New Orleans ist die Wiege des Jazz. Aber Jazz ist erwachsen und braucht keine Wiege mehr. Gute Musik ohne Dixie-Klischees gibt es dort aber noch genug – und selten lebendiger als mit der Grammy-prämierten Hot 8 Brass Band, die nun in Österreich ihren Mix aus Tradition und Moderne aufkocht.
Österreichische Volksmusik und der Klang von New Orleans haben scheinbar nicht viel gemeinsam, außer dass Beteiligte hier wie dort gern zu Blechblasinstrumenten greifen, egal ob die Familien nun Gansch oder Marsalis heißen. Es gibt aber noch eine Gemeinsamkeit. Ob Aprés Ski oder Basin Street: Authentische Klänge hört man dort selten. Eine Ausnahme davon ist die Hot 8 Brass Band, die nun eine Woche durch Österreich tourt.
Gelebte Tradition, Snoop Dogg inklusive
Traditionell ist bei der Band nicht nur die Besetzung (große Trommel, Marschtrommel, Saxophon, zwei Trompeten, zwei Posaunen und Sousaphon), sondern auch der Hintergrund: Seit den Anfängen 1995 geht es um Musik auch als Kitt für Gemeinschaft – noch eine Gemeinsamkeit zwischen New Orleans und alpiner Blasmusik. Manche Mitglieder spielen schon seit über 20 Jahren in der Band und sind gerade einmal in ihren 30ern.
Trotzdem hört man der Band an, dass sie für das New Orleans von heute und seine Nöte steht: Die Mitglieder haben Kriminalität, Diskriminierung und die Folgen des Hurrikans Katrina im Jahr 2005 am eigenen Leib erlebt. Entsprechend rau und heutig ist auch der Klang: Statt „When the Saints Go Marching In“ gibt es Soul-Klassiker, Covers von Rapper Snoop Dogg und sogar Joy Divisions „Love Will Tear Us Apart“ im Blechgewand – was Traditionshüter in New Orleans bis heute die Nase rümpfen lässt. Neue Volksmusik hat es eben auch dort nicht leicht.
Von der Straßenmusik bis zum Grammy
Wie verwurzelt die Band in ihrer Heimatstadt bleibt, zeigt nicht nur die Anfrage-Möglichkeit für Hochzeiten auf ihrer Homepage, sondern auch der Tourplan: Schon am Tag nach dem Konzert in Aflenz sind sie wieder im „Howlin‘ Wolf“ im Gewerbegebiet von New Orleans, wo sich Touristen kaum je hintrauen. Die Österreich-Termine sind bis auf Weiteres der einzige Abstecher nach Europa. Nach der Anfrage aus Mayrhofen habe man auch Wien sehen wollen, der Rest habe sich ergeben, erzählt die Band.
Um Kleingeld von New-Orleans-Touristen müssen die Musiker heute zum Glück nicht mehr spielen. Nach viel Mundpropaganda wurden auch Filmemacher Spike Lee und R‘n‘B-Star Jon Batiste – selbst Spross einer Musikerdynastie der Stadt – auf sie aufmerksam. Der Lohn war, nach zahlreichen Nominierungen, ein Grammy im Jahr 2022. Letztlich funktioniere die Band wie ihre Heimatstadt und jedes Begräbnis dort, sinnieren die Musiker: die Tragödie zu erleben und durch Musik einen Triumph daraus machen zu wollen.
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