Der Akademikerball in der Wiener Hofburg hat auch heuer wieder für Proteste in und um die Innenstadt gesorgt (siehe Video oben). Das Wetter dürfte aber einige Menschen abgehalten haben, zu kommen. Laut „Krone“-Infos versammelten sich etwa 200 bis 300 Demonstrierende. Der Ball selbst war laut dem Organisator ausverkauft.
Insgesamt gab es zwei Demonstrationen in Wien. Um 17 Uhr startete der Protestzug der Plattform „Offensive gegen Rechts“ vor der Hauptuniversität Wien. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gingen bis zum Stephansplatz. Kurz nach 18 Uhr hielt sich der Zustrom im Vergleich zu den Vorjahren noch in Grenzen. Um etwa 17.45 Uhr startete die Kundgebung „Budenbummel“ am Urban-Loritz-Platz. Dieser führte zum Schmerlingplatz.
Die Polizei war laut APA nicht weniger vertreten als die Demonstrierenden: Mehrere Hundert Einsatzkräfte waren vor Ort, mit Unterstützung von Kolleginnen und Kollegen aus Niederösterreich. Zwischenfälle gab es laut ersten Informationen nicht. Man habe mehrere Identitätsfeststellungen durchgeführt, teilte die Polizei am späten Freitagabend mit. Sechs Anzeigen wurden erstattet, eine Person wurde vorläufig festgenommen, weil ihre Identität nicht festgestellt werden konnte.
Polizei: „Ziele erreicht“
An den Protestzügen nahmen unter anderem Mitglieder der Gewerkschaft und des Verbands Sozialistischer Student_innen in Österreich (VSStÖ) teil. Die Wiener Polizei hatte im Vorfeld empfohlen, den Bereich der Innenstadt großräumig zu umfahren. Auch der öffentliche Verkehr war von Einschränkungen betroffen. Seit 18 Uhr galt ein Platzverbot am Heldenplatz, um Demonstrierende und Ballgäste voneinander fernzuhalten. Bis zum Abend war es laut der Polizei ruhig. Die „Ziele, die Versammlungsfreiheit zu schützen und gleichzeitig für eine sichere Zufahrt der Gäste zu sorgen“, seien „zur Gänze erreicht“ worden, hieß es.
„Dieser Ball ist seit Jahren ein Vernetzungstreffen der europäischen Rechten, welche mit ihrer Ideologie den Faschismus befeuern und unsere Gesellschaft weiter spalten“, sagte Käthe Lichtner von der „Offensive gegen Rechts“. Inhalte der Proteste waren unter anderem Kritik am Kapitalismus und Sozialabbau.
Rosenkranz und Nepp dabei, Kickl nicht
Auf dem Ball selbst traf gegen 20.30 Uhr FPÖ-Prominenz ein, darunter Nationalratspräsident Walter Rosenkranz, Wiens Parteichef Dominik Nepp, Wiens Klubobmann Maximilian Krauss und die frühere Europaabgeordnete Ursula Stenzel (ÖVP/FPÖ). Ein weiterer Gast war der Rechtsextreme und ehemalige Sprecher der Identitären Bewegung, Martin Sellner. Laut Organisator Udo Guggenbichler ist die Veranstaltung ausverkauft. FPÖ-Chef Herbert Kickl ließ sich nicht blicken, weil er laut eigener Aussage kein Ballgeher ist.
„Rechtsextremes Gedankengut verharmlost“
Kritik an der Teilnahme von Rosenkranz kam nicht nur von den Protestierenden, sondern auch von SPÖ und Grünen. „Der Akademikerball steht seit Jahren für ein Milieu, das deutschnationales und rechtsextremes Gedankengut verharmlost. Wer als Nationalratspräsident eine überparteiliche und verbindende Rolle innehat, darf solchen Veranstaltungen nicht durch seine Anwesenheit Legitimität verleihen“, sagte etwa SPÖ-Erinnerungskultur-Sprecherin Sabine Schatz.
Die Freiheitlichen wiesen das zurück. Schatz hätte ein „bedenkliches Demokratieverständnis“ und sei „gerade in Zeiten linksextremistischer Gewalteskalation verantwortungslos“, sagte FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker.
Der Wiener Akademikerball wird seit 2013 unter seinem aktuellen Namen abgehalten. Er gilt als Nachfolger des WKR-Balls, der seit 1952 ausgerichtet wurde. Die mehrheitlich linke Seite demonstriert seit Jahren dagegen. Im Vorjahr gab es laut der Polizei keine „nennenswerten Zwischenfälle“.
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