Martin Listabarth Trio

Geschichten einer Weltreise, die ins Ohr gehen

Kultur
17.03.2026 07:00

Der Wiener Jazzpianist Martin Listabarth begibt sich auf seinem neuen Album „In Her Footsteps“ auf musikalische Spurensuche durch das Leben der Wienerin Ida Pfeiffer: Sie umrundete im 19. Jahrhundert zweimal alleine den Globus – wir baten den 35-Jährigen zum Interview.

„Krone“: In Ihrem neuen Album „In Her Footsteps“ wandeln Sie auf den Spuren der österreichischen Reiseschriftstellerin Ida Pfeiffer (1797-1858), die als eine der ersten Frauen allein die Welt umrundete. Wie sind Sie denn auf sie gekommen?
Martin Listabarth: Ich lasse mich bei meiner Musik immer gern von außermusikalischen Themen inspirieren. Bei diesem Album habe ich mir die Herausforderung gesetzt, erstmals eine durchgehende Geschichte zu erzählen. Und da hat sich Ida Pfeiffers Biografie besonders angeboten. Es war reiner Zufall, dass ich über ihren Namen gestolpert bin, und es hat mich sofort angesprochen, was sie alles erlebt und auf die Beine gestellt hat. Und das Tolle daran ist, dass sie schon zur damaligen Zeit ihre Reiseberichte publiziert hat. Das ist nicht nur spannend, sondern auch teilweise recht witzig beschrieben , weil sie mit ihrem Wiener Schmäh auch skurrile Situationen schildert.

Wie geht man da ans Werk, wie setzen Sie das um?
Die Herangehensweise ist ähnlich wie bei einem Film. Man entwirft ein Drehbuch und überlegt sich einen dramaturgischen Bogen, welche Stationen unbedingt vorkommen müssen, um diese Geschichte zu erzählen. Und stimmungsmäßig: Was melancholische, abenteuerliche oder vielleicht humorvolle Momente sind, und was das dann für die Musik bedeutet.

Muss man mit Ida Pfeiffers Reiseverlauf vertraut sein, um die Musik, sagen wir, besser zu verstehen?
Mir hilft es beim Komponieren extrem, diese Inspiration von außen zu haben, um Musik zu schreiben. Mir ist es aber wichtig, dass auch Leute, die diese Musik vielleicht zum ersten Mal hören und diese Hintergrundgeschichte nicht kennen, trotzdem was damit anfangen können. Das heißt, die Musik muss auch so für sich funktionieren. Bei meinen Konzerten erzähle ich auch ein bisschen, was auf dieser Reise passiert, damit man schon ein Bild im Kopf hat.

Ich finde das Album sehr ohrgängig. . .
Danke, das ist mir wichtig, weil ich bin zwar Jazzpianist und liebe die Improvisation, aber gleichzeitig höre ich auch sehr gerne Popmusik: Ich bin sehr von Singer-Songwritern beeindruckt, wie es ihnen gelingt, in den drei Minuten eines Popsongs etwas auf den Punkt zu bringen. Diese Qualität will ich auch in die Jazzmusik reinbringen. Also etwas Eingängiges, das einen schon beim ersten Mal hören anspricht.

Welche Pop-Interpreten inspirieren Sie besonders? 
Radiohead mag ich sehr gerne oder Nick Drake und Elliott Smith

Hat Sie das nie auch gereizt, Popsongs zu komponieren?
Tatsächlich deshalb nicht, weil ich eben das Improvisieren so liebe.

Sie spielen in der Besetzung Klavier, Kontrabass, Schlagzeug.
Ja, das ist im Jazz ein sehr gängiges Format. Und ein sehr spannendes, weil es so eine reduzierte Besetzung ist. Das heißt, es kann sich niemand verstecken. Alle drei sind gleichberechtigt und spielen eine wichtige Rolle.

Aber Sie sind der Komponist und geben den Ton an. Oder wie erklärt man bei einem improvisierten Stück, das man aber selbst im Kopf hat, wie es gehen soll?
Das ist tatsächlich immer eine Herausforderung, aber es funktioniert so, dass ich den groben musikalischen Fahrplan mitbringe.

Fahrplan heißt Notenblätter? Schreiben Sie die Noten auf?
(lacht) Ja, Ich schreibe tatsächlich noch Noten auf. Aber man darf sich das nicht so vorstellen, dass Ton für Ton ausnotiert ist, was Kontrabass und Schlagzeug spielen, sondern nur die Grundzüge. Der Rest wird dann gemeinsam erarbeitet. Die verschiedenen Akkorde sind so etwas wie der formale Ablauf. Und dann beschreibe ich in Worten, was ich mir vorstelle, in welche Richtung es stilistisch gehen soll, welche Art von Groove, welche Klangfarben vorkommen sollen.

Wie lange hat die Arbeit zu „In Her Footsteps“ gedauert?
Das waren zwei Jahre von der ersten Idee, der Konzeptionsphase und dem Komponieren bis zur Probenarbeit und der Studioaufnahme und bis jetzt zur Veröffentlichung mit insgesamt neun Stücken.

Warum neun?
Ich hatte keine bestimmte Zahl im Kopf. Es hat sich einfach so ergeben, dass dann im Endeffekt neun Momente übrig geblieben sind, von denen ich mir gedacht habe, dass sie einen schönen roten Faden ergeben.

Man nennt Sie auch den „Geschichtenerzähler am Klavier“. Würden Sie sich auch so bezeichnen?
Ich fühle mich sehr wohl damit. Wenn mein Klavierspiel eine Qualität hat, als würde jemand eine Geschichte erzählen oder einen Song singen und es gelingt, das mit rein instrumentaler Musik so rüberzubringen, dass die Leute neugierig zuhören, dann bin ich sehr glücklich, wenn das aufgeht.

Haben Sie einen Traum, wo Sie einmal gerne auftreten würden?
Das Montreux Jazz Festival! Das wäre ein Traum, dort mal spielen zu können.

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