Nach der Entlassung

Hofreitschule: Ex-Chef klagt und erhebt Vorwürfe

Wirtschaft
24.03.2026 11:49

Im September wurde Alfred Hudler fristlos entlassen. Jetzt klagt der ehemalige Geschäftsführer beim Arbeits- und Sozialgericht. Es geht nicht nur um einen höheren sechsstelligen Euro-Betrag, sondern auch um brisante Vorwürfe: massiver Druck aus dem Ministerium. Die „Krone“ kennt die Details.

Die Entlassung des ehemaligen Geschäftsführers der Spanischen Hofreitschule, Alfred Hudler, entwickelt sich mehr und mehr zu einem Fall mit politischer Brisanz. In einer Klage, die laut „Krone“-Informationen Mitte März beim Arbeits- und Sozialgericht in Wien eingebracht wurde, zeichnet Hudler das Bild einer Abberufung unter massivem Druck aus dem Landwirtschaftsministerium. In Summe geht es um mehr als eine halbe Million Euro, die dem Manager für seinen bis Ende 2027 laufenden Vertrag bei der weltbekannten Kulturinstitution noch zustehen würden.

„Haut‘s ihn ausse ...“
Auslöser der Affäre waren ab Ende Juni 2025 angebliche Ungereimtheiten rund um Reise- und Spesenabrechnungen gewesen, die öffentlichkeitswirksam erhoben wurden. Diese führten zu internen und externen Prüfungen, unter anderem durch PwC. Doch das Ergebnis fällt laut Klage eindeutig aus: Es konnten „keine Hinweise identifiziert“ werden, die „auf eine systematisch falsche“ Spesenabrechnung schließen ließen.  Dennoch soll das Landwirtschaftsministerium „bereits lange Zeit vor Vorliegen belastbarer Prüfungsergebnisse enormen Druck auf den Aufsichtsrat“ der Spanischen Hofreitschule ausgeübt haben. Ein hoher Beamter soll gegenüber einem Kontrollor auf gut wienerisch die Aussage getätigt haben: „Haut‘s ihn (Hudler, Anm.) ausse, dann soll er klagen und wenn er recht bekommt, bekommt er viel Geld und muss nicht arbeiten.“ 

Tatsächlich wurde Hudler im September 2025 fristlos entlassen. Plötzlich ging es nicht mehr um Spesen. Die neue Begründung lautete: Der Geschäftsführer habe die Finanzabteilung der Kulturinstitution nicht ausreichend überwacht. Hudler bestreitet das und verweist darauf, dass er mit einer externen Beratungsagentur bereits ab 2023 an weiteren Verbesserungen des internen Kontrollsystems gearbeitet habe. Bei Prüfungen habe man auch 2024 nichts beanstandet. Ein langjähriger leitender Mitarbeiter im Finanzbereich sei in den letzten Monaten seiner Tätigkeit zunehmend überfordert gewesen, das Ministerium habe aber in diesem Fall auf eine Art sanften Ausstieg gedrängt, da man öffentliche Schlagzeilen vermeiden wollte.

Ex-Hofreitschul-Chef Alfred Hudler
Ex-Hofreitschul-Chef Alfred Hudler(Bild: Krone KREATIV/© srs/renevanbakel.photo, Klemens Groh)

Aussendung vor dem Beschluss
Besonders heikel ist der geschilderte Ablauf des Hudler-Rauswurfs: Laut Klage wurde die Entlassung öffentlich kommuniziert, noch bevor der Aufsichtsrat überhaupt einen entsprechenden Beschluss gefasst haben soll. Erst nach der Presseaussendung des Ministeriums sei die Entscheidung im Aufsichtsrat formal getroffen worden. Und wenige Stunden später habe der Aufsichtsratschef der Belegschaft erklärt, Hudler habe sich „nichts zuschulden kommen“ lassen.

Ministerium verweist auf Aufsichtsrat
Aus dem Landwirtschaftsministerium heißt es zur Klage des Ex-Geschäftsführers: Der ehemalige Aufsichtsrat der Spanischen Hofreitschule habe das Ministerium am 25. Juli 2025 darüber informiert, dass er zur Ansicht gekommen sei, dass es erforderlich sei, den bisherigen Geschäftsführer von seiner Funktion „zu entheben und zu entlassen“. Begründet worden wäre dieser Schritt seitens des ehemaligen Aufsichtsrats damit, dass im Zuge der Prüfung bereits bekannter Verdachtsmomente „gravierende andere Verfehlungen“ hervorgebracht wurden. Deshalb habe das Ministerium die interne Revision mit einer Prüfung beauftragt. Die Prüfungsberichte seien nach erfolgter Überprüfung an die Staatsanwaltschaft und die Finanzprokuratur übergeben worden. Mehr könne man zu „laufenden Verfahren“ nicht sagen.

Die Staatsanwaltschaft Wien hat mittlerweile einen Großteil der Ermittlungen gegen Alfred Hudler eingestellt. In einem letzten Teilbereich geht es um eine vermeintliche Sonderzuwendung über zwei Millionen Euro, die angeblich zweckwidrig verwendet worden sein könnte. Doch aus der traditionell schwer defizitären Spanischen Hofreitschule ist zu vernehmen, dass auch die Verwendung dieser Gelder gut dokumentiert ist.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Kostenlose Spiele
Vorteilswelt