Jonathan Fine, der Generaldirektor der Kunsthistorischen Museen, gibt sich gern als moderner Museumsmanager – sein Umgang mit der Presse wirkt allerdings eher wie aus einer Epoche, in der man Journalisten per Fingerschnippen herbeizitiert hat.
Zwei kurzfristig einberufene Pressekonferenzen innerhalb von 48 Stunden, inszeniert wie spontane Audienzen eines Hofstaats, der sich seiner eigenen Wichtigkeit sehr sicher ist. Ausgestattet mit dem Glauben, dass die „vierte Gewalt“ selbstverständlich parat zu stehen hat, sobald in Wien jemand die Stirn runzelt. Ein Kommunikationsstil, wie aus der Zeit gefallen
Wer so agiert, verwechselt Öffentlichkeitsarbeit mit Machtausübung. Eine Einladung um 14.26 Uhr für eine Pressekonferenz um 19.30 Uhr ist kein Zeichen von Transparenz, sondern von Geringschätzung. Es ist der kommunikative Versuch, Kontrolle durch Taktik zu ersetzen. Und das Pressegespräch in Innsbruck, das auf ähnlich absurde Weise einberufen wurde, dann aber am Flugplan scheiterte, wirkt wie eine perfekte Metapher: Wer Kommunikation als autoritären Schnellschuss betreibt, landet irgendwann im Leerlauf. Die Realität ist eben weniger gefügig als ein Pressetext. Während eine Direktorin schwere Vorwürfe erhebt – Mobbing, toxische Atmosphäre, psychische Belastung -, setzt die Führungsspitze auf Termin-Hektik, als ließe sich Glaubwürdigkeit durch Geschwindigkeit erzwingen.
Doch Glaubwürdigkeit entsteht nicht durch das hektische Einberufen von Pressegesprächen, sondern durch nachvollziehbare, respektvolle Kommunikation. Und Journalismus ist kein Pressesprecher-Ersatz, keine Feuerwehr für angeschlagene Imagepolitik und schon gar nicht das Bühnenpersonal im KHM-Drama. Vielleicht sollte Herr Fine zur Kenntnis nehmen: Medien sind Partner in einer demokratischen Öffentlichkeit, keine Befehlsempfänger.
Wer sie behandelt, als müssten sie springen, wenn er ruft, zeigt vor allem eines: ein erstaunlich antiquiertes Verständnis von Macht. Und es ist bemerkenswert, wie sehr sich dieses Verständnis offenbart, sobald die eigene Führungs- und Kommunikationskultur unter Druck gerät. In einer Zeit, in der Transparenz und Respekt gegenüber der Öffentlichkeit wichtiger sind denn je, wirkt dieses Verhalten erschreckend, mehr als nur aus der Zeit gefallen.
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.