Im Flow sein

Neues Jahr, neue Energie – aber bitte ohne Druck

Regeneration & Schlaf
05.02.2026 10:33

Kaum ist der Jahreswechsel vorbei, stapeln sich Vorsätze, Ziele und To-do-Listen. Mehr leisten, besser werden, effizienter leben. Doch führt uns genau dieser Zugang wirklich zu mehr Kraft und Fokus? Oder stehen wir uns damit selbst im Weg? Ex-Skistar Lizz Görgl hat ein Buch zum Thema Flow geschrieben und kennt Antworten.

Viele Menschen starten motiviert ins neue Jahr. „Heuer will ich wirklich alles besser zu machen“. Doch genau dieser Druck kann uns die Energie rauben, nach der wir eigentlich suchen. Ex-Skirennläuferin Lizz Görgl sieht das gelassener – und plädiert für einen Jahresstart im Flow.

Doch was genau versteht man unter diesem Begriff? Flow bezeichnet einen psychologischen Zustand völliger Vertiefung in eine Tätigkeit. Menschen im Flow sind hochkonzentriert, handeln mühelos, verlieren das Zeitgefühl und erleben ihre Aktivität als sinnhaft und intrinsisch belohnend. Der Begriff wurde vom Psychologen Mihály Csíkszentmihályi geprägt.

Loslassen von Flow-Hemmern
Aus Görgls Sicht ist Flow jedoch nichts, das man aktiv herstellen kann. „Flow ist ein Zustand, der entsteht“, erklärt sie. Gerade zu Jahresbeginn geht es daher weniger um neue Leistungsziele als um das Loslassen von Flow-Hemmern: „Grundsätzlich ist weniger mehr – aber vor allem weniger von flowhemmenden Faktoren, wie Stress, zu viel Denken und unnötigem Druck.“

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Flow ist ein Zustand, in dem das Gehirn hoch fokussiert arbeitet, ohne dass dieser Zustand als anstrengend erlebt wird.

Bernd Hufnagl, Neurobiologe

Bernd Hufnagl, Neurobiologe

Ordnung als unterschätze Grundlage
Stattdessen empfiehlt sie einfache, oft unterschätzte Grundlagen:
„Ein gesunder Schlaf- und Tagrhythmus, eine artgerechte Ernährung, Sport, Natur und vielleicht mehr Ruhe und Muse.“ Auch Ordnung kann helfen: „Altlasten aufräumen und generell gerade zu Beginn des Jahres Ordnung schaffen.“ Kritisch sieht die Sportlerin zudem den ständigen Vergleich mit anderen: „Ein zu externorientiertes Leben, über Vergleiche in den sozialen Medien beispielsweise, führt mit Sicherheit nicht in ein Flow-Leben.“

Lizz Görgl – „Die Magie des Flows“ (Campus, 28 Euro)
Lizz Görgl – „Die Magie des Flows“ (Campus, 28 Euro)(Bild: Campus)

Vor allem der Jahresanfang ist von Leistungsdruck und Selbstoptimierung geprägt. „Es geht genau ums Gegenteil. Nach innen gehen, in sich selbst hineinfühlen, sein eigenes Selbst identifizieren.“

Besonders anschaulich ist Flow bei Kindern zu beobachten: „Flow wird erst möglich, wenn man in totaler Präsenz ist – wie Kinder beim Spielen.“ Diese Versunkenheit habe mit Druck nichts zu tun: „Das ist so weit weg von Selbstoptimierung wie Japan von Europa.“

Jeder kann in Flow-Zustand kommen
Was viele überrascht: Flow ist nicht nur Spitzensportlern vorbehalten.
„Flow bedeutet müheloses Aufgehen in einer Tätigkeit, mit voller Potentialentfaltung, Freude, Leichtigkeit und Präsenz“, sagt Görgl. Entscheidend sei eine zentrierte innere Haltung: „Alles, was ich aus meiner tiefen, gelassenen Mitte heraus tue, funktioniert besser.“

Und wo könnte das in unserem Alltag passieren? Beim Kochen, wenn Handgriffe selbstverständlich werden, oder beim Spazierengehen, wenn Gedanken zur Ruhe kommen. Entscheidend ist nicht die Besonderheit der Tätigkeit, sondern die ungeteilte Aufmerksamkeit, mit der sie ausgeführt wird.

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Meiner Erfahrung nach kann ausnahmslos jeder, der es möchte, in den Flow-Zustand und durch Meditation in Erleuchtung kommen.

Katharina Pommer, Psychologin

Katharina Pommer, Psychologin

Auch in der Arbeit kann man den Flow-Zustand üben: Nicht jede Tätigkeit erlaubt vollständige Versenkung, doch selbst kurze Phasen ungeteilter Aufmerksamkeit können die Qualität der Arbeit verändern. Wer sich für eine überschaubare Zeit nur einer Aufgabe widmet, statt ständig zwischen Mails, Nachrichten und To-do-Listen zu wechseln, erlebt Arbeit weniger als Belastung. Entscheidend ist dabei nicht die Menge der erledigten Aufgaben, sondern die Art, wie sie ausgeführt werden. Konzentration ersetzt hier Multitasking. So wird Arbeit nicht automatisch leichter, aber entlastender.

Der vielleicht wichtigste Vorsatz für das neue Jahr ist daher keiner im klassischen Sinn. Weniger Druck, weniger Vergleich, weniger Ablenkung – und dafür mehr Präsenz im eigenen Tun. Und wenn wir wieder vom Weg abkommen, dann können uns Kinder wieder mit ihrer Leichtigkeit inspirieren.

Musiker Michael Mozeth
„Wenn ich im Flow bin, dann fügt sich alles“

In ihrem Buch „Die Magie des Flows“ (Campus, 28 Euro) spricht Lizz Görgl auch mit anderen über ihren Flow-Zustand. Vor allem Musiker kennen diese Situation: „Das ist ein ganz besonderes Glücksgefühl, in dem es mir so Spaß macht, aber wenn ich zu denken beginne, ist es vorbei“, so Keyboarder und Produzent Gregor Huber. „Dieser Zustand ist vielleicht auch mit einer Art Trance vergleichbar, und als Musiker, der schon viele Meter auf seinem Instrument gemacht hat, kennt man das natürlich. Da denkt dann niemand über Akkorde nach, sondern es fügt sich alles“, beschreibt Musiker Michael Mozeth. Beide Aussagen zeigen, dass dieser Zustand in der Musik weniger mit Ekstase als mit Konzentration und Erfahrung zu tun hat. Er entsteht dort, wo Technik und Denken in den Hintergrund treten und das Tun zählt.

Wenn Musiker Michael Mozeth auf der Bühne steht und in einer Art Trance ist, fühlt es sich für ...
Wenn Musiker Michael Mozeth auf der Bühne steht und in einer Art Trance ist, fühlt es sich für ihn wie im Flow an.(Bild: Jules Hofer)
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