritiker hat „TACO“ – „Trump Always Chickens Out“ – wieder zugeschlagen, die Welt dürfte nichtsdestotrotz aufatmen: Der Rückzieher Trumps nach seiner unverhohlenen, gefährlichen und viel kritisierten Drohung, möglicherweise „eine ganze Zivilisation“ auszulöschen, kam knapp eineinhalb Stunden vor Ablauf des mittlerweile dritten Ultimatums, das er dem Iran gegeben hatte. Noch rechtzeitig betrachtete der US-Präsident einen Zehn-Punkte-Plan, den der Iran vorgelegt habe, als „umsetzbar“. Auf diesen könne man aufbauen, eine zweiwöchige Frist werde reichen, ihn zu „finalisieren“.

„Bereits alle militärischen Ziele erreicht und übertroffen“
Bei der vorläufigen Einigung handle es sich um einen beiderseitigen Waffenstillstand – und dass er zugestimmt habe, liege einerseits daran, dass der Iran die Straße von Hormuz „vollständig, sofort und sicher“ öffnen werde, und andererseits daran, dass „wir bereits alle militärischen Ziele erreicht und übertroffen haben“, so Trump. Nun gehe es mit dem Zehn-Punkte-Plan um einen langfristigen Frieden. Und: Es sei ihm eine „Ehre, dass dieses langjährige Problem jetzt kurz vor der Lösung steht“, postete er auf seiner Social-Media-Plattform Truth Social. 

Offiziell hat die iranische Regierung die Forderungen bisher nicht öffentlich gemacht. Nachrichtenagenturen, die den mächtigen Revolutionsgarden nahestehen, berichten jedoch schon Details. Laut der Nachrichtenagentur Tasnim beinhaltet der Entwurf die Forderung nach einer dauerhaften Einstellung von Aggressionen. Der Iran soll die Kontrolle über die Straße von Hormuz behalten und Uran anreichern dürfen. Die politische Führung in Teheran fordert die Aufhebung der harten internationalen Sanktionen und Strafmaßnahmen des UNO-Sicherheitsrats.

Trump gab seine Zustimmung zur Waffenruhe auf Truth Social bekannt.
Trump gab seine Zustimmung zur Waffenruhe auf Truth Social bekannt.(Bild: Krone KREATIV/Screenshot truthsocial.com/DonaldTrump)
Trump drohte, Vance und Pakistan verhandelten – mit Erfolg: Ein Angriff auf den Iran ist derzeit ...
Trump drohte, Vance und Pakistan verhandelten – mit Erfolg: Ein Angriff auf den Iran ist derzeit offenbar vom Tisch.(Bild: AP/Julia Demaree Nikhinson)

Explosionen in Israel – steckt Iran dahinter?
Danach stimmten laut US-Medienberichten sowohl der Iran als auch Israel der zweiwöchigen Waffenruhe zu. Ein Sprecher des Weißen Hauses erklärte, Israel werde alle Bombardements in den nächsten 14 Tagen einstellen. Kurze Zeit später geriet Israel allerdings erneut unter Beschuss – mutmaßlich dürfte es sich um iranische Angriffe handeln. Aus den israelischen Städten Petah Tikva und Bnei Brak gebe es Berichte über Einschläge, meldete die israelische Nachrichtenseite ynet. Im Zentrum und Süden des Landes heulten erneut die Sirenen. Bewohner berichteten von heftigen Explosionen. 

Bei einem israelischen Angriff in Sidon im Süden des Libanon wurden indes nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums mindestens acht Menschen getötet. Das Büro des Regierungschefs Benjamin Netanyahu ließ mitteilen, das Land unterstütze zwar die Feuerpause im Iran, diese umfasse jedoch „nicht den Libanon“.

