Grazer Amoklauf

Worte, die keiner vergisst: „Schießerei im Gange!“

Steiermark
02.06.2026 17:43

Eine verzweifelte Schülerin des BORG Dreierschützengasse meldete sich am 10. Juni als Erstes beim Notruf des Roten Kreuzes: „Eine Schießerei ist im Gange!“ Zwei Rettungs-Mitarbeiter erinnern sich mit der „Krone“ zurück. Am Dienstag wurden sie und rund 280 weitere Kollegen für ihren Einsatz geehrt.

Am 10. Juni 2025 stand Graz still: Mit zwei Schusswaffen stürmte der damals 21-jährige Arthur A., ehemaliger Schüler des BORG Dreierschützengasse, seine ehemalige Schule und schoss gezielt auf Schüler und Lehrer. Ein bis ins Detail geplanter Akt, wie sich später herausstellen sollte. Die Horror-Tat forderte inklusive des Schützen selbst elf Tote, zwölf weitere Personen wurden verletzt, neun davon schwer.

„Es ist eine Schießerei im Gange“ – diese Meldung ging an jenem Tag in der Landesleitzentrale des Roten Kreuzes ein. Entgegengenommen wurde sie von Sina Sollberger (27). „Das war unglaublich für mich“, erinnert sie sich zurück. Schlagartig kamen immer mehr Notrufe herein. „Während Sinas Gespräch haben wir schon mitbekommen, dass sich da jetzt etwas richtig Heftiges anbahnt“, sagt Disponent Thomas Semmler.

Rund 280 Rotkreuz-Mitarbeiter wurden am Dienstag in der Landeszentrale in Graz geehrt.
Rund 280 Rotkreuz-Mitarbeiter wurden am Dienstag in der Landeszentrale in Graz geehrt.(Bild: Jürgen Fuchs)

Doch wer meint, dass Hektik ausgebrochen ist, der irrt: „Die Stimmung war eigenartig angespannt, aber es war ruhig. Mein Kollege und ich haben alles in die Wege geleitet und von der Leitstelle aus alles koordiniert“, erzählt der 31-Jährige. „Ich bin selber dort in die Schule gegangen. Das war ein Vorteil, da ich gewusst habe, wie viele Schüler ungefähr dort sind und wie die Räumlichkeiten aussehen. Wir haben die Krankenhäuser über einen Massenanfall an Verletzten informiert und sie ständig auf dem Laufenden gehalten.“

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Ich wurde in den ersten 48 Stunden danach unglaublich oft gefragt, wie es mir geht. So viele haben angerufen. Dieser Zusammenhalt hat richtig gut getan.

Disponent Thomas Semmler

Thomas Semmler und sein Kollege fungierten somit als Schnittstelle zwischen den Kollegen vor Ort und den Krankenhäusern. Bis der letzte Patient abtransportiert war, managte er die komplette Kommunikation. „Ja, in diesem Zeitraum haben wir alle einfach nur funktioniert. Als der Einsatz vorbei war, bin ich mit meinem Kollegen auf die Terrasse gegangen. Er hat seine Frau, ich habe meinen Bruder angerufen. Da sind zum allerersten Mal die Emotionen hochgekommen.“ – „Wir haben nach dem Einsatz sehr viel geredet. Das war wichtig“, bestätigt Sina Sollberger.

„Der Zusammenhalt war und ist enorm“
Dieser Einsatz hat das Leben vieler Menschen verändert. Doch nun wissen Sina und Thomas: „Der Zusammenhalt innerhalb des Teams war enorm, und er ist es auch jetzt. Es gab keinen Moment, in dem man dachte, man ist alleine. So etwas darf nie wieder geschehen. Aber wenn doch, dann sind wir vorbereitet.“

Für ihren Einsatz wurden Sina und Thomas am Dienstag mit rund 280 Kollegen in der Landeszentrale des steirischen Roten Kreuzes geehrt.

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