Alarmierende Statistik

„Wer keine Lehrlinge ausbildet, soll zahlen“

Wirtschaft
10.02.2026 05:30

Die Lehrlingsausbildung in Österreich steckt in einer tiefen Krise: Gab es 1980 noch fast 200.000 Lehrlinge, sind es heute nur noch gut 100.000. Und der Absturz geht weiter. 2025 stellten erneut mehr als 1000 Betriebe ihre Ausbildungsaktivitäten ein, die Lehrlingszahl sank um 3,4 Prozent.

Folge der Lehrstellenmisere: Rund 3500 Jugendliche suchen aktuell vergeblich einen Lehrplatz. Die Produktionsgewerkschaft PRO-GE schlägt jetzt Alarm und wirft der Wirtschaft Kurzsichtigkeit vor.

„Wir haben mehr als 1000 Ausbildungsbetriebe verloren. Das ist in Zeiten eines steigenden Bedarfs an Facharbeitskräften alarmierend“, sagt Reinhold Binder, Vorsitzender der Produktionsgewerkschaft PRO-GE. „Wer heute nicht ausbildet, wird morgen umso lauter nach Fachkräften rufen müssen.“

Industrie mit dramatischem Minus
Besonders hart trifft es die Industrie: Hier ging die Zahl der neuen Lehrstellen im ersten Lehrjahr 2025 um dramatische 14 Prozent zurück. „Jede siebente Lehrstelle in Österreichs Industriebetrieben wurde 2025 gestrichen. Mit diesem Verhalten sägt die Wirtschaft an dem Ast, auf dem sie eigentlich sitzt“, kritisiert Binder scharf. Sein Vergleich ist plakativ: „Jeder Fußballverein, jede Blasmusikkapelle weiß, warum sie Nachwuchsarbeit betreibt: ohne Jugend keine Zukunft, ohne Lehrstellen keine Fachkräfte!“

(Bild: Krone KREATIV/stock.adobe.com)

PRO-GE fordert: Ausbildungs-Muffel sollen zahlen!
Doch was tun, um die Lehrlingsausbildung – lange Zeit Österreichs Erfolgsgeheimnis – zu retten? Die PRO-GE hat einen radikalen Vorschlag: einen Lehrkostenausgleichsfonds.

Das Modell: Betriebe, die keine Lehrlinge ausbilden, sollen mit einer Art „Abschlag“ in einen Topf zahlen. Aus diesem Fonds werden dann jene Unternehmen unterstützt, die in junge Nachwuchskräfte investieren und sie ausbilden.

Reinhold Binder, Vorsitzender der Produktionsgewerkschaft PRO-GE. „Wer heute nicht ausbildet, ...
Reinhold Binder, Vorsitzender der Produktionsgewerkschaft PRO-GE. „Wer heute nicht ausbildet, wird morgen umso lauter nach Fachkräften rufen müssen.“(Bild: PRO-GE)

„Jene Betriebe, die sich vor der Lehrlingsausbildung drücken, sollen künftig an den Kosten beteiligt werden. Für die bereits jetzt vorbildlichen Unternehmen wird so mehr Gerechtigkeit geschaffen und das duale System wieder attraktiver“, erklärt Binder die umstrittene Idee.

Appell an die Betriebe: Jetzt handeln!
Binder appelliert mit Nachdruck an alle Betriebe, sich einer „Lehrlingsoffensive“ anzuschließen. Die Botschaft ist klar: Der akute Fachkräftemangel ist hausgemacht. Nur wer heute in Lehrlinge investiert, sichert sich morgen die dringend benötigten Facharbeiter.

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