Der Einsatz von Mehrweg-Glasflaschen für Wein wurde offiziell begonnen, ist aber eigentlich im Testbetrieb. Es gibt nur Weißweinflaschen und keine Kisten. Der Handel ist zögerlich.
Ziemlich unbemerkt begann im April der Einsatz von Pfandflaschen aus Glas für Wein. Die Idee entwickelte sich seit 2023, nachdem die EU-Kommission laut darüber nachdachte, wenigstens zehn Prozent des Weines in Mehrwegflaschen zu vertreiben, was abgelehnt wurde. Im Zuge dessen zeigte sich in Österreich, dass Weinbaubetriebe mit Mehrwegflaschen für weniger CO₂-Ausstoß sorgen könnten, denn das Einschmelzen der Flaschen ist energieintensiv.
Eine neue Flasche mit System
Eine Steuerungsgruppe des Österreichischen Ökologie Institutes (ÖÖI) beschäftigte sich mit der Entwicklung eines umsetzbaren Systems. Das wurde nun offiziell begonnen, steckt aber offensichtlich in den Kinderschuhen. Projektkoordinator Philipp Haderer vom ÖÖI: „Wir haben 366.000 Flaschen produziert und arbeiten nun mit Weinbaubetrieben zusammen.“
Den Transport der zurückgegebenen Glas-Flaschen zu den Waschzentren erledigt die Wein- und Lagerlogistik in Parndorf. Geschäftsführer Andreas Leitner sieht Chancen für das System: „Für Gastronomie, Händler, die es gewohnt sind, Gebinde zu retournieren oder Großveranstaltungen kann ich mir vorstellen, dass das funktionieren wird. Die Supermärkte lehnen es noch ab, weil es für die Rückgabestellen zu schwierig ist. Und für den internationalen Versand stelle ich mir das nahezu unmöglich vor.“
Viel Werbung wird nötig sein
Derzeit gibt es nur eine 0,75-Flasche für Weißwein, die mit einem Pfand von 60 Cent belegt ist, Flaschen für Rotwein sind geplant. Kisten soll es etwa ab Juni geben. Genau die hält Winzer Gernot Moser in Gols für unabdingbar: „Mit Einzelflaschen im Weinregal des Supermarktes wird das nicht funktionieren. Das geht nur, wenn alle Kisten verwenden, damit jeder seine Anzahl an Flaschen wieder zurückbekommt.“ Derzeit arbeite man auch noch an der Fülltechnik und an der Entfernung der Hülse nach der Rücknahme. Großmärkte würden Wein in Mehrwegflaschen erst ins Sortiment nehmen, wenn alles berücksichtigt sei. „Flaschen allein sind zu wenig. Und es wird viel Werbung brauchen.“
Winzer Leo Hillinger zeigt sich auch interessiert, meint aber, „dass jeder Winzer sich bisher einer Vielzahl unterschiedlicher Flaschenformen- und -typen bedient. Die Flaschenform ist – wie das Etikett und der Rest der Ausstattung – ein wichtiges Marketingtool, mit dem man dem Produkt einen individuellen Ausdruck verleihen kann.“ Das ist mit den Pfandflaschen nicht so einfach.
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