Josefstadt

„Zemlinsky“: Unscharfes Panorama im Promi-Auftrieb

Kultur
20.03.2026 09:38

Es geht ans Abschiednehmen: Die Josefstadt-Ära Föttinger feierte mit der Uraufführung von Felix Mitterers „Zemlinsky“ ihre vorletzte, nicht übertrieben gelungene Premiere.

Auch von der Beurteilung des Künstlerischen abgesehen, war das ein hoch emotionaler Abend: die vorletzte Premiere einer bedeutenden Direktionsära mit der Rückkehr des großen Dramatikers Felix Mitterer an das Haus gemeinsamer Triumphe. Dem antifaschistischen Märtyrer Jägerstätter und dem von den Nazis ermordeten Boxer Johann Trollmann wurden hier einst handwerklich herausragende Lebensbilder zugedacht. Nun zeichnet man an der Josefstadt die Biografie des österreichischen Komponisten Alexander Zemlinsky nach, der, aus allen europäischen Zufluchten vertrieben, in den USA zugrunde ging.

Mitterer versucht diesmal ein vielteiliges Zeitpanorama in prominenter Höchstbesetzung. Brahms, Schönberg, Werfel, der Maler Richard Gerstl, Mahler und dessen Gattin Alma, die auch bei ihrem Kompositionslehrer Zemlinsky aktiv gewesen sein soll, dazu Generationen der jüdisch-protestantischen Familie: Man muss ein sehr kundiger Kulturhistoriker sein, um im Auftragswerk des Zemlinsky-Fonds nicht die vielen Fäden zu verlieren.

Die Regisseurin Stephanie Mohr will dem begegnen, indem sie die Uraufführung in einen surrealistisch verzerrten Requisitenfundus mit verstimmtem Klavier stellt, um die Ereignisse ins Absurde zu entrücken (Bild: Miriam Busch). Passagen aus Oscar Wildes „Geburtstag der Infantin“, der Vorlage zu Zemlinskys Oper „Der Zwerg“, erzeugen reizvolle Assoziationen zu E. T. A. Hoffmann. Wikipedia-artige Einlagen sollen als Wegmarken dienen, und zu verfremdeten Zemlinsky-Klängen wird teils ohrenfolternd gesungen.

Uniformes Schwarz der Figuren
Keine einfache Aufgabe für die Schauspieler, wobei die Frauen durch teils uniformes Schwarz bis zur Ununterscheidbarkeit benachteiligt werden. Doch können sich zumindest Ulli Maier, Martina Ebm und Melanie Hackl durchsetzen. Den Männern ergeht es etwas besser: Günter Franzmeier als alter und Martin Vischer als junger Zemlinsky,

Markus Kofler, Michael König und Robert Joseph Bartl mit einer brillanten, aber fremdkörperhaften Travestienummer als alte Alma bleiben im Gedächtnis.

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