Erste Hearings

Das sind die Pläne der ORF-Chef-Kandidaten

Innenpolitik
02.06.2026 17:41

Wer den ORF in die Zukunft führen will, muss Antworten auf die größten Baustellen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks liefern. Bei ihren ersten Auftritten werben die Kandidaten um die Gunst der Öffentlichkeit.

Gleich bei drei Podiumsdiskussionen hatten die aussichtsreichsten Kandidaten für den ORF-Chefsessel am Dienstag Gelegenheit, sich und ihre Vorstellungen für die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu präsentieren. Über die Herausforderungen herrscht weitgehend Einigkeit – bei den Lösungen jedoch nicht.

Die Baustellen sind bekannt: Der ORF muss einen Sparkurs bewältigen, seine Rolle im digitalen Zeitalter neu definieren, verlorenes Vertrauen zurückgewinnen und sich vor allem aus den Fängen der Politik befreien. Entsprechend häufig fielen am Podium – etwa beim Runden Tisch der Film- und Musikwirtschaft in der Wirtschaftskammer – Begriffe wie Transparenz, Unabhängigkeit, Digitalisierung und Unternehmenskultur.

Der Kampf um den Küniglberg
Puls-4-Gründer Markus Breitenecker will – wie bereits im „Krone“-Interview verraten – den ORF vom „Marktführer zum Marktmotor“ machen. Im Zentrum seiner Vision steht der „längst überfällige Streaming-Shift“. ORF ON müsse zur zentralen Plattform des Hauses werden. Denn junge Menschen hätten keineswegs das Interesse an österreichischen Inhalten verloren, sie würden diese nur anders konsumieren. Ihm schweben Interaktionsmöglichkeiten, Chat-Foren und Community-Features vor.

Markus Breitenecker ist seit den 1990er-Jahren in der Medienbranche tätig.
Markus Breitenecker ist seit den 1990er-Jahren in der Medienbranche tätig.(Bild: Katharina Schiffl)

APA-Chef Clemens Pig wiederum machte die Vertrauensfrage zu seinem zentralen „Wahlkampfthema“. Sein Ziel: Der ORF müsse wieder die „vertrauenswürdigste Quelle Österreichs“ werden. Das soll künftig auch messbar werden – etwa anhand ausgewogener Berichterstattung, transparenter Quellenarbeit und einer stärkeren Medienforschung. Gleichzeitig fordert er eine neue Unternehmenskultur. Mit der Haushaltsabgabe gehe auch die Verpflichtung einher, sich stärker um die Zuschauer zu bemühen. Der ORF müsse ein neues Dienstleistungsverständnis entwickeln.

Deutlich kritischer gegenüber dem bestehenden System trat Johannes Larcher auf. Der international erfolgreiche Medienprofi sprach von „Systemkandidaten“ und schlug als Gegenmaßnahme ein öffentlich einsehbares Transparenzregister vor, in dem politische Interventionen dokumentiert werden. Das Alleinstellungsmerkmal sehe er besonders „im regionalen Programmangebot“.

Eva Schütz, Herausgeberin des Mediums „Exxpress“, warb für mehr Effizienz und Transparenz innerhalb des Konzerns. Sie kritisierte Doppelstrukturen und einzelne Journalisten, die in sozialen Medien ihre politische Meinung kundtun. Außerdem klar für die Verlobte von Ex-SPÖ-Politiker Georg Dornauer: „Mehr Power in die Produktion!“

Zwei „Insider“ wollen ORF aufräumen
Lisa Totzauer, die sich ja als erste aus der Deckung getraut und sich offiziell beworben hatte, stellte die demokratiepolitische Rolle des ORF in den Vordergrund. Österreich befinde sich in einer „Glaubwürdigkeitskrise“, die nicht nur den ORF, sondern die gesamte Medienlandschaft betreffe. Deshalb brauche es klare Regeln, einen verpflichtenden „Code of Conduct“ und Konsequenzen bei Fehlverhalten. Die Unabhängigkeit des ORF müsse abgesichert werden und dürfe nicht allein von einzelnen Personen abhängen. Dafür wolle sie eine Struktur aufbauen – schon „für die nächste Generaldirektorin“.

Zierhut und Totzauer kennen die Probleme im ORF sehr gut.
Zierhut und Totzauer kennen die Probleme im ORF sehr gut.(Bild: Katharina Schiffl)

Kathrin Zierhut-Kunz füllte die Rolle der Insiderin ebenso gut aus, wie Lisa Totzauer. Die ORF-III-Geschäftsführerin fordert raschere Entscheidungen und will „ins Tun kommen“. Besonders kritisch sieht sie die Prioritäten im Haus: „Es gibt keine Investigativabteilung, aber 100 Marketingmitarbeiter.“ Die Unternehmenskultur müsse gelebt werden, zudem fordert sie eine eigenständige Informationsdirektion und eine klare Gewaltentrennung innerhalb des Unternehmens. Zierhut betonte vor allem die Distanz zwischen ORF und Publikum. Der Sender hole die Menschen „nicht ausreichend ab“. Sie fordert mehr Regionalität, einen stärkeren Fokus auf Themen, „die bei den Menschen brennen“, und eine Befreiung des ORF vom „politischen Würgegriff“.

Wer das Rennen schlussendlich macht, wird sich am Donnerstag, 11. Juni, zeigen: Dann findet nämlich der Stiftungsrat zusammen und berät ab 10 Uhr über die Bestellung des künftigen Direktors.

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