Das US-Nationalarchiv hat die überlieferten Mitgliedskarteien der NSDAP erstmals vollständig ins Netz gestellt. Auf der Suche nach den eigenen Vorfahren kann sich jeder ohne vorherige Anmeldung durch Millionen Einträge klicken. Dazu eine Einordnung und Anleitung.
Die Frage taucht in vielen deutschen und österreichischen Familien früher oder später auf: War der eigene (Ur)-Großvater oder die (Ur)-Großmutter Mitglied der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP)?
Eine neue digitale Quelle erleichtert die Recherche erheblich. Wie der „Spiegel“ berichtet, hat das US-Nationalarchiv große Teile der NSDAP-Mitgliedskarteien nun erstmals frei im Internet zugänglich gemacht.
16,3 Millionen digitalisierte Karteikarten
Millionen Datensätze – darunter Namen, Geburtsdaten, Eintrittsdatum und Mitgliedsnummern – lassen sich damit frei durchsuchen. Die Datenbank enthält rund 16,3 Millionen digitalisierte Karteikarten. Sie geht auf Bestände zurück, die nach dem Zweiten Weltkrieg von den Alliierten beschlagnahmt wurden.
Eine Anleitung zur Recherche:
Für Nutzer kann die Recherche allerdings zunächst unübersichtlich wirken. Denn die Datenbank führt nicht direkt zu einzelnen Karteikarten, sondern zu digitalisierten Mikrofilmen mit oft Tausenden Seiten. Praktische Hinweise zur Nutzung haben der Historiker Martin Clemens Winter von der Universität Leipzig sowie ein Reddit-Nutzer zusammengetragen.
Zur Aussagekraft: Eine Mitgliedschaft und ihre Folgen
Findet man einen Namen im Archiv, sollte man nicht voreilig Schlüsse ziehen. Die Mitgliedschaft in der Partei zeige vorerst nur, dass jemand eingetreten sei und sage wenig darüber aus, wie sich die Person im Nationalsozialismus verhalten habe, erklärt Winter und betont: „Allerdings hat man durch den Beitritt auf jeden Fall eine Zustimmung signalisiert.“ Umgekehrt bedeute es aber auch nicht, dass jemand ohne Treffer im Archiv nichts mit dem Nationalsozialismus zu tun hatte.
Ob es trotzdem zu Diskussionen am Familientisch führen könnte? Das wäre „ein begrüßenswerter Impuls, denn es gibt durchaus eine Verantwortung, sich mit der eigenen Familiengeschichte auseinanderzusetzen“, meint Winter. Zugleich betont der Historiker: „Niemand muss heute die moralische Verantwortung für die Taten des Urgroßvaters übernehmen.“
Historiker: Es ist keine „Nazisuchmaschine“
Forschende und auch Privatpersonen können das Archiv nun online nutzen. Historiker Winter betont, es handle sich um einen Zugang zu sehr umfangreichen Archivbeständen: „Es ist eben keine „Nazisuchmaschine“, wo man Namen eingibt und sofort alles herausfindet.“
Solche großen Datensätze seien etwa für Historiker sehr hilfreich, weil man nach Namen suchen kann, aber mit anderen Suchbegriffen auch neue Personen findet, auf die man sonst gar nicht gekommen wäre, sagt Winter, der an der Universität Leipzig zum Thema „Unternehmenskultur, Zwangsarbeit und Judenmord beim Leipziger Rüstungskonzern HASAG“ forscht.
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