In der Steiermark gehen die Wogen wegen eines neuen Gesetzes zur Kinderbetreuung hoch. Die Initiative „Kinder brauchen Profis“ lässt ihrem Ärger freien Lauf.
„Der Landesrat versteht das Problem in unseren Kindergärten tatsächlich nicht“ – Vertreter der Initiative „Kinder brauchen Profis“ sind ziemlich sauer. Genauso wie viele andere Repräsentanten aus dem Elementarbereich wehren sie sich gegen eine geplante Novelle, wonach sich die Gruppengrößen und Freispielflächen in Kindergärten und Krippen verändern könnten. Und das nicht zum Besseren, wird kritisiert.
2,2 Quadratmeter pro Kind
Gruppen können durch die Novelle auf bis zu 27 Kinder anwachsen (derzeit sind 22 Kinder die Maximalzahl in der Steiermark). Eine Überschreitung in Ausnahmefällen soll nur noch durch den Träger – ohne Bewilligung des Landes – möglich sein. Bei Neubauten oder Gruppenerweiterungen sind künftig weniger Bewegungsräume vorgeschrieben, Freispielflächen müssen nicht mehr zwingend direkt neben einer Einrichtung liegen. Laut Expertinnen habe das mehr Aufwand für das Personal und weniger Möglichkeiten für Kinder zur Folge.
Die Innenfläche pro Kind sinkt rein rechnerisch im schlechtesten Fall auf rund zwei Quadratmeter – das ist eine Zumutung, vor allem für die Kinder!
Eine Grazer Pädagogin
Eine Grazer Pädagogin rechnet vor: „Laut den neuen Vorgaben sinkt die rechnerische Innenfläche pro Kind im wirklich schlechtesten Fall auf rund zwei Quadratmeter – das ist eine Zumutung, vor allem für die Kinder, aber auch für die Betreuer!“ Nachsatz: „So etwas kann nur jemandem einfallen, der noch nie in einem Kindergarten gearbeitet bzw. sich ernsthaft mit den Gegebenheiten auseinandergesetzt hat.“ Kommen die Änderungen wie geplant, werde sie kündigen: „Damit wäre die Schmerzgrenze endgültig überschritten.“
Hermann reagiert mit Antwortschreiben
Vor solchen Kündigungen warnten Kindergarten-Vertreterinnen bereits zuletzt. Bildungslandesrat Stefan Hermann (FPÖ) hat in einem Antwortschreiben auf den offenen Brief der Initiative „Kinder brauchen Profis“ reagiert. Er spricht davon, dass zum Beispiel eine Überschreitung der Höchstzahlen auch vorher schon möglich gewesen sei, man bei den Freispielflächen eine „Flexibilisierung“ schaffen will und die Steiermark „über eine hohe Qualität im Bereich der Kinderbildung und -betreuung“ verfüge.
„Nicht bei Kindern sparen“
„Kinder brauchen Profis“ ist empört. Die „Besänftigungen“ des Landesrats würden nicht dem Gesetzesentwurf entsprechen, heißt es – im Gegenteil. Man spricht sogar von „arbeitsrechtlichen Kampfmaßnahmen“, sollte man kein Gehör finden. Man befürchte, dass die Novelle zu weitreichenden Verschlechterungen in elementaren Einrichtungen führt: „Uns ist bewusst, dass die Entscheidung zur Novellierung des Gesetzes unter einem allgemeinen Sparzwang getroffen wurde. Was wir uns aber aktuell im Elementarbereich nicht leisten können, ist zu sparen!“
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