Iran: „Waffenruhe, aber unsere Hände bleiben am Abzug“
Aus dem Iran hieß es: Man akzeptiere die Waffenruhe und werde mit den USA ab Freitag in Islamabad in Pakistan verhandeln – doch das sei nicht das Ende des Krieges. Oder deutlicher: „Unsere Hände bleiben am Abzug – und sollte der Feind den kleinsten Fehler machen, wird dem mit voller Wucht entgegengetreten.“ Wie auch Trump betrachtet der Iran die Einigung als den eigenen Sieg – aus iranischer Sicht habe man die USA dazu „gezwungen“, den Zehn-Punkte-Plan anzunehmen.

Die Straße von Hormuz dürfe laut dem Iran für die nächsten beiden Wochen befahren werden – allerdings unter militärischer iranischer Aufsicht und mit „technischen Einschränkungen“. Was genau das bedeutet, ist unklar – vor dem Krieg hatten rund 100 Schiffe pro Tag die Meerenge und überaus wichtige Seehandelsstraße passiert. In dem iranischen Statement ist laut AP auch die Rede vom „Rückzug der US-amerikanischen Streitkräfte von allen Basen und Stützpunkten der Region“ – allerdings nicht in dem „offiziellen Statement des Iran“, das Trump auf seiner Plattform veröffentlichte.

Das von Trump veröffentlichte iranische Statement
Das von Trump veröffentlichte iranische Statement(Bild: Krone KREATIV/Screenshot truthsocial.com/DonaldTrump)

Just zu dem Zeitpunkt, als eigentlich das Ultimatum abgelaufen wäre, wurde bekannt gegeben, dass „alle Offensivoperationen“ gegen den Iran nun eingestellt seien – „verteidigende Aktionen“ würden aber weitergeführt.

Zuvor hatte der Konflikt einen neuen dramatischen Höhepunkt erreicht. Nach Angaben von US-Vizepräsident JD Vance liefen zwar durchgehend „zahlreiche Gespräche“, und er hatte sich bei einem Besuch in Budapest zuversichtlich gezeigt, dass eine Eskalation noch vermieden werden könne, doch Trump hatte den Ton zuletzt massiv verschärft und dem Iran mit massiven Angriffen auf Infrastruktur sowie der möglichen Vernichtung „einer gesamten Zivilisation“ gedroht. 

Vermittlungsstrohhalm kam aus Pakistan
In letzter Minute nahm dann die Diplomatie Fahrt auf: Pakistans Ministerpräsident Shehbaz Sharif rief Trump öffentlich dazu auf, das Ultimatum um zwei Wochen zu verlängern. Im Gegenzug appellierte er an die „iranischen Brüder“, die Straße von Hormuz in diesem Zeitraum als Zeichen des guten Willens wieder zu öffnen. Pakistan hatte zuletzt als Vermittler zwischen Washington und Teheran fungiert. Auch der Iran signalisierte Pakistan vorsichtige Gesprächsbereitschaft: Ein ranghoher Vertreter erklärte, Teheran prüfe den Vorschlag „wohlwollend“.

Trotzdem blieb die Lage hochgradig angespannt, vor allem, als bekannt wurde, dass der Iran sämtliche direkten Kommunikationskanäle zu den USA gekappt hatte, um seine Ablehnung der Drohungen Trumps zu unterstreichen. Die Gespräche liefen zwar über Vermittler weiter, wurden dadurch jedoch zusätzlich erschwert. 

Die Uhr tickte unerbittlich
Das Ultimatum der USA wäre um 20 Uhr US-Ostküstenzeit (Mittwoch, 2 Uhr MESZ) abgelaufen. Damit blieb nur wenig Zeit für eine diplomatische Lösung, die Situation war so volatil wie selten zuvor: Ein Durchbruch lag ebenso in der Luft wie eine weitere Eskalation. Nun sollen die persönlichen Gespräche zwischen den USA und dem Iran am Freitag wieder aufgenommen werden.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Kostenlose Spiele
Vorteilswelt