Ukraine-Koordinator:

Mehr Flüchtlinge nach Waffenstillstand erwartet

Außenpolitik
26.03.2026 18:22
Porträt von krone.at
Von krone.at

Der österreichische Ukraine-Wiederaufbaukoordinator Wolfgang Anzengruber rechnet mit mehr Flüchtlingen nach einem Waffenstillstand in der Ukraine. „Mit dem Waffenstillstand wird die Zahl der Flüchtlinge nicht zurückgehen, sondern zunehmen“, hielt Anzengruber am Donnerstag bei einer Podiumsdiskussion an der Diplomatischen Akademie in Wien fest.

Infolge des russischen Angriffskriegs sind mehrere Millionen Ukrainerinnen und Ukrainer in die EU-Staaten geflüchtet, in Österreich halten sich aktuell rund 92.000 Kriegsvertriebene aus dem EU-Beitrittswerberland auf. Deren Zahl könnte sich weiter erhöhen, sollte es tatsächlich irgendwann einmal zu einem Waffenstillstand zwischen den beiden Kriegsparteien kommen.

Ukraine-Wiederaufbaukoordinator Wolfgang Anzengruber
Ukraine-Wiederaufbaukoordinator Wolfgang Anzengruber(Bild: APA/ROLAND SCHLAGER)

Anzengruber und sein polnischer Kollege Bogdan Zawadewicz waren sich einig, dass viele Ukrainerinnen und Ukrainer nunmehr in ihrer zweiten Heimat bleiben würden. In der Ukraine gibt es hingegen schon jetzt einen Arbeitskräftemangel. Deshalb versuche man Investoren auch Kontakte zur ukrainischen Diaspora in Europa zu vermitteln, so Anzengruber. Allerdings seien die Ukrainerinnen und Ukrainer in Österreich schon gut integriert, etwa 50 Prozent von ihnen nehme am hiesigen Wirtschaftsleben teil.

Ukraine „von externen Bargeldlieferungen abhängig“
Beide Koordinatoren wiesen bei der von der polnischen Botschaft ausgerichteten Veranstaltung darauf hin, dass der Wiederaufbau der Ukraine eine langwierige Angelegenheit sei. „Auch wenn der Krieg in der Ukraine morgen vorbei ist, wird das Land noch viele Jahre finanziell vom Ausland abhängig sein“, sagte Zawadewicz. Aktuell werde 60 Prozent des ukrainischen Budgets mit ausländischer Finanzhilfe bestritten, und der Bankensektor sei komplett von externen Bargeldlieferungen abhängig. Immerhin verfüge das Land aber aktuell über etwas höhere Währungsreserven und könne etwa neun Monate alleine über die Runden kommen, fügte er mit Blick auf die aktuell von Ungarn blockierte EU-Finanzhilfe hinzu.

„Unterstützung wird sich hundertfach bezahlt machen“
Der stellvertretende ukrainische Botschafter in Wien, Olexander Irchin, dankte in seinen Begrüßungsworten für die großzügige internationale Unterstützung seines Landes, hob aber auch die Chancen hervor. „Die Ukraine ist ein Land von enormen Bedürfnissen, aber auch von enormen Chancen“, sagte er. „Die Unterstützung, die Sie jetzt leisten, wird sich hundertfach bezahlt machen“, versprach er.

Doch ein Waffenstillstand zwischen der Ukraine und Russland ist derzeit keineswegs in Griffweite. Nach den jüngsten Gesprächen seines Verhandlungsteams in den USA am vergangenen Wochenende hat der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj am Dienstag festgestellt, dass es „leider bisher keine wirklichen Fortschritte“ gebe. Unterhändler aus den USA, Russland und der Ukraine sind in den vergangenen Monaten zu drei Gesprächsrunden zusammengekommen. Derzeit ist nicht bekannt, ob weitere Treffen vereinbart wurden.

Seit vier Jahren gehört der Krieg zum Alltag der Ukraine.
Seit vier Jahren gehört der Krieg zum Alltag der Ukraine.(Bild: AP/Mykola Tys)

Finnlands Staatschef: Verhandlungen womöglich vor dem Aus
Zuletzt hatte Mitte Februar in Genf eine trilaterale Gesprächsrunde mit Vertretern Russlands, der Ukraine und der USA stattgefunden, die allerdings keine konkreten Ergebnisse brachte. Moskau beharrt für ein Ende seines seit mehr als vier Jahren andauernden Angriffskriegs auf seiner Forderung, dass die Ukraine die gesamte Donbass-Region und die von Russland derzeit besetzten Gebiete abtreten soll – was Kiew strikt ablehnt.

Finnlands Staatschef Alexander Stubb mutmaßt, dass die Verhandlungen womöglich vor dem Aus stünden. „Das könnte am Krieg im Iran liegen, der viel Aufmerksamkeit vom Krieg in der Ukraine ablenkt“, sagte Stubb am Donnerstag der norwegischen Zeitung „VG“. „Es könnte aber auch sein, dass die Verhandlungen ins Stocken geraten sind, weil sie an ihre Grenzen gestoßen sind und keine weiteren Fortschritte mehr erzielen.“

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