Die FH Joanneum verzeichnete zuletzt mit 5700 Studierenden einen neuen Rekord – mittlerweile sind die Bewerbungsfenster für das neue Studienjahr geöffnet. Bremst die Gebühr, die ab Herbst fällig ist, das Interesse der jungen Menschen? Wir haben uns bei Tag der offenen Tür umgehört.
Getümmel am Samstagvormittag an der FH Joanneum in Graz: Im einen Gebäude werden Puppen reanimiert, im nächsten Drohnen gesteuert – und über das Campusgelände flitzen die Rennautos der Fahrzeugtechnik-Studenten. Vor allem aber werden an jeder Ecke Flyer verteilt: Gesundheitsinformatik, Internationales Management, Journalismus und PR, Elektrotechnik und Computer Engineering und wie die Studiengänge noch so heißen.
Elektrotechnik steht bei Tobias Bauer hoch im Kurs, der sich gerade bei einem Stand informiert. Er überlegt noch zwischen Fachhochschule und TU: „Die FH ist ähnlich zur Schule, an der Uni ist man flexibler“, sagt der 19-jährige Feldbacher, der gemeinsam mit seinem Bruder zum Tag der offenen Tür gekommen ist. Auch Niklas (18) will in Graz studieren – Fahrzeugtechnik wäre sein Wunsch: „Die Praxisnähe würde mich reizen“, meint er.
Bewerbungsphase gut angelaufen
Die Praxis ist für viele angehende Studierende hier an der FH das zentrale Argument. So auch für Eva-Maria Haberl, die bereits die Ausbildung zur Elementarpädagogin in der Tasche hat. „Ich möchte Soziale Arbeit studieren, weil ich einfach etwas bewirken will“, erzählt die 24-Jährige.
Ich möchte Soziale Arbeit studieren, weil ich einfach etwas bewirken will.

Eva-Maria Haberl (24)
Bild: Jürgen Fuchs
Die Bewerbungsphase ist bereits voll im Gange, berichtet Martina König. Sie ist Vizerektorin und hat heuer die Leitung des Instituts Journalismus und Digitale Medien übernommen. In der neuen Rolle ist sie um Curriculumsverbesserungen bemüht und freut sich, dass die Hochschule „immer internationaler wird“. Das soll in Zukunft noch mehr Studenten anziehen: „Wir würden uns freuen, den Studierendenrekord (etwa 5700 im Studienjahr 2025/26, Anm.) zu brechen.“
Weniger hilfreich beim Anwerben junger Leute sind die Studiengebühren, die ab diesem Herbst fällig sind. Neueinsteiger müssen 363,36 Euro pro Semester zahlen. Sie wurden infolge von Förderkürzungen des Landes eingeführt. „Das wirft keine negativen Diskussionen auf“, beschwichtigt König, „der Großteil der Fachhochschulen in Österreich verlangt bereits Beiträge.“ Der Schritt sei notwendig, um „die Qualität abzusichern und konkurrenzfähig zu bleiben“.
Auch TU Graz und Uni Graz präsentieren sich Studieninteressenten:
„Für uns sind die Gebühren kein Problem – 360 Euro halten uns nicht auf“, sagen Tobias und Niklas. Auch Eleonora Richter (16), die wir bei den Boliden der Fahrzeugtechniker treffen, ist davon wenig beeindruckt. Ihr Vater, der mit ihr den Campus besichtigt, zeigt sich bereitwillig, die Gebühren zu zahlen. Eva-Maria ist ebenfalls zuversichtlich: „Ich bekomme ja sogar das Selbsterhalterstipendium.“
ÖH steht Studenten zur Seite
Weil Studenten üblicherweise nicht allzu weit vorausplanen, sei noch der Semesterbeginn abzuwarten: „Noch ist nicht abschätzbar, ob eine Welle losgetreten wird“, sagt Christine Mayr von der Hochschülerschaft, zeigt sich aber grundsätzlich optimistisch. Gesonderte Zuschüsse sind nicht angedacht – „wir werden mit unserem bestehenden Sozialtopf wirtschaften“.

Der Optimismus siegt ja bekanntlich – auch beim Thema Mensa: „Das Viertel ist lebhaft – wir stehen den Unis im Campusfeeling in Nichts nach“, sagt König. Bezüglich der aktuell leer stehenden Mensa sei man in Verhandlungen mit der Stadt Graz, wie die FH die Räumlichkeiten sinnvoll nutzen könnte. Am Samstag richteten sich dort die Physiotherapie-Studenten ein: „Wir sind wirklich positiv überrascht, wie viel heute bei uns los ist“, freuen sich Marlena Platzer und Paul Prettenthaler.
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