Josefstadt

Dieser „Hamlet“ ist purer, packender Shakespeare

Kultur
12.02.2026 10:51

In der Spätabenddämmerung der Ära Föttinger besinnt sich das Theater in der Josefstadt der Magie des Originaltextes. Shakespeares „Hamlet“ gelingt in der Regie von Stefan Müller imponierend.

Eine solche Tollkühnheit leistet man sich heute offenbar nur noch, wenn man nichts mehr zu verlieren hat: Spielen die doch glatt Shakespeare und nichts sonst! Zum zweiten Mal hintereinander geht das schon so: Nach einem puren „Sommernachtstraum“ übernimmt der große Brite nun mit seinem „Hamlet“ das Kommando über die Josefstadt. Kein Zitatensalat, keine Wikipedia-Tunke, kein in fünf Teile tranchierter Titelheld wie vor zwei Jahren, als die Burg das Werk zu zeigen vorgab.

Zum Wurstelkongress, vormals Berliner Theatertreffen, schafft es der im Juni scheidende Direktor Föttinger damit sicher nicht mehr. Aber die Aufführung ist erstklassig, und das Publikum sitzt die meisten der 165 Minuten vor Spannung auf der Sesselkante.

Ideales Königspaar Daniel Jesch und Martina Stilp
Ideales Königspaar Daniel Jesch und Martina Stilp(Bild: APA/TOBIAS STEINMAURER)

Uneitel und klug
Der Regisseur Stefan Müller ist ein Spezialist für die uneitle Umsetzung großer Texte. Diesfalls vertraut er klug der Übersetzung Heiner Müllers, der damit nach dem Mauerfall von Ostberlin aus die Theatermoderne aufgerollt hat. Neun Stunden dauerte damals das Ereignis mit Ulrich Mühe. Denn Heiner Müller zeigte in eigener Regie zusätzlich seine „Hamletmaschine“, die auch diesmal eine Rolle spielt: Als einziges Fremdelement ersetzt sie Teile des Textes der Ophelia, die damit in Johanna Mahaffys Darstellung an Widerständigkeit gewinnt.

Ansonsten wird Shakespeares geniale Dramaturgie perfekt, mit Atmosphäre, Ironie, toller Textarbeit und Personenführung nachgezeichnet, und das bis zum quasi uninszenierbaren Fecht- und Vergiftungsfinale (Bühne: Sophie Lux). Claudius von Stolzmann mobilisiert das Format eines großen Protagonisten.

Das Königspaar Daniel Jesch und Martina Stilp, Markus Bluhms Polonius, Martin Niedermair, Dominic Oley, Tobias Reinthaller: alles beste Arbeit. Dazu zwei Pretiosen, Marcello de Nardos Totengräber und Johannes Krischs Geist. Letztgenannter als Wunder an Textbehandlung – und als Video, das hier von der Dilettantenmarotte zum sinnvollen Instrument wird.

Man sollte das nicht versäumen. Wer weiß, wann man wieder Shakespeare zu sehen bekommt.

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