Von der Kanzlei in die Zelle: Seit Jänner sitzt die Gattin eines Wiener Rechtsanwalts in der Justizanstalt Wien-Josefstadt in Untersuchungshaft. Sie soll einen Einbruch in das Büro ihres Mannes fingiert und 75.000 Euro aus dessen Tresor entnommen haben. Vertreten kann sie der Gatte aber nicht mehr – er ist in Insolvenz ...
Die 32-Jährige steht nicht nur im Verdacht, einen Einbruch in die Kanzlei ihres deutlich älteren Mannes (66) fingiert zu haben, davon abgesehen soll sie sich fälschlicherweise selbst als Juristin ausgegeben und von Hilfe suchenden Klienten Vorauszahlungen für anwaltliche Leistungen kassiert haben. Auch ein Bedrängnisdiebstahl steht im Raum.
Seit Jänner in Untersuchungshaft
Die Sprecherin des Wiener Landesgerichts, Christina Salzborn, bestätigte Montagmittag auf APA-Anfrage, dass sich die 32-Jährige seit fast vier Wochen wegen Tatbegehungs- und Fluchtgefahr in einer Zelle der Justizanstalt (JA) Josefstadt befindet. Das Oberlandesgericht (OLG) Wien habe am 2. Februar eine Haftbeschwerde der Frau zurückgewiesen und damit die U-Haft verlängert, sagte Salzborn.
Ganze Reihe an Delikten
Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die 32-Jährige mittlerweile wegen einer ganzen Reihe an Delikten. Der Verdacht auf schweren Betrug gründet auf dem Umstand, dass sie sich wiederholt als „Frau Doktor“ ausgegeben und vorgetäuscht haben soll, sie könne juristische Dienstleistungen übernehmen. Dafür soll sie entsprechende Zahlungen kassiert haben, ohne dass es zu Gegenleistungen kam.
Zwei Männer brachte sie dann im vergangenen Sommer schwer in die Bredouille, indem sie behauptete, die beiden wären in die Kanzlei ihres Mannes eingebrochen, in der sie beschäftigt war und zum Tatzeitpunkt anwesend gewesen sei. Sie hätten die Räumlichkeiten verwüstet und sie gezwungen, den Tresor zu öffnen und ihnen das gesamte dort verwahrte Geld zu übergeben, schilderte die Frau, nachdem sie die Polizei alarmiert und sich als schwer mitgenommene Überfallene präsentiert hatte.
Frau des Anwalts belastete zwei Männer massiv
Die zwei Männer – es handelte sich um Klienten des Rechtsanwalts – wurden am 6. Juni festgenommen. Am 7. Juni belastete die Frau des Anwalts dann bei ihrer kriminalpolizeilichen Einvernahme als Zeugin die beiden unter Wahrheitspflicht massiv. Sie hätten ihr sogar teilweise die Bekleidung zerrissen, um Druck auf sie auszuüben, gab sie an.
Die Männer konnten allerdings in weiterer Folge belegen, dass sie zwar im Stiegenhaus vor der Kanzlei waren – die 32-Jährige hatte sie dorthin bestellt, um angebliche Unstimmigkeiten bezüglich Zahlungsmodalitäten zu klären. Die Kanzlei selbst hatten die Männer jedoch nicht betreten, wie sie mit Handy-Aufnahmen nachweisen konnten. Sie hatten mit einem Smartphone ein Video aufgezeichnet, als ihnen auf ihr Klopfen bzw. Läuten an der Tür nicht aufgemacht wurde. Die Tatverdächtigen wurden daraufhin unverzüglich enthaftet.
Einbruchs-Ermittlungen bereits eingestellt
Die Staatsanwaltschaft Wien hat bereits das ursprünglich gegen die Männer geführte Ermittlungsverfahren wegen schweren Einbruchsdiebstahls eingestellt. Die Anklagebehörde geht demnach gesichert davon aus, dass es keinen Einbruch gegeben hat. Dafür wird der Frau des Anwalts in diesem Zusammenhang das Vortäuschen einer strafbaren Handlung, Verleumdung und falsche Zeugenaussage vorgeworfen.
Damit nicht genug. Sie soll im vergangenen August auch einen bettlägerigen Mann bestohlen haben, in dessen Wohnung sie aus- und einging, weil sie mit dessen Schwester gut bekannt war. Bei einem Besuch soll sie dem auf Medikamente angewiesenen kranken Mann Bargeld, Laptop und weitere Wertgegenstände weggenommen haben. Für die bereits mehrfach vorbestrafte Frau gilt die Unschuldsvermutung.
Jurist seit Ende 2025 in Konkurs
Die Kanzlei des Wiener Rechtsanwalts, der auch regelmäßig als Strafverteidiger in Erscheinung trat, existiert nicht mehr. Über das Vermögen des Juristen wurde Ende 2025 der Konkurs eröffnet, wobei die Entscheidung mit 28. Juni 2026 in Rechtskraft erwuchs. Damit ist ex lege die Berufsberechtigung des Mannes erloschen. Er darf nicht mehr anwaltlich tätig sein. Infolge der Streichung aus der Anwaltsliste kommt er auch für Verfahrenshilfen nicht mehr in Betracht.
Liebe Leserin, lieber Leser,
die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.