Die Eskalation im Nahen Osten trifft die Energiemärkte mit voller Wucht: Nach schweren Angriffen auf Katars zentrale Flüssiggasanlagen (vor allem als LNG geläufig) schießt der Gaspreis in Europa sprunghaft nach oben – und ein Ende der Entwicklung ist vorerst nicht in Sicht.
An der Börse in Amsterdam verteuerte sich der richtungsweisende Erdgas-Terminkontrakt TTF zur Lieferung in einem Monat am Donnerstag in der Früh um 24,5 Prozent auf 67,89 Euro je Megawattstunde (MWh). Auch am Ölmarkt sorgte die angespannte Lage für deutliche Ausschläge: Der Preis für die Nordseesorte Brent stieg zeitweise auf über 115 Dollar pro Fass.
Erhebliche Schäden durch Angriffe
Auslöser für den Preissprung sind Angriffe auf die für den Weltmarkt bedeutenden Flüssiggasanlagen in Katar. Nach Angaben aus Doha wurde das Industriegebiet Ras Laffan, in dem sich zentrale Anlagen zur Produktion und Verschiffung von Flüssiggas befinden, erneut Ziel iranischer Raketenangriffe. Der Zivilschutz bekämpfte einen Brand, Verletzte wurden nicht gemeldet.
Bereits zuvor hatte der Betreiber Qatar Energy von Bränden und erheblichen Schäden berichtet. Katar zählt zu den wichtigsten Produzenten von Flüssiggas weltweit, große Teile der Exporte werden über Ras Laffan abgewickelt. Produktion und Transport – insbesondere über die strategisch wichtige Straße von Hormuz – sind derzeit weitgehend unterbrochen.
Trump droht mit massiver Militärreaktion
Die Lage wird zusätzlich durch politische Drohungen verschärft. US-Präsident Donald Trump kündigte an, im Falle weiterer Angriffe auf Katars Gasindustrie das iranische Gasfeld „South Pars“ massiv bombardieren zu lassen. Eine solche Attacke werde mit einer bislang nicht gesehenen „Stärke und Schlagkraft“ erfolgen, schrieb er auf der Plattform Truth Social.
Zugleich erklärte Trump, Israel werde dieses Gasfeld nicht erneut angreifen – solange der Iran seine Angriffe auf Katar einstelle. Das Gasfeld „South Pars“, das Iran und Katar gemeinsam nutzen, gilt als größte bekannte Gasreserve der Welt und ist zentral für die Energieversorgung der Region.
Sorge vor Engpässen wächst
Mit dem inzwischen in die dritte Woche gehenden Krieg im Nahen Osten wachsen die Sorgen vor längerfristigen Lieferengpässen. Bereits zuvor hatten Einschränkungen im Schiffsverkehr durch die Straße von Hormuz die Versorgungslage angespannt. Vor allem asiatische Länder, die stark von Lieferungen aus der Golfregion abhängig sind, weichen zunehmend auf den europäischen Markt aus.
Die jüngsten Angriffe auf Gasanlagen verschärfen die Situation weiter. Marktbeobachter gehen davon aus, dass die Versorgung mit Erdgas auch längerfristig beeinträchtigt sein könnte.
Gaspreis seit Kriegsbeginn mehr als verdoppelt
Vor Beginn der militärischen Eskalation lag der TTF-Preis noch bei rund 31 Euro je MWh – seither hat er sich mehr als verdoppelt. Der starke Anstieg dürfte auch die Wiederbefüllung der europäischen Gasspeicher in diesem Jahr deutlich erschweren. Da Gaskraftwerke insbesondere im Winter eine wichtige Rolle bei der Stromerzeugung spielen, könnten auch die Strompreise weiter steigen.
Ölpreise ziehen deutlich an
Auch am Ölmarkt zeigt sich die Unsicherheit deutlich. Die Nordseesorte Brent verteuerte sich am Donnerstag zeitweise auf mehr als 115 Dollar pro Barrel, bevor sie sich bei rund 113 Dollar einpendelte – ein Plus von etwa 5,5 Prozent gegenüber dem Vorabend.
Deutlich moderater fiel der Anstieg bei der US-Sorte WTI aus, die lediglich leicht auf etwas mehr als 96 Dollar zulegte. Die Preisdifferenz zwischen Brent und WTI ist damit so groß wie seit Anfang 2015 nicht mehr.
Hoffnung auf Maßnahmen der USA
Als Grund gilt unter anderem die Erwartung, dass die USA Maßnahmen ergreifen könnten, um die Auswirkungen der Krise auf die Energiemärkte abzufedern. Finanzminister Scott Bessent erklärte jedoch, dass bislang keine Eingriffe in den Markt für Energie-Futures erfolgt seien.
Analysten zufolge könnte die US-Regierung dennoch über Schritte wie eine Abgabe auf Rohölexporte oder sogar ein Exportverbot nachdenken, um die steigenden Energiepreise einzudämmen.
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