Kremser Studie zeigt:

Weinen erleichtert emotional nicht immer

Wissen
25.03.2026 14:33
Porträt von krone.at
Von krone.at

Wenn Erwachsene weinen, wird das oft damit erklärt, dass sie dadurch emotionale Erleichterung erfahren. Eine neue Studie der Karl Landsteiner Privatuniversität Krems zeigt jetzt allerdings, dass die Sache doch komplexer ist. Demnach dominieren nach dem Weinen eher negative Gefühle wie Belastung.

Bisher wurden einschlägige Studien vor allem unter Laborbedingungen durchgeführt, oder Forschungsteams griffen auf Schilderungen über Ereignisse zurück, die weit in der Vergangenheit lagen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Karl Landsteiner Privatuniversität Krems wollten allerdings wissen, was Menschen während oder kurz nach dem Weinen empfinden. Daher ließen sie ihre 106 Studienteilnehmenden auf dem Smartphone dokumentieren, wie es ihnen 15, 30 und 60 Minuten nach ihren emotionalen Ausbrüchen ging. Auf diese Weise kam es zu 315 Ereignissen, bei denen die Menschen Tränen vergossen.

Die Ergebnisse kamen für das Forschungsteam eher unerwartet: Unmittelbar nach dem Weinen dominierten negative Gefühlszustände. Je intensiver die Episode war, desto negativer war auch die Gefühlslage. Teils hielten die Emotionsverschiebungen noch eine Stunde nach dem Weinen an. Am nächsten Tag war in den Daten aber nichts mehr davon nachweisbar.

Unterschied zwischen den Geschlechtern
Eine wichtige Rolle spielte auch der Auslöser: War das Weinen mit dem Konsum von emotionalen medialen Inhalten verbunden, stellte sich durchschnittlich eine weniger negative Gefühlslage ein, als wenn Einsamkeit oder Überforderung der Grund für den Ausbruch waren. Insgesamt berichteten Frauen über häufigere „Weinepisoden“. Sie weinten in der Studie eher wegen Einsamkeit, während Männer eher wegen Hilflosigkeit oder in Reaktion auf Medieninhalte zum Taschentuch griffen.

„Insgesamt fanden sich keine überzeugenden Hinweise dafür, dass Weinen an sich dazu beitrug, dass sich Menschen besser fühlten als sonst“, teilte das Forschungsteam mit. Weinen sei somit nicht automatisch eine Form emotionaler Erleichterung. Der Prozess sei komplexer, die emotionalen Auswirkungen hingen vom jeweiligen Kontext ab, sagte Hannah Graf, eine der Studienautorinnen. Die Studie wurde im Fachmagazin „Collabra: Psychology“ veröffentlicht.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Kostenlose Spiele
Vorteilswelt