Ultimatum läuft aus

Über Nacht ausgelöscht? So real ist Trumps Drohung

Außenpolitik
07.04.2026 15:46
Porträt von krone.at
Von krone.at

Mit drastischen Worten hat US-Präsident Donald Trump dem Iran gedroht: Innerhalb weniger Stunden könne eine „völlige Zerstörung“ erreicht werden, erklärte er – und setzte Teheran damit unter massiven Druck. Doch was würde ein solcher Angriff tatsächlich bedeuten? Experten sehen gravierende Folgen vor allem für die Zivilbevölkerung – und warnen zugleich vor einer weiteren Eskalation.

Trotz jahrelanger Sanktionen verfügt der Iran über eine vergleichsweise gut ausgebaute Infrastruktur. Metropolen wie Teheran, Isfahan oder Mashhad sind über Autobahnen, Bahnlinien und teilweise U-Bahn-Systeme verbunden.

Moderne Infrastruktur – und zugleich verwundbar
Zugleich betreibt das Land als einer der weltweit größten Öl- und Gasproduzenten ein dichtes Netz an Energieanlagen. Große Gaskraftwerke – etwa in Damavand nahe Teheran – sowie zahlreiche Staudämme sichern die Versorgung. Genau diese Infrastruktur gilt jedoch auch als besonders anfällig für gezielte Angriffe.

Worte, die man von einem US-Präsidenten wohl nicht vermutet hätte:

Angst statt Hoffnung in der Bevölkerung
Die scharfe Rhetorik aus Washington hat im Iran tiefe Verunsicherung ausgelöst. Während einige Menschen zunächst Hoffnungen auf politischen Wandel hegten, überwiegen nun Angst und Fassungslosigkeit.

Ein Taxifahrer berichtet, er meide aus Angst vor Angriffen inzwischen jede Brücke – selbst wenn das stundenlange Umwege bedeutet. Ein pensionierter Buchhalter spricht davon, dass die Bevölkerung zu „Flüchtlingen im eigenen Land“ werde. Andere verlassen bereits die Städte aus Sorge vor Bombardierungen, Stromausfällen und Versorgungsengpässen.

Drohung mit möglichen Kriegsverbrechen?
Nach Einschätzung der Vereinten Nationen könnten gezielte Angriffe auf zivile Infrastruktur gegen das humanitäre Völkerrecht verstoßen. Ein Sprecher von UNO-Generalsekretär António Guterres betonte, dass selbst bei militärischer Nutzung ziviler Objekte „übermäßige“ Schäden für die Zivilbevölkerung unzulässig seien.

Sollten Kraftwerke oder Brücken in großem Umfang attackiert werden, wären die Folgen für Millionen Menschen absehbar – etwa durch Stromausfälle, Wassermangel oder den Zusammenbruch der Versorgungssysteme.

Die Erklärgrafik zeigt Irans Raketenarsenal mit verschiedenen Modellen und deren Reichweiten. Die Shahab-3 Rakete erreicht bis zu 2.000 Kilometer, während andere Modelle wie Shahab-1, Fateh-110, Shahab-2, Zolfaghar und Qiam-1 zwischen 300 und 750 Kilometer weit reichen. Auf einer Karte sind die maximalen Reichweiten von 1.000 und 2.000 Kilometern um den Iran dargestellt. Quelle: BBC.

Wie realistisch ist ein solcher Großangriff?
Militärexperten halten massive Schäden innerhalb kurzer Zeit grundsätzlich für möglich – vorausgesetzt, es liegen präzise Informationen über sogenannte „Hochwertziele“ vor und die Luftabwehr ist geschwächt. Der Prozess der Zielauswahl („Targeting“) ermöglicht es, kritische Infrastruktur systematisch anzugreifen.

Allerdings zeigt der Blick auf andere Konflikte, dass selbst intensive Angriffe nicht zwangsläufig zum völligen Zusammenbruch eines Landes führen.

Militärisch begrenzte Wirkung
Ein Angriff auf Energie- und Wasserinfrastruktur würde laut Experten vor allem die Zivilbevölkerung treffen. Das Militär hingegen wäre weniger stark betroffen, da es weitgehend unabhängig vom öffentlichen Stromnetz operiert und auf lagerfähige Treibstoffe wie Diesel zurückgreift.

Der Energieexperte Joseph Webster betont, dass die Streitkräfte weiterhin handlungsfähig bleiben dürften.

Gefahr einer regionalen Eskalation
Analysten warnen zudem, dass selbst schwere Angriffe kaum eine Kapitulation erzwingen würden. Stattdessen drohe eine Spirale der Gewalt. Der Iran könnte seinerseits Ziele in der Region ins Visier nehmen – etwa Entsalzungsanlagen in den Golfstaaten, die für die Wasserversorgung von Millionen Menschen entscheidend sind.

Bereits jetzt gelten auch Öl- und Gasanlagen sowie Technologie- und Rechenzentren als potenzielle Ziele. Trumps Drohungen zeigen vor allem eines: das enorme Eskalationspotenzial des Konflikts. Während militärische Effekte begrenzt erscheinen, wären die Folgen für die Zivilbevölkerung verheerend – und eine Ausweitung der Krise auf die gesamte Region keineswegs ausgeschlossen.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Kostenlose Spiele
Vorteilswelt