420 Millionen Euro

Wiener Gastro-Größen übernehmen den Flughafen

Der Flughafen Wien wächst – nicht um eine dritte Piste, aber dafür die Infrastruktur für die wartenden Flugpassagiere. Um 420 Millionen Euro wird der Terminal 3 erweitert. Herzstück: das neue Gastronomiekonzept. 

Der Schauplatz ist kein Zufall: das Wiener Rathaus. Dort, wo sonst Politik gemacht wird, ging es diesmal um Geschmack, Herkunft und Haltung. Der Flughafen Wien präsentierte jene Gastronomie-Marken, die ab 2027 in der neuen Erweiterung des Terminal 3 einziehen – und damit Wien auf den Teller bringen sollen.

Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) spricht nicht von Umsatz oder Quadratmetern, sondern vom Gefühl. „Ein Flughafen ist ein Ort der Emotionen“, so der Stadtchef. Man komme an, man fliege weg, man warte, man hole liebe Menschen ab. Genau deshalb sei es entscheidend, wie man diese Zeit verbringe. Und womit.

Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (Mitte), Flughafen-Vorstand Julian Jäger (li.) und ...
Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (Mitte), Flughafen-Vorstand Julian Jäger (li.) und Wien-Tourismus-Chef Norbert Kettner(Bild: Imre Antal)

„Die erste und letzte Station einer Reise“
Für Ludwig ist klar: Wenn Wien seine Lebensqualität ernst nehme, müsse sie auch dort spürbar sein, wo viele Gäste erstmals auf die Stadt treffen. Der Appell des Bürgermeisters ist unmissverständlich: keine austauschbaren Konzepte, sondern Betriebe, die Wien geprägt haben – und weiter prägen. 

Die klare Formel liefert Flughafen-Vorstand Julian Jäger: „Der Flughafen ist die erste und letzte Station eines Reisenden in Wien.“ Und genau deshalb sei es Aufgabe des Airports, die Stadt nicht nur funktional, sondern auch kulturell und kulinarisch zu repräsentieren.

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Wir wollen keine gesichtslose Metropole sein, sondern das typische Wien symbolisieren. Diese Betriebe sind eine Visitenkarte für unsere Stadt.

Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ)

Flughafen wird die Stadt repräsentieren
Jäger sprach vom „Who is Who der Wiener Gastronomieszene“, das nun geschlossen am Flughafen eine weitere oder erstmals eine neue Adresse hat. Figlmüller, DO & CO mit Demel, Café Landtmann, Aida, Mochi, Neni, Barbaro, Tür 7, Veganista und JuiceFactory – alle vertreten in der Süderweiterung. Keine globale Kette als Leitfigur, sondern Wiener Handschrift auf rund 10.000 Quadratmetern.

Erweiterung bringt Heimatgefühl am Gate 
Im Zentrum steht ein großzügiger Foodcourt. Figlmüller serviert dort sein berühmtes Schnitzel auf 700 Quadratmetern. „Der Trend geht wieder klar zu regionalen Marken“, so Hans Figlmüller. Man wolle nicht überall dasselbe essen – sondern wissen, wo man ist.

Auch die beliebte Wiener Eiskette „Veganista“ ist mit einem eigenen veganen Lokal auf dem ...
Auch die beliebte Wiener Eiskette „Veganista“ ist mit einem eigenen veganen Lokal auf dem Flughafen vertreten.(Bild: Flughafen Wien)

DO & CO bringt unter anderem das traditionsreiche Demel an den Flughafen. Attila Dogudan spricht von einer bewussten Entscheidung: „Ein Flughafen kann nur funktionieren, wenn eine Stadt funktioniert – und Wien funktioniert.“ Wiener Originale statt austauschbarer Konzepte seien der entscheidende Unterschied. „Für uns ist das eine riesige Ehre“, so Veganista-Mitgründerin Cecilia Havmöller. Dass vegane Küche hier selbstverständlich dazugehöre, mache stolz.

420 Millionen Euro Investitionen
Jäger: „Wir bringen Wien in seiner ganzen kulinarischen Vielfalt in den Terminal.“ Das sei kein Zufall, sondern Teil des Weges Richtung 5-Sterne-Airport. Insgesamt entstehen 70.000 Quadratmeter neue Flächen, dazu Lounges, Bus-Gates und eine neue Sicherheitskontrolle. Investitionsvolumen: rund 420 Millionen Euro. 

Bilanz des Flughafens
Billigflieger-Rückzug trübt Aussichten

Die Manager des Wiener Flughafens verhehlen nicht, dass ihnen der Rückzug der beiden Billigfluglinien Ryanair und Wizz Air wehtut. Nicht zuletzt dadurch werden heuer um 2,6 Millionen Passagiere weniger – und entsprechend weniger Start- und Landegebühren – als voriges Jahr erwartet. Schwechat versucht, mit einer leichten Gebührensenkung dagegenzuhalten, gesteht jedoch „Herausforderungen“ ein und fordert „eine Abschaffung oder zumindest signifikante Reduktion der staatlichen Flugabgabe“.

Der neu ausgebaute Terminal 3 soll die Marke Wien stärken.
Der neu ausgebaute Terminal 3 soll die Marke Wien stärken.(Bild: Flughafen Wien)

Es geht aber nicht nur ums Geld. Die Konkurrenz schläft nicht, und Wiens Funktion als Drehkreuz steht unter Druck. Auch die letztjährige Bilanz wurde vor allem von Direktverbindungen von und nach Wien gerettet, während Transferflüge und das Luftfracht-Geschäft ein deutliches Minus verzeichneten. Auf eine intensive Schlacht um diese internationalen Geschäftsfelder hat das Flughafen-Management keine große Lust. Nicht umsonst wurden die Pläne für eine dritte Piste begraben.

Schwechat will mit Marke Wien punkten
Stattdessen will Schwechat mit der Marke Wien punkten – nicht nur mit dem Ausbau des Terminals 3 (siehe auch oben), sondern auch mit einer neuen Schengen-Außengrenze-Abfertigung und Plänen für einen weiteren Office-Park-Komplex mit 17.000 Quadratmetern, obwohl es in den vorhandenen Immobilien reichlich Leerstand gibt. Das Geld dafür kommt nicht nur von internen Sparmaßnahmen, sondern immer mehr von den Auslandsbeteiligungen des Wiener Flughafens: Der Flughafen Malta und der im slowakischen Kosice wachsen weit intensiver als Wien. Inzwischen findet rund ein Viertel des Schwechater Geschäfts dort statt.

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