Staatsopernpremiere von Giuseppe Verdis „Luisa Miller“: Buhorkan und Pfiffe für Regisseur Philipp Grigorian, viel Beifall für die US-Sopranistin Nadine Sierra und Dirigent Michele Mariotti.
So ein Schmarren!“, „Wird Verdi da nur lächerlich gemacht?“ So hörte man’s in den Pausengesprächen der Premiere von Verdis „Luisa Miller“, nachdem das Publikum schon nach dem 1. Akt seinem Ärger mit einem Buhkonzert Luft gemacht hatte. Bei der Schlussverbeugung überschüttete es den russischen Regisseur Philipp Grigorian (49) mit einem Buhorkan und Pfiffen. Er hat mit dem schrägen Machwerk die Reihe der Inszenierungsdebakel der Staatsoper – wie Serebrennikows „Don Carlo“ – mit Links getoppt.
Auf der Bühne beschert Grigorian pures Schaumissvergnügen: Hässliche Holzpawlatschen, wie von einem Billigmöbelhaus errichtet, wechseln mit dem Walterschen Palais im russischen Zuckergussstil und bizarren Baumgewirr in grellen Popfarben. Und da steht eine Straßenbahn-Haltestelle, an der der arme Vater Miller sitzt und nicht weiß, wo’s hingeht.
Regieunfug, wohin man schaut! Ein Teddybär (Andrea Mühlbacher) wandert als Postillon d’amour zwischen den Liebenden Luisa und Rodolfo. Sie: eine arme, verratene Arbeiterin, er: ein stolzes Grafensöhnchen, das im Nachthemd unter der Decke eines Messingbetts verschwindet, wenn’s brenzlig wird. Graf von Walter tritt als Bösewicht im Ritterkleid auf, Herzogin Frederica als Pink Lady. Damit man gleich weiß, dass die Liebenden an Gift sterben werden, zeigt Grigorian schon zur Ouvertüre ein Begräbnis, nach dem Luisa in Millers Phantasie wieder lebendig wird.
Michele Mariotti am Pult des solide studierten Staatsopernorchesters sorgt für Tempo, Drive, Spannung bis ins Detail. Nadine Sierras feiner lyrischer Sopran begeistert. Höhepunkte sind ihre wunderbaren Duette mit Vater Miller und Rodolfo. Freddie De Tommaso setzt seinen kraftstrotzenden Tenor mit Energie ein. Nobel sein Schlager „Quando le sere et placido“. Von George Petean hätte ich einen profilierteren Miller erwartet. Wohlklingend und imposant: Roberto Tagliavinis verbrecherischer Graf Walter, der im Sekretär Wurm (Marko Mimica) einen ebenbürtigen Streitpartner hat.
